Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

Öffentlicher Dienst: Mehr Geld, aber auch längere Arbeitszeit


ÖFFENTLICHER DIENST  

Höhere Gebühren durch Tarifeinigung?

31.03.2008, 20:05 Uhr | dpa / AFP / T-Online, t-online.de

Öffentlicher Dienst: Drohen jetzt höhere Gebühren? (Foto: ddp) Die Streiks im Öffentlichen Dienst sind nach der Tarifeinigung am Montag zwar abgewendet. Aber während sich die Angestellten von Bund und Kommunen auf mehr Geld freuen können, droht den übrigen Verbrauchern Ungemach. Wegen des Gesamtvolumens des Tarifvertrags von rund 9 Prozent für 2008 und 2009 werden viele Städte und Gemeinden wohl ihre kommunalen Gebühren und Beiträge erhöhen, um die Ausgabensteigerung auszugleichen. #

Fakten zum Streik - Die untersten Tarife im öffentlichen Dienst
Gehalts-Check -  

Abschluss an der Schmerzgrenze und darüber
Vielen werde gar nichts anderes übrig bleiben, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Vereinbarungen kosteten allein die Kommunen acht Milliarden Euro und gingen "für viele Städte über die Schmerzgrenze hinaus".

Kommunen werden unter erhöhten Lohnausgaben leiden
"Das Geld wird fehlen für notwendige Investitionen zum Beispiel in Schulen und Kindergärten", kritisierte Landsberg. Die Hoffnung auf flächendeckend beitragsfreie Kindergärten rücke in ferne Zukunft. Auch die Wettbewerbsfähigkeit des öffentlichen Personennahverkehrs sei gefährdet. Dieser könne, anders als die Privatwirtschaft, erhöhte Lohnforderungen nicht aus höheren Gewinnen finanzieren.

Privatisierungsdruck verstärkt sich
Allerdings habe man mit der Verlängerung der Arbeitszeit einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, fügte Landsberg im RBB-Inforadio hinzu. Dennoch sei er sicher, dass im öffentlichen Dienst Arbeitsplätze gefährdet seien. "Gerade in den niedrigen Lohngruppen ist schon in den vergangenen Jahren die Neigung sehr groß gewesen, zu privatisieren", so Landsberg. Der Druck, solche Wege zu gehen, werde nun verstärkt.

 

Einheitliche Löhne in Ost und West
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hatte nach der Einigung hervorgehoben, es sei zum ersten Mal gelungen, in allen Bereichen beim Bund in Ost und West einheitliche Bezahlung aller Beschäftigten zu erreichen. Es sei bei einer "ungewöhnlich schwierigen Ausgangslage" darum gegangen, den Beschäftigten im öffentlichen Dienst einen fairen Anteil an der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung zu sichern. In der Tat bekommen die Beschäftigten rückwirkend zum 1. Januar gleiche Gehälter, im Osten gilt die zusätzlich beschlossene Lohnerhöhung aber erst ab 1. April.

Mehr Geld für 2008 und 2009
Nach Angaben Schäubles steigen die Bezüge für die Beschäftigten des Bundes und der Kommunen in diesem Jahr um 3,1 Prozent. Außerdem soll ein Sockelbetrag von 50 Euro auf das Gehalt aufgeschlagen werden. Vom 1. Januar 2009 an gebe es dann eine weitere lineare Steigerung in Höhe von 2,8 Prozent. Im Volumen entspreche die Verabredung in etwa der Empfehlung der Schlichter, sagte Schäuble.

Ver.di betont Reallohnzuwachs
Die Gewerkschaft Ver.di zeigte sich zufrieden über die Einigung. Zum ersten Mal seit Jahren gebe es Reallohnzuwächse, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft, Frank Bsirske. Innerhalb von zwei Jahren komme es zu einer linearen Anhebung von insgesamt 7,9 Prozent, einschließlich der beschlossenen Einmalzahlungen von 8,9 Prozent im Durchschnitt. Die Arbeitszeitverlängerungen seien zwar schmerzlich, aber doch noch moderat, sagte Bsirske.

Kommunen sprechen von "schmerzlichem Kompromiss"
Die Kommunen sehen dagegen ihre Wettbewerbssituation verschlechtert. Der Abschluss koste rund 9,5 Milliarden Euro, sagte der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle. Damit handele es sich um einen schmerzlichen Kompromiss. In unteren Tarifgruppen komme es zu überproportionalen Verteuerungen. Das betreffe insbesondere Krankenhäuser und den Nahverkehr.

Beamtenbund fordert Übertragung des Abschlusses
Nach der Tarifeinigung für die Arbeiter und Angestellten des öffentlichen Dienstes forderte der Beamtenbund (dbb) auch für die Beamten deutlich mehr Geld. "Der Tarifkompromiss muss zeit- und inhaltsgleich auf die Beamten übertragen werden", sagte der dbb-Vorsitzende Peter Heesen der "Berliner Zeitung" (Dienstagsausgabe). Das Volumen stimme und die vereinbarte lineare Einkommenssteigerung sei "sehr, sehr ordentlich", sagte dbb-Verhandlungsführer Frank Stöhr.

Verrechnung von Lohnerhöhung und Mehrarbeit
Der nach schwierigen Verhandlungen gefundene Tarifkompromiss für den öffentlichen Dienst enthält bei der Regelung der Arbeitszeiten komplizierte Ausnahmen. Diese betreffen offenbar besonders belastete Berufsgruppen. Sie müssen entweder weniger arbeiten oder bekommen mehr Geld.

Arbeitszeiten je nach Bereich unterschiedlich
Grundsätzlich gilt nach dem vorgesehenen Tarifvertrag die 39-Stunden-Woche, in den Ost-Kommunen bleibt es bei der 40-Stunden-Woche. Für die Angestellten der West-Kommunen bedeutet das eine halbe Stunde Mehrarbeit. In Krankenhäusern soll es nach den noch nicht endgültig beschlossenen Plänen jedoch bei 38,5 Stunden bleiben. Als Kompensation würde die Leistungsbezahlung wegfallen.

Freizeitausgleich für Erzieher
Beschäftigte in Versorgungsbetrieben und Erzieher sollen 39 Stunden arbeiten. Für die Erzieher ist vorgesehen, die Mehrarbeit durch zweieinhalb Tage Freizeit auszugleichen. Für die Versorgungsbetriebe soll die lineare Gehaltssteigerung deutlich höher ausfallen. Dafür wird aber die Einmalzahlung für 2009 gestrichen. Die unteren und mittleren Einkommensgruppen im Nahverkehr sollen als Ausgleich für längere Arbeitszeiten eine Sonderzahlung von 800 Euro statt 225 Euro erhalten.

Mehr zum Thema:
Gehalts-Check -  
Job-Motoren - Hier werden Stellen geschaffen 

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Highspeed mit Hightech: mit MagentaZuhause surfen!
hier MagentaZuhause M sichern
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal