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Lebensmittelpreise in Entwicklungsländern: Kein Geld für Reis

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NAHRUNGSMITTELPREISE  

Kein Geld für Reis

10.04.2008, 13:07 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Reisvorräte der Philippinischen Ernährungsbehörde - das Land kann 2008 nur schwer seinen Bedarf decken. (Foto: dpa)Reisvorräte der Philippinischen Ernährungsbehörde - das Land kann 2008 nur schwer seinen Bedarf decken. (Foto: dpa) Naturkatastrophen, eine wachsende Nachfrage in aufstrebenden Ländern wie China und der Boom beim Bio-Sprit machen Lebensmittel für Entwicklungsländer zum teuren Gut. Viele Staaten können sich die Einfuhr dringend benötigter Lebensmittel schon lange nicht mehr leisten. Längst hat die Nachfrage auf den Weltmärkten in vielen der betroffenen Staaten auch in der heimischen Produktion zu massiven Preiserhöhungen geführt.

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Weiter hohe Preise erwartet
Jetzt will die Weltbank das Thema auf die Agenda der reichen Industriestaaten bringen. Vor einen Gipfel führender Wirtschafts- und Finanzpolitiker am Wochenende in Washington warnte die Organisation noch einmal dringend vor der Gefahr einer wachsenden Verarmung in etlichen Regionen der Welt. An den hohen Preisen für Lebensmittel werde sich voraussichtlich in diesem und im kommenden Jahr nichts ändern, heißt es in dem Papier.

Inflation macht Erfolge zunichte
Weltbank-Präsident Robert Zoellick zufolge könnten die Preissteigerungen die Erfolge einiger Länder im Kampf gegen die Armut wieder zunichtemachen. Die internationale Gemeinschaft müsse nicht nur Soforthilfe leisten, sondern betroffenen Ländern auch dabei helfen, Lösungen zu finden, um die Auswirkungen der Teuerung auf die Ärmsten zu lindern. Eine Maßnahme könnten etwa Steuererleichterungen sein. Als letztes Mittel kämen auch Direktzahlungen an Arme in Betracht.

Gordon Brown will mit Gentechnik helfen
Besorgt äußerte sich auch der britische Premierminister Gordon Brown. Der wachsende Hunger weltweit, die steigenden Lebensmittelpreise und die Nachfrage nach Biosprit drohten der Entwicklung in einigen der ärmsten Ländern der Welt einen Rückschlag zu versetzen, erklärte er in einem am heutigen Donnerstag veröffentlichten Brief an die Staats- und Regierungschefs der acht führenden Industriestaaten (G-8). Brown wies auf die Gefahren dieser Entwicklung hin und warb für mehr humanitäre Hilfe für die Hungernden und den Einsatz gentechnisch geänderter Pflanzen.

Zu spät gewarnt
Die Warnungen kommen schon fast zu spät. Nach Angaben des Welternährungsprogramms kommt es inzwischen in vielen Entwicklungsländern zu gewaltsamen Demonstrationen hungernder Bevölkerungsteile. Proteste werden aus Indonesien und einem halben Dutzend afrikanischer Staaten gemeldet.

Hunger-Revolte in Haiti
In Haiti kam es wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise in dieser Woche zu gewaltsamen Unruhen, bei denen vier Menschen getötet wurden. Die haitianische Polizei versuchte am gestrigen Mittwoch vergeblich, die sich zuspitzende Lage in der Hauptstadt unter Kontrolle zu bringen. Sie konnte jedoch nicht verhindern, dass Tausende von Demonstranten Geschäfte, Supermärkte und Tankstellen plünderten und auch einen Radiosender überfielen. In einigen Stadtteilen breite sich Panik aus, berichtete ein Einwohner des Stadtviertels Petionville.

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