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Öl-Krisengipfel: Saudis versprechen dem Westen mehr Öl


Öl-Krisengipfel  

Saudis versprechen dem Westen mehr Öl

23.06.2008, 10:05 Uhr | dpa / dpa-AFX / AFP / t-online.de, t-online.de

König Abdullah (Foto: AFP)König Abdullah (Foto: AFP) Saudi-Arabien hat seine Bereitschaft zum Ausbau der Ölförderung bekräftigt. Sein Land sei auch zu einer weiteren Erhöhung der Förderung bereit, falls die Nachfrage steigen sollte, sagte König Abdullah von Saudi-Arabien am Sonntag in seiner Rede vor Vertretern von 36 Staaten in der Hafenstadt Dschidda. Der Monarch gab zu Beginn des von ihm einberufenen Öl-Krisengipfels offiziell die Steigerung der Öl-Produktion seines Landes auf 9,7 Millionen Barrel pro Tag bekannt. Der größte Ölproduzent der Welt hatte diese Ausweitung der Fördermenge um rund 500.000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter) schon in den vergangenen Tagen angekündigt. Zuvor hatten auch Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Bereitschaft bekundet, mehr Öl zu fördern. Dies lehnen andere Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ab, darunter Algerien und Venezuela.

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König prangert Egoismus an

König Abdullah erklärte, die aktuell hohen Preise von mehr als 130 US-Dollar pro Barrel seien unter anderem das Ergebnis des "Egoismus" einiger Marktteilnehmer und der hohen Mineralölsteuer in einigen Import-Staaten. Mehrere ölproduzierende Staaten hatten im Vorfeld der eintägigen Konferenz in Dschidda erklärt, der Ölpreis sei vor allem deshalb so hoch, weil Finanz-Investoren auf eine Verknappung des Angebots und daraus resultierende weitere Preissteigerungen in der Zukunft spekulierten. Auch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) forderte ein Ende der Spekulation.



OPEC-Chef lehnt höhere Ölförderung ab

Unterdessen hat der Präsident der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC), Tschakib Chelil, eine Erhöhung der weltweiten Ölförderung erneut abgelehnt. Die auf den Märkten gezahlten Preise hätten absolut nichts mit dem Angebot und der Nachfrage zu tun, sagte Chelil vor dem Beginn der Ölpreiskonferenz . "Wir glauben, dass der Markt im Gleichgewicht ist. Es ist kein Problem des Angebots" von Öl, hob er hervor. Ein Sondertreffen der OPEC-Staaten lehnte Chelil, der auch algerischer Ölminister ist, ab. Das nächste reguläre Treffen finde im September statt, dann solle erneut über die Fördermenge des Erdölkartells beraten werden.

Auch Kuwait stellt Erhöhung in Aussicht

Entgegengesetzte Signale kamen aus Kuwait: Die OPEC werde "nicht zögern", die Produktion zu erhöhen, falls die Märkte dies verlangten, sagte der kuwaitische Ölminister Mohammed el Olaim vor Journalisten. Kuwait und Saudi-Arabien gelten innerhalb der OPEC als diejenigen Länder, die am meisten auf die Konjunktur im Westen achten. Beide Staaten sind als Großaktionäre bei westlichen Konzernen engagiert.

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Weitere 500 Millionen Dollar Hilfe

Der König von Saudi-Arabien schlug ferner vor, dass die Öl-Förderstaaten den Entwicklungsländern wegen der steigenden Energiepreise finanziell unter die Armee greifen sollen. Sein Land sei bereit, dafür 500 Millionen US-Dollar bereitzustellen, sagte der König Abdullah auf dem  Krisengipfels weiter. Die Weltbank und die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) sollten entsprechende Schritte möglichst rasch einleiten. Das Land hatte dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) im Mai bereits 500 Millionen US-Dollar für Projekte zur Verfügung gestellt, mit denen die Auswirkungen der gestiegenen Nahrungsmittelpreise für die Ärmsten gemildert werden sollen.

Ölindustrie arbeitet an Kapazitätsgrenze

Der Ölexperte Nansen Saleri, der bis Herbst 2007 die Ölreserven des saudischen Staatskonzerns Saudi Aramco verantwortet hat, rechnet erst in fünf bis sieben Jahren mit einer Stabilisierung des Ölpreises. Derzeit arbeite die Ölindustrie an der Kapazitätsgrenze, es brauche Zeit, neue Kapazitäten aufzubauen, sagte Saleri der "Wirtschaftswoche". Zwar sei die Förderung in den vergangenen Jahren gestiegen, aber die Nachfrage habe stärker zugelegt.

Ölreserven reichen mindestens 100 Jahre

Vor allem in Saudi-Arabien und im Irak sieht Saleri noch erhebliche Vorkommen, die nicht erschlossen sind. "Saudi-Arabien besitzt bereits 260 Milliarden Barrel nachgewiesener Erdölreserven, das ist ein Viertel der konventionellen Ölreserven weltweit", sagte Saleri. Der Irak habe bisher 110 Milliarden Barrel nachgewiesene Reserven, mit moderner Technik sollten 200 Milliarden Barrel realisierbar sein. Von einer Ölknappheit könne keine Rede sein. Die Ölreserven reichten mindestens 100, wenn nicht 150 Jahre.

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Irak will Ölförderung massiv ausbauen

Der Irak will derweil seine Förderkapazitäten mittelfristig massiv ausbauen. "Wir haben die Nachfrage, wir haben die Reserven, und wir haben jetzt auch das Geld, die Ölförderung mittelfristig um vier Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen", sagte der führende Ölberater von Ministerpräsident Nuri al-Maliki, Thamer al-Ghadban, dem "Spiegel". Erstmals seit dem Fall Bagdads im Jahr 2003 liege die Ölförderung jetzt stabil bei 2,5 Millionen Barrel - obwohl der irakische Ölsektor immer noch mit zahlreichen Problemen kämpft. Die Sicherheitslage sei nach wie vor schlecht, ein Teil des Öls werde geschmuggelt, es fehle ein nationales Ölgesetz, schreibt das Magazin.

Keine spezielle Rechtevergabe

Ghadban widersprach dem Verdacht, amerikanische Konzerne würden bei der Rechtevergabe bevorzugt. Davon könne keine Rede sein. Welche ausländischen Firmen am meisten profitieren würden, hänge allein von deren Angeboten ab.

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