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Ölpreis steigt nach Dschiddah-Gipfel weiter


Öl-Gipfel  

Saudis versprechen mehr Öl - Preis steigt

23.06.2008, 18:22 Uhr | dpa / dpa-AFX / AFP / t-online.de, t-online.de

Scheichs beim Ölgipfel in Dschiddah (Foto: dpa)Scheichs beim Ölgipfel in Dschiddah (Foto: dpa) Die Teilnehmer des Ölpreistreffens im saudi-arabischen Dschiddah haben sich für mehr Investitionen zur Erhöhung der Fördermengen und für mehr Transparenz bei der Preisgestaltung ausgesprochen. In der Schlusserklärung hieß es am Sonntag, es müsse mehr investiert werden, um die Kapazitäten für die Produktion und die Verarbeitung zu erhöhen und damit den Ölmarkt zu stabilisieren. Zugleich wurde gefordert, dass die Transparenz und die Regulierung der Finanzmärkte verbessert werden müsse. Von einer unmittelbaren Erhöhung der Fördermenge ist in dem Text aber nicht die Rede. Saudi-Arabien und Kuwait hatten zuvor allerdings angekündigt, bei Bedarf mehr Öl zu fördern. Die Märkte reagierten: Der Ölpreis ist weiter gestiegen.

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Ölpreis steigt nach Gipfel

Ein Barrel US-Leichtöl der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im August kostete im frühen Montagshandel in Asien 136,48 US-Dollar. Das waren 1,12 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Die Förderstaaten hatten beim Gipfel in Dschiddah die Schuld an den hohen Ölpreisen zurückgewiesen und vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Verantwortlich für die Preisexplosion beim Rohöl seien Spekulationen, die steigende Nachfrage und hohe Steuern in den Industrieländern, hieß es.

Saudi-Arabien und Kuwait wollen mehr fördern

Schon jetzt habe Saudi-Arabien seine Erdölförderung von neun auf 9,7 Millionen Barrel pro Tag ausgeweitet, sagte der saudi-arabische König Abdallah auf dem eintägigen Treffen: "Und wir erklären uns bereit, auch weiterem Bedarf nachzukommen." Kuwait versprach ebenfalls, bei Bedarf mehr Öl zu fördern. Dies stieß auf Kritik anderer Staaten der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC). Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erhofft sich von der angekündigten Fördererhöhung ein "deutliches Signal an die Märkte".

Experte: Zweifel an der Umsetzung der Produktionsausweitung

Für den Rohstoffexperten des Hamburgischen WeltWirtschafts Instituts (HWWI), Klaus Matthies, bleiben nach dem Öl-Gipfel Zweifel an der Umsetzung der angekündigten Produktionsausweitung Saudi-Arabiens. "Ich sehe es eher als Bemühen, denn als ernsthafte Absicht, weil die Mittel fehlen", sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Niedrigste Kapazitätsreserven seit Jahren

Neue Produktionsanlagen könnten aufgrund des technischen und finanziellen Aufwands allerdings nur mittel- und langfristig hinzukommen, sagte Matthies. Marktspekulationen zufolge soll das Ölförderland Saudi-Arabien die niedrigsten Kapazitätsreserven seit Jahrzehnten haben. Zudem ist in der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) umstritten, ob die Strategie einer Ausweitung der Ölförderung trägt. Manche Mitglieder sehen bisher keine Angebotslücke.

OPEC-Chef lehnt höhere Ölförderung ab

Unterdessen lehnte OPEC-Chef Tschakib Chelil eine Erhöhung der weltweiten Ölförderung erneut ab. Die auf den Märkten gezahlten Preise hätten absolut nichts mit dem Angebot und der Nachfrage zu tun, sagte Chelil vor dem Beginn der Ölpreiskonferenz . "Wir glauben, dass der Markt im Gleichgewicht ist. Es ist kein Problem des Angebots" von Öl, hob er hervor. Ein Sondertreffen der OPEC-Staaten lehnte Chelil, der auch algerischer Ölminister ist, ab. Das nächste reguläre Treffen finde im September statt, dann solle erneut über die Fördermenge des Erdölkartells beraten werden.

Glos sieht Signal an die Märkte

Die höhere Förderung von Saudi-Arabien und Kuwait könne "zu einer Beruhigung der Preisentwicklung beitragen", sagte Glos in Dschiddah. Zudem halte er es für notwendig, "durch vertiefte Analysen und - so nötig - Regulierung" den Einfluss von Spekulation auf den Ölpreis zu begrenzen. Die angekündigte Fördererhöhung sei auch "eine Aufforderung an andere Ölländer, gleiches zu tun", sagte Glos weiter. Auf dem Treffen sei die Einsicht zu spüren gewesen, "dass es eigentlich keine Gewinner gibt, wenn man die Weltwirtschaft so durcheinander bringt", wie es ein dauerhaft hoher Ölpreis tue. Glos lobte zugleich das Ölpreistreffen an sich, dass Produzenten- und Verbraucherländer an einen Tisch gebracht habe. Der Dialog könne "zu mehr Transparenz der Märkte und Vertrauensbildung beitragen".

Unterbrecher 70-Tage

Weitere 500 Millionen Dollar Hilfe

Der König von Saudi-Arabien schlug ferner vor, dass die Öl-Förderstaaten den Entwicklungsländern wegen der steigenden Energiepreise finanziell unter die Armee greifen sollen. Sein Land sei bereit, dafür 500 Millionen US-Dollar bereitzustellen, sagte der König Abdullah auf dem  Krisengipfels weiter. Die Weltbank und die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) sollten entsprechende Schritte möglichst rasch einleiten. Das Land hatte dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) im Mai bereits 500 Millionen US-Dollar für Projekte zur Verfügung gestellt, mit denen die Auswirkungen der gestiegenen Nahrungsmittelpreise für die Ärmsten gemildert werden sollen.

Ölindustrie arbeitet an Kapazitätsgrenze

Der Ölexperte Nansen Saleri, der bis Herbst 2007 die Ölreserven des saudischen Staatskonzerns Saudi Aramco verantwortet hat, rechnet erst in fünf bis sieben Jahren mit einer Stabilisierung des Ölpreises. Derzeit arbeite die Ölindustrie an der Kapazitätsgrenze, es brauche Zeit, neue Kapazitäten aufzubauen, sagte Saleri der "Wirtschaftswoche". Zwar sei die Förderung in den vergangenen Jahren gestiegen, aber die Nachfrage habe stärker zugelegt.

Ölreserven reichen mindestens 100 Jahre

Vor allem in Saudi-Arabien und im Irak sieht Saleri noch erhebliche Vorkommen, die nicht erschlossen sind. "Saudi-Arabien besitzt bereits 260 Milliarden Barrel nachgewiesener Erdölreserven, das ist ein Viertel der konventionellen Ölreserven weltweit", sagte Saleri. Der Irak habe bisher 110 Milliarden Barrel nachgewiesene Reserven, mit moderner Technik sollten 200 Milliarden Barrel realisierbar sein. Von einer Ölknappheit könne keine Rede sein. Die Ölreserven reichten mindestens 100, wenn nicht 150 Jahre.

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