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Spirituosenhersteller: Führungschaos im Schnapsladen Berentzen


Schnapsladen  

Führungschaos bei Berentzen

23.07.2008, 13:11 Uhr | bv / mmr, dpa, t-online.de

Berentzen - Schnapsbrenner in Nöten (Foto: dpa)Berentzen - Schnapsbrenner in Nöten (Foto: dpa) Das Idyll ist trügerisch. Der Stammsitz der Traditionsbrennerei Berentzen im Emsland-Örtchen Haselünne in Niedersachsen könnte verträumter kaum sein. Mit seinen Fachwerkhäuschen würde er in jedes norddeutsche Industriemuseum passen. Hinter den pure Romantik versprechenden Fassaden spielt sich jedoch schon seit Jahren ein Wirtschaftskrimi ab, der Stoff für so manches Drehbuch liefern würde.

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Schnapsbrenner-Familie bekriegt sich

Das Hauen und Stechen in den unterschiedlichen Stämmen der Schnapsbrenner-Familie hat nun einen neuen Höhepunkt erreicht. Drei von neun Aufsichtsräten der Berentzen-Gruppe AG sind im Streit um den Verkauf der Stammaktien abgetreten. Dass auch Vorstandschef Axel Dahm seinen Hut nehmen könnte, wird von Unternehmensseite zumindest nicht dementiert. Die Berentzen-Aktie gerät nach einer Stabilisierung in den vergangenen Monaten erneut ins Schlingern.

Verkauf wurde in Betracht gezogen

Der aus rund 40 Personen bestehende Kreis der Stammaktionäre, denen die Hälfte des derzeit defizitär laufenden Unternehmens gehört, hatte erst vor wenigen Wochen verkündet, den Verkauf als "eine Option" in Betracht zu ziehen. "Es hat mehrere Angebote von potenziellen Käufern gegeben", sagt ein Mitglied des Aufsichtsrates. Offensichtlich sei in einer Sitzung des Aktionärspools am Mittwoch ein Kaufpreis genannt worden, der nicht alle abgeschreckt habe, sagt der Aufsichtsrat.

"Kasperletheater" im Aufsichtsrat

Dass dabei aber ausgerechnet die verfeindeten Cousins, Jan B. Berentzen und Christian Berentzen, gemeinsam gegen den grundsätzlich beschlossenen Verkauf stimmten, brachte einen Teil des Kontrollgremiums auf die Palme. Denn damit ließen sie auch den dritten Aktionärsstamm der Familien Pabst und Richarz im Regen stehen. Von "Kasperletheater" war die Rede.

Teure Zukäufe der letzten Jahre belasten

Jan B. Berentzen stand von 1994 bis 2006 als Sprecher des Vorstands an der operativen Spitze des Unternehmens. Unter seiner Ägide wurden teure Branntweinmarken zugekauft, darunter Strothmann, Dethleffsen und Bommerlunder - für zu viel Geld, wie Branchenkenner meinen. Die Gruppe geriet in Schieflage, Jan B. Berentzen wurde auf Betreiben seines Cousins Christian und unter Zustimmung des Aufsichtsrates aus dem Chefsessel gedrängt.

Eiszeit zwischen Familien

Er lebt jetzt als Privatier in Haselünne. Damit ist Christian Berentzen (43), der zunächst im Schatten seines Vetters stand, der einzige noch verbleibende Spross der Gründerfamilie im operativen Führungsteam des Unternehmens. Er ist für die Sparte der alkoholfreien Getränke ("Vivaris") zuständig. Zwischen den beiden Linien der Familie herrscht seit längerem Eiszeit.

Besinnung auf Firmentradition

Doch bei der Frage des Verkaufs haben sich die Berentzens im letzten Moment wohl doch auf ihre 250 Jahre lange Firmentradition besonnen und gegen ein Verschleudern ihrer Anteile entschieden. Offensichtlich wollten sie nicht kaputt machen, was ihre Väter Hans und Friedrich Berentzen in den 1970er Jahren mit Erfindung des Apfelkorns zu internationaler Bedeutung geführt hatten. Trotz der frostigen Atmosphäre laufen jetzt im idyllischen Haselünne die Telefondrähte heiß.

Kompetente Führung vonnöten

Kaum einer aber weiß, was genau passieren wird. Die Arbeitnehmervertreter sind "völlig überrascht" und wurden nach eigener Auskunft nicht über den Schritt der Aufsichtsräte informiert. Dabei sind sich Branchenkenner sicher, dass das Unternehmen eine kompetente Führung dringend nötig hat. Berentzen steckt mitten im Restrukturierungsprozess.

Vom erfolgreichen Apfelkorn in die roten Zahlen

Die mit Berentzen Apfelkorn ("Knackiger Spaß im Glas") bekannt gewordene Firma ging im Jahre 1994 an die Börse. Mit dem daraus eingespielten Kapital kaufte Berentzen traditionsreiche Spirituosenmarken auf, darunter Strothmann, Dethleffsen und Bommerlunder. Doch der wirtschaftliche Erfolg blieb aus. Der Aktienkurs kam ins Rutschen, schließlich schlitterte auch die Aktiengesellschaft in die roten Zahlen. Im vergangenen Jahr wurde bei 186 Millionen Euro Umsatz (ohne Branntweinsteuer) ein Fehlbetrag von 11,8 Millionen Euro eingefahren.

Gewinnzone für 2009 im Blick

Das Ziel, den Fehlbetrag aus dem vergangenen Jahr deutlich zu reduzieren, steht noch immer. 2009 soll sogar wieder die Gewinnzone erreicht werden. "Berentzen ist eine starke Marke und hat immer noch ein großes Volumen", sagt ein Aufsichtsrat. "Ich glaube, dass man das Unternehmen durchaus drehen kann." Dafür sei aber ein entschlossenes und starkes Management vonnöten.

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