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Aktionärsschützer-Skandal weitet sich aus


Wirecard  

Aktionärsschützer-Skandal weitet sich aus

24.07.2008, 19:33 Uhr | sky, dpa , t-online.de

Lug und Trug am Aktienmarkt. (Montage: t-online.de)Lug und Trug am Aktienmarkt. (Montage: t-online.de): Die Affäre um die angebliche Verwicklung von Aktionärsschützern in umstrittene Aktiengeschäfte hat einem Medienbericht zufolge deutlich größere Dimensionen als zunächst bekannt. Nach Informationen des “Handelsblatts“ sollen mehrere führende Funktionäre der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) an zwielichtigen Geschäften beteiligt gewesen sein. Der stellvertretende SdK-Vorsitzende Markus Straub hatte bereits am Mittwoch seinen Rücktritt erklärt, nachdem er im Zusammenhang mit einem Bilanzstreit mit dem Zahlungsabwickler Wirecard in die Schlagzeilen geraten war. Ein Sprecher der SdK wollte sich am Donnerstag nicht zu den neuen Vorwürfen äußern.

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Wirecard reicht Klage ein

Die Staatsanwaltschaft München bestätigte am Donnerstag den Eingang einer Anzeige von Wirecard gegen Straub. Es werde geprüft, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Wirecard-Vorstandschef Markus Braun erklärte auf Anfrage von t.online/wirtschaft: "Die Wirecard AG hat bei der Staatsanwalt München Klage eingereicht, die BaFin um Prüfung auf Kursmanipulationen gebeten und unsere Anwälte prüfen Schadensersatzansprüche."

In wenigen Wochen Millionär

Wirecard wirft der SdK Insiderhandel und mittäterschaftliche Marktmanipulation vor, weil der Kurs der Aktie nach kritischen Äußerungen der SdK deutlich gesunken war. Straub selbst soll in Börsengeschäften auf einen sinkenden Kurs der Wirecard-Aktie gesetzt und sich dadurch bereichert haben. Straub soll nach Informationen von "Focus online" innerhalb von wenigen Wochen Millionär geworden sein. Er hatte unter anderem darauf gesetzt, dass der Aktienkurs des Unternehmens Wirecard fällt - und damit Recht behalten. Grund dafür könnte aber gewesen sein, dass die SdK Wirecard zugleich öffentlich vorgeworfen hatte, die Konzernrechnungslegung 2007 sei in verschiedenen wesentlichen Punkten unvollständig und irreführend gewesen. Seit Ende Juni hatten Wirecard-Aktien nach kritischen Äußerungen der SdK massiv an Wert verloren.

Münchner Netzwerk

Nach Recherchen des “Handelsblatts“ ist Straub Teil eines weit verzweigten Münchner Netzwerks, in dem Analysten, Börsenbriefautoren und Aktionärsschützer gemeinsam riskante Geschäfte machten. Die SdK kündigte nach der Affäre um Straub an, ihre internen Richtlinien für den Umgang mit Aktiengeschäften zu überarbeiten. Eine Anwaltskanzlei sei damit beauftragt worden, die sogenannten Compliance-Regeln zu schärfen, sagte ein Sprecher. Die SdK hat nach eigenen Angaben rund 11.000 Mitglieder und zählt damit zu den bedeutendsten Aktionärsschutzvereinigungen in Deutschland.

Schaden für die Aktienkultur

Mit der Affäre droht Jahre nach der Skandalserie am früheren Neuen Markt neuer Schaden für die Aktienkultur in Deutschland, denn die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger ist nun selbst ins Zwielicht geraten. Jedes Jahr listet der Verein in seinem "Schwarzbuch Börse" die Firmen auf, vor denen sich die Aktionäre aus Sicht der SdK wegen dubioser Praktiken in Acht nehmen sollten.

Drohender Vertrauensverlust

"Die Kleinanleger sind davon ausgegangen, dass sie der SdK trauen können und die nicht selbst im Markt herumfummeln", kritisierte der Börsenexperte Professor Wolfgang Gerke von der Universität Erlangen-Nürnberg. Angesichts dieser Vorwürfe sorgt sich auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) als größter Anlegerschutzverband nun um ihr Ansehen. "Wir befürchten, in Sippenhaft genommen zu werden", sagte DSW-Sprecher Marco Cabras. Mit rund 28.000 Mitgliedern ist die DSW deutlich größer als die SdK mit rund 11.000 Mitgliedern.

Experte mahnt Aktionärsschützer

Für Kleinaktionäre sind die Anlegerschutzvereine eine wichtige Anlaufstelle. Gegen eine Jahresgebühr können sich die Mitglieder unter anderem juristisch bei ihren Aktiengeschäften beraten lassen. Außerdem sprechen die Vertreter von DSW und SdK, die fast alle ehrenamtlich tätig sind, im Namen ihrer Anleger jedes Jahr auf Hunderten Hauptversammlungen. Meistens sind sie die ersten, denen nach den Reden von Vorstand und Aufsichtsrat das Wort erteilt und am meisten Gehör geschenkt wird. "Sie haben Macht und damit Einfluss auf den Kurs", sagte Gerke. Umso wichtiger sei es daher, damit sorgsam umzugehen und persönliche Interessen außen vor zu lassen.

Mehr Transparenz gefordert

Die DSW hat nach eigenen Angaben aus diesem Grund seit Jahren sogenannte "Hygienerichtlinien", die die Mitarbeiter unter anderem zur Transparenz über ihre Aktiengeschäfte verpflichten. Bei auffälligen Vorgängen in Unternehmen seien die zuständigen DSW- Mitarbeiter verpflichtet, die Aktien zu verkaufen. "Wer sich nicht daran hält, muss mit Sanktionen rechnen", sagt Cabras. Bislang habe es aber noch keinen derartigen Fall gegeben.

SdK droht dauerhafter Imageschaden

Die SdK hat in Sachen Transparenz noch Nachholbedarf. Erst nach dem Wirbel um die Aktiengeschäfte von Straub hat sie eine Anwaltskanzlei beauftragt, die sogenannten Compliance-Regeln zu schärfen. "Das hätte die SdK viel früher machen müssen", sagte Börsenexperte Gerke. Unter dem Imageschaden werde die SdK noch lange zu leiden haben. Und auch die Präsentation des "Schwarzbuch Börse" könnte aus seiner Sicht im nächsten Jahr womöglich ausfallen. "Sonst müssten sie sich noch selbst darin aufnehmen."

Wirecard-Aktie erholt sich

Die jüngste Entwicklung beflügelte die Wirecard-Aktie erheblich: Der Aktienkurs hat in den vergangenen vier Tagen um rund drei Viertel zugelegt. Wirecard hat mittlerweile einen eigenen Wirtschaftsprüfer eingeschaltet. Sollte sich herausstellen, dass die Vorwürfe des mutmaßlichen Netzwerkes aus Eigennutz erlogen waren, dürfte die Aktie noch weiter gen Norden klettern.

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