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Ein Jahr US-Immobilienkrise: Wie es zu der Misere kam


Chronologie  

Ein Jahr US-Immobilienkrise: Wie es zu der Misere kam

04.08.2008, 17:00 Uhr | sky, t-online.de, AFP

Der Präsident wähnte sich unbeobachtet und ließ seinen Gedanken freien Lauf. “Die Wall Street hat sich betrunken“, spottete George W. Bush kürzlich bei einer Privatveranstaltung in Texas. “Nun hat sie einen Kater.“ Ein Zuhörer nahm Bushs Worte heimlich auf und stellte sie ins Internet. Ungewollt gab der Präsident damit einen Kommentar zum ersten Jahrestag des Phänomens ab, das die Weltwirtschaft inzwischen nachhaltig erschüttert: die US-Immobilienkrise.

Anfang August 2007 stürzten weltweit die Börsen ab und ließen dadurch das ganze Ausmaß der Misere erkennen. Sie hatte sich über Jahre angebahnt - als ein Drama in fünf Akten mit offenem Ende.

Erster Akt: Ein Volk von Schuldenmachern

Die Wirtschaft der USA erlebt in den 90er Jahren eine der längsten Boom-Phasen ihrer Geschichte, doch plötzlich droht dem Wohlstand Gefahr. Im Frühjahr 2000 platzt die Internet-Blase und schickt die Börsen in den Keller, am 11. September 2001 erzittert die Wall Street unter dem Schock der Terroranschläge. Mit Hilfe der Zentralbank Fed steuert die US-Regierung gegen und verfolgt eine radikale Politik des billigen Gelds: Im Juni 2003 erreicht der Leitzinssatz das Rekordtief von 1,0 Prozent. Schuldenmachen wird immer billiger - und es wird zum Volkssport. Amerika schwelgt in einem Konsumrausch auf Pump.

Zweiter Akt: Die Blase wächst

Auf dem Immobilienmarkt setzt sich eine verhängnisvolle Entwicklung in Gang: Banken vergeben millionenfach Kredite an Hauskäufer mit geringem Einkommen. Die Nachfrage nach Häusern wächst, und mit ihr deren Preis - um jährlich etwa zehn Prozent. Die Banken verkaufen die Kredite an Investoren an der Wall Street weiter, die auf hohe Profite spekulieren: Den ärmeren Risikokunden berechnen sie satte Kreditzinsen. Die Gefahr ist zunächst gering. Wenn die Kunden nicht mehr zahlen können, lassen sich die Häuser auf dem boomenden Immobilienmarkt bei ständig steigenden Preisen profitabel weiterverkaufen.

Dritter Akt: Übermut und Leichtsinn

Bis 2006 läuft der US-Hausmarkt glühend heiß. Komplexe Investmentprodukte, die auf Immobilienkrediten an wenig kreditwürdige US-Käufer ("subprime loans") beruhen, finden weltweit reißenden Absatz. Das Geld der Investoren fließt an die Banken, die damit neue Kredite an Risikokunden finanzieren. Manche Banken verlangen nun nicht mal mehr einen Einkommensnachweis. Kleinstverdiener wie Putzfrauen oder Kellner bekommen problemlos Hauskredite über eine halbe Million Dollar. Der Haken: Sie müssen variable Zinssätze in Kauf nehmen, die steigen können. Es ist bereits klar, dass viele ihre Kredite nie werden abzahlen können. Doch solange die Blase noch wächst, winken Investoren hohe Profite.

Vierter Akt: Die Blase platzt

Über zwei Drittel der US-Bürger leben jetzt im Eigenheim - eine trügerische Sicherheit. Bis 2006 hat sich der Anteil der riskanten "Subprime"-Kredite am Gesamtgeschäft auf etwa 20 Prozent verdreifacht. Doch die Ausfälle steigen rasant. Steigende Zinssätze überfordern viele Geringverdiener, reihenweise werden Kreditnehmer zahlungsunfähig. Die Zahl der Zwangsversteigerungen verdoppelt sich bis 2007 auf 2,2 Millionen, 2008 werden es wohl noch mehr. Hauspreise sinken rapide, Banken und Investoren bleiben auf faulen Krediten und unverkäuflichen Häusern sitzen. Geld für neue Kredite trocknet aus.

Fünfter Akt: Weltweite Schockwellen

Der Strudel der Immobilienkrise reißt die gesamte Wirtschaft in den USA mit. Die Börsen verlieren mehr als 20 Prozent, die Konjunktur macht eine Vollbremsung. Nach einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds mussten Geldinstitute bislang mehr als 400 Milliarden Dollar an faulen Immobilienkrediten abschreiben, insgesamt droht der Verlust von 945 Milliarden Dollar. Banken und Fonds stehen vor dem Kollaps - bis hin nach Deutschland, wo etwa die Sachsen LB sich mit US-Immobilien verspekuliert hatte. Verlierer allerorten: Banken, Investoren, Häuslekäufer. Und das Schlimmste ist noch nicht ausgestanden, warnt der IWF.

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