Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

Konjunktur: Issing warnt vor Rezessionspanik


Konjunktur  

Volkswirte im Rezessionsstreit

08.08.2008, 09:07 Uhr | bv, dpa-AFX, AFP, t-online.de

Rezession oder nicht? Ökonomen Otmar Issing und Norbert Walter (Foto: imago)Rezession oder nicht? Ökonomen Otmar Issing und Norbert Walter (Foto: imago) Konjunktur-Experten streiten darüber, ob Deutschland auf dem Weg in eine Rezession ist oder nicht. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, glaubt, dass es schon im dritten Quartal soweit sein wird. Der Ex-Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, warnte dagegen vor Panikmache in Bezug auf einen Abschwung in Deutschland. #

Kaufkraft - Wie schneidet Ihr Bundesland ab?
Fortune-Ranking - Die größten Konzerne weltweit

"2009 geht konjunkturell schief"

Walter sagte "FOCUS Online", das kommende Jahr werde "konjunkturell schief gehen", erst 2010 sei mit einer Erholung zu rechnen. Ein Mittel gegen den Abschwung gebe es nicht, er sei "eine notwendige Korrektur". Walter sprach sich vehement gegen staatliche Ausgabenprogramme zur Stützung der Konjunktur aus: "Man kann nicht das Geld seiner Enkelkinder verschleudern. Das ist in hohem Maße unseriös."

Keine Rezession bei vernünftiger Lohnpolitik

Issing erklärte dagegen im Gespräch mit "stern.de": "Wenn die Tarifparteien eine Lohnpolitik der Vernunft betreiben, bin ich mir sicher, dass wir einigermaßen glimpflich davonkommen werden." Eine Rezession sei, "nach allem was wir bisher wissen, nicht zu erwarten". Es gebe "keinen Grund zur Panik".

Lieber Einmalzahlung als Prozentaufschläge

Kritik übte Issing an den jüngsten Tarifabschlüssen in Deutschland: "Die Arbeitnehmer in Deutschland hätten viel stärker durch Einmalzahlungen an den hohen Gewinnen der Unternehmen beteiligt werden sollen", sagte der frühere EZB-Chefvolkswirt. Den Abschluss bei der Lufthansa bezeichnete er als "in jedem Fall nicht gut für die Konjunktur, weil er sich an den Gewinnen der Vergangenheit orientiert".

Inflation wieder rückläufig erwartet

Dauerhafte Lohnerhöhungen müssten erst einmal verdient werden - "und da kann man nicht allzu optimistisch sein, dass dies auch gelingt". Den Höhepunkt der Inflation sieht Issing aber überschritten: "Wenn die Lohnentwicklung unter Kontrolle bleibt, wird auch die Inflation langsam aber sicher zurückgehen".

Walter für höhere Leitzinsen

Bei der Kritik an den Lohnabschlüssen sind sich beide Konjunktur-Beobachter allerdings einig. Walter sprach sich für steigende Leitzinsen aus, wenn die Lohnabschlüsse in Deutschland weiter "unsinnig" hoch bleiben. "Mir scheint, die Bürger verstehen nicht, in welch ernster Lage wir uns befinden", sagte er. Als negatives Beispiel nannte der Deutsche-Bank-Ökonom den Tarifabschluss in der Stahlindustrie, der bei 5,2 Prozent lag. "Weiteres Ungemach droht, wenn im Herbst in der Metallindustrie verhandelt wird." Die Abschlüsse dürften sich nur am Produktivitätswachstum orientieren. Einen Inflationsausgleich dürfe es nicht geben, da die gegenwärtige Inflation ein exogener Schock sei.

Mehr Themen:
Konjunktur - Angst vor Rezession erreicht Deutschland
Wachstum - Steuerentlastung für Ärmere soll Konsum ankurbeln
Teure Mobilität - Autoclub und DGB wollen Subventionen
Kreditkrise - Immer mehr US-Büger wohnen in Autos
Chronologie - Wie es zur Finanzkrise kam
Immobilienkrise - Spaniens Wirtschaft vor Kollaps

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
15,- € Gutschein für Sie - nur bis zum 22.09.2019
bei MADELEINE

shopping-portal