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Ölmarkt: Entspannung im Kaukasus-Konflikt lässt Ölpreise sinken


Rohöl  

Entspannung im Georgien-Konflikt lässt Ölpreise sinken

12.08.2008, 17:27 Uhr | sky/ mmr, dpa-AFX, AFP, t-online.de

Rohstoff-Händler an der Börse in New York  (Foto: dpa)Rohstoff-Händler an der Börse in New York (Foto: dpa) Der Ölpreis ist am Dienstag im Zuge kräftiger Kursgewinne beim US-Dollar weiter gesunken. Die Entwicklung an den Devisenmärkten verstärke die Entspannung im Georgien-Konflikt und setze den ohnehin nachgebenden Ölpreis weiter unter Druck, hieß es von Experten. Am frühen Nachmittag sank der Barrel (159 Liter) Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im September auf ein Tagestief von nur noch 112,48 Dollar.

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Entspannung in Georgien

Hintergrund für den jüngsten Kursrutsch des Ölpreises: Der russische Präsident Dmitri Medwedew hatte die Einstellung der Kampfhandlungen in Georgien befohlen. Die Militäroperation im Südkaukasus sei abgeschlossen worden, sagte der Kremlchef am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Zugleich erteilte Medwedew dem russischen Verteidigungsministerium den Befehl, die Kampfhandlungen jederzeit wieder aufzunehmen, sollte in der von Georgien abtrünnigen Region Südossetien wieder Gewalt an der Bevölkerung verübt werden. Am Nachmittag hieß es, dass es wieder zu russischen Bombardierungen in Georgien gekommen sei.

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Devisenmarkt als Ölpreis-Bremse

Nicht nur der Preis der wichtigsten US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) gab nach, auch Rohöl der Nordseesorte Brent hat sich weiter verbilligt. Hier kostete ein Fass zwischenzeitlich nur noch 110,47 Dollar, bevor sich der Preis wieder auf über 111 Dollar erholte. "Die Kursgewinne beim Dollar zum Euro sind an den Ölmärkten in den Mittelpunkt gerückt", sagte der Rohstoff-Analyst David Moore von der Commonwealth Bank of Australia. Trotz der potentiellen Bedrohung durch den Konflikt zwischen Russland und Georgien habe die Dollar-Stärke die Ölpreise weiter unter Druck setzen können. Auch der Gold-Preis sank zeitweise deutlich. Zeitweise kostete eine Feinunze nur noch 803 Dollar. Am späten Nachmittag stand der Gold-Preis bei 815 Dollar.



Konjunktursorgen belasten

Der Ölpreis ist seit seinem Höchstwert von etwa 147 Dollar im Juli um fast ein Viertel abgerutscht. Neben der Kurserholung beim Dollar sehen Experten die Ursache für die Talfahrt der Ölpreise auch in der Sorge vor einem Abflauen der Weltwirtschaft und einem damit verbundenen deutlichen Rückgang der Nachfrage nach Rohöl. Außerdem habe das Ausbleiben von Hurrikan-Schäden in der Karibik dafür gesorgt, dass der Ölpreis um rund 35 Dollar je Fass zurückging. Bis der jüngste Preisrückgang auch bei den Verbrauchern ankommt, kann es allerdings ein paar Tage dauern. Zudem dämpft der Euro-Kursrückgang den Preiseffekt an den Tankstellen.

Manche Experte bleibt skeptisch

Von einer allgemeinen Entspannung ging der Rohstoffexperte der Commerzbank, Eugen Weinberg, nicht aus. Trotz der Beruhigung der Lage im Kaukasus habe der Konflikt grundsätzlich die geopolitischen Spannungen verstärkt. In der aktuellen Marktstimmung sei auch ein schneller Anstieg der Ölpreise bis an die Marke von 120 Dollar weiterhin möglich, sagte Weinberg.

Bau der Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan (Foto: dpa)Bau der Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan (Foto: dpa)

Große Pipeline im Visier

Am Vormittag hatte die russische Luftwaffe nach georgischen Angaben erneut eine Öl-Pipeline in Georgien bombardiert. Die BTC-Pipeline, die von Baku über Tiflis zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan führt, sei am Dienstag südlich der Stadt Rustawi beschossen worden, sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsrats in Georgien, Alexander Lomaja. Ob die zweitlängste Öl-Pipeline der Welt bei dem Luftangriff beschädigt wurde, war zunächst nicht bekannt. Wegen des Krieges im Kaukasus hatte der Ölpreis in den vergangenen Tagen zeitweise wieder ein wenig zugelegt: Russland versuchte Presseberichten zufolge, eine durch Georgien laufende Pipeline zwischen Aserbaidschan und der Türkei zu zerstören. Damit würde Öl in Richtung Westeuropa zu einem großen Teil durch russische Pipelines in Europa eintreffen.


BP schließt weitere Georgien-Pipeline

Der britische BP-Konzern hat wegen des bewaffneten Konflikts in Georgien die Öl-Pipeline von Baku in die georgische Schwarzmeer-Hafenstadt Supsa sowie die Südkaukasus-Gaspipeline geschlossen. Das sagte ein Konzernsprecher am Dienstag. Die ebenfalls von BP betriebene Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan (BTC-Pipeline) war bereits vergangene Woche nach einer Explosion an einem Abschnitt in der Osttürkei geschlossen worden. Kurdische Separatisten bekannten sich daraufhin zu einem Anschlag.

Wetter drückt Ölpreis

Die Internationale Energieagentur (IEA) bekräftigte, der Krieg in Georgien und die Schließung der über Tiflis laufenden internationalen Ölleitung habe bisher keine Auswirkungen auf die Ölpreise gehabt. Vielmehr sei das Ausbleiben von Hurrikan-Schäden in der Karibik der Grund dafür, dass der Ölpreis um 30 Dollar je Fass zurückging. Die Preise der Ölterminkontrakte seien seit Anfang Juli um ein Fünftel gefallen, erklärte die IEA in Paris in ihrem Ölmarktbericht. Außerdem beginne die Nachfrage, auf die hohen Ölpreise zu reagieren.

Höheres Angebot

Gleichzeitig erhöhte sich das Angebot: Die Ölförderung der OPEC-Staaten stieg im Juli um 145.000 auf 32,8 Millionen Fass pro Tag. Vor allem Saudi-Arabien, Nigeria und der Iran erhöhten die Produktion. Auch außerhalb des Anbieterkartells stehen die Zeichen auf Expansion, vor allem in Norwegen, Kanada, Brasilien und Argentinien. Weltwelt nahm die Förderung im Juli um 890.000 auf 87,8 Millionen Fass zu.

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