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Einzelhandel: Karstadt vermiest Arcandor das Ergebnis


Karstadt  

Karstadt verhagelt Arcandor-Bilanz

13.08.2008, 21:58 Uhr | sky, dpa , t-online.de

Baustelle Karstadt (Foto: dpa)Baustelle Karstadt (Foto: dpa) Schlechte Geschäfte bei der Warenhaustochter Karstadt haben dem Handels- und Tourismuskonzern Arcandor im abgelaufenen Quartal die Bilanz verhagelt. Der Umsatz sank im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2007/08 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Schwarze Zahlen bei der Tourismustochter Thomas Cook und beim Versandhändler Primondo konnten die Verluste bei Karstadt nicht ausgleichen, so dass das operative Ergebnis des Konzerns deutlich um 20,3 Prozent auf 52,8 Millionen zurückging. Unterm Strich verbuchte Arcandor nach Angaben vom Mittwoch in Düsseldorf einen Verlust von 119,2 Millionen Euro, ohne einen vergleichbaren Vorjahreswert anzugeben.

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Prognose gesenkt

Vor dem Hintergrund steigender Risiken reduzierte Arcandor-Chef Thomas Middelhoff seine für das bevorstehende Geschäftsjahr 2008/2009 vorgelegte Prognose für das operative Ergebnis von 1,3 Milliarden Euro auf mehr als 1,1 Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr 2007/2008 kündigte er erneut einen Ergebnisanstieg im operativen Geschäft auf mehr als 800 Millionen Euro an, nach 642 Millionen Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr 2006/2007. An der Börse ging die Arcandor-Aktie auf Talfahrt und brach zunächst um mehr als acht Prozent ein.

Karstadt geht in die Knie

Nach den drei ehemaligen Konzern-Töchtern Hertie, SinnLeffers und Wehmeyer ist nun auch der Essener Warenhausriese Karstadt unter Druck geraten. Im dritten Quartal brach das operative Ergebnis der Arcandor-Warenhaustochter (bereinigtes EBITDA) um 42,5 Prozent auf minus 50,9 Millionen Euro ein. Der Karstadt-Umsatz ging von April bis Ende Juni um 1,9 Prozent auf 886,9 Millionen Euro zurück.

Entlassungen stehen bevor

Middelhoff kündigte bei der Bilanzvorlage ein erneutes Kostensenkungsprogramm für die Kaufhaustochter an. Finanzchef Peter Diesch kündigte dabei auch einen Personalabbau unter den noch rund 23.000 Karstadt-Mitarbeitern an. Einzelheiten nannte er jedoch nicht. Bereits Ende Juli hatte der Spitzen-Manager der Warenhaustochter, Peter Wolf, seinen Platz räumen müssen. Das neue Konzept soll nun von Nachfolger Stefan Herzberg umgesetzt werden. Noch ungeklärt ist das Schicksal von elf derzeit noch zu Karstadt gehörenden Warenhäusern, über deren Zukunft in den kommenden Monaten entschieden werden soll.

Kehraus bei Karstadt

Unter Leitung der neuen Karstadt-Geschäftsführung werde es eine deutliche Verschlankung der Verwaltung bei einer gleichzeitigen Bündelung der Kräfte im Verkauf geben, kündigte der Konzernchef an. Gleichzeitig werde an Kostensenkungen durch eine Neuausrichtung in den Bereichen Einkauf, Logistik und IT gearbeitet. Middelhoff bekräftigte die eingeschlagene Strategie, die einen Ausbau des europäischen Warenhausgeschäfts vorsieht.

Middelhoff sieht sich bestätigt

"Wo wären wir heute, wenn wir uns nicht konsequent von Teilen des Warenhausgeschäfts getrennt hätten?", fragte Konzernchef Middelhoff. Der Manager hatte nach seinem Amtsantritt 74 kleine ehemalige Karstadt-Häuser an britische Investoren verkauft, die für die mittlerweile unter dem Namen Hertie geführte Warenhauskette vor einigen Wochen Insolvenz angemeldet hatten. Den Gang zum Insolvenzgericht mussten mittlerweile auch die beiden ehemals zu dem Essener Konzern gehörenden Textilhandelsketten Wehmeyer und SinnLeffers antreten.

Weitere Risiken drohen

Middelhoff bezifferte die möglichen Risiken durch die Schieflage der ehemaligen Töchter für Arcandor auf einen "unteren bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag". Dabei handele es sich um mögliche Forderungsausfälle für Waren-Lieferungen an ehemalige Töchter und Risiken für von Arcandor übernommene Garantien für Mietzahlungen.

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