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Russland: Aktienmarkt sackt auf Zweijahrestief


Russland  

Russischer Aktienmarkt sackt auf Zweijahrestief

08.09.2008, 13:40 Uhr | mfu, dpa, t-online.de

Russische Börse auf 2-Jahrestief gefallen (Foto: imago)Russische Börse auf 2-Jahrestief gefallen (Foto: imago) Das rohstoffreiche und wirtschaftlich lange Zeit stabile Russland erlebt seit August ein Finanzerdbeben nach dem anderen. Auf Russlands Aktienmarkt ist der Leitindex RTS am Freitag mit 1469,15 Punkten auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gerutscht. Allein seit Jahresbeginn brach der Index um 37 Prozent ein, davon allein in der ersten Septemberwoche um 11 Prozent. Moskaus Analysten sehen kein Ende der "schwarzen Tage". "Die Stimmung grenzt schon an Panik", meint der russische Investmentexperte Jewgeni Wolkow von der Moskauer MDM-Bank. Nicht nur die Krise im Kaukasus ist schuld an der gegenwärtigen Misere.

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Kapital flüchtet aus Russland

Sorgen bereitet Beobachtern die Kapitalflucht, unter der Russland leidet: Die Zentralbank bezifferte sie im August mit fünf Milliarden US-Dollar (3,5 Milliarden Euro), doch Experten bezweifeln die Angaben und schätzen sie auf 10 bis 20 Milliarden Dollar. Überdies büßt der Rubel rapide an Wert ein, was bei einigen Ängste vor einer neuen Rubelkrise wie 1998 auslöste. "Es ist so, dass in Zeiten drohender Sanktionen gegen Russland und erhöhter politischer Risiken viele Investoren ihre Portfolios ändern und sich auf andere Wachstumsmärkte konzentrieren", erklärte der Präsident des russischen Verbandes der Industriellen und Unternehmer, Alexander Schochin. Die russische Wirtschaft sei von ausländischem Kapital abhängig und hoffe deshalb auf eine baldige Rückkehr des Geldes.

Mechel-Schelte von Putin verunsichert Anleger

Für Verdruss unter Aktionären sorgen auch die Interventionen von russischen Politikern. So hatte Regierungschef Wladimir Putin im Sommer mit einem öffentlichen Wutausbruch wegen der Preispolitik des Stahlkonzerns Mechel die Aktien gleich mehrerer Rohstoffunternehmen auf Talfahrt gesetzt. Die Kritik an Mechel und einigen anderen Konzernen, Kohle zu Dumpingpreisen ins Ausland verkauft und Steuern hinterzogen zu haben, verursachte Dollarverluste in Milliardenhöhe an den Börsen. Anleger befürchteten zeitweilig, es könne ein neuer Skandal wie um den zerschlagenen Ölkonzern Yukos aufziehen.

Ärger um russisch-britischen Ölkonzern TNK-BP

Zudem drückte der Machtkampf um den russisch-britischen Ölkonzern TNK-BP auf die Stimmung. Anfang September wurde der Streit allerdings beigelegt. Schließlich ließen der Krieg im Südkaukasus und danach noch Russlands umstrittene Anerkennung der Unabhängigkeit der völkerrechtlich zu Georgien gehörenden Provinzen Abchasien und Südossetien die Indizies weiter in den Keller stürzen, wie die russische Wirtschaftszeitung "Kommersant" am Samstag feststellte.

Investoren bleiben nervös

Die Nervosität unter den Investoren ist spürbar, weil wegen der russischen Kaukasuspolitik Sanktionen drohen und auch Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) in die Ferne zu rücken scheint. Trotz internationalen Protests halten russische Soldaten Kerngebiete Georgiens besetzt. Für ein Ende dieses Völkerrechtsverstoßes will sich an diesem Montag auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in Moskau einsetzen.

Russlands Führung: Finanzkrise für Probleme verantwortlich

Medwedew und Putin betonen derweil unisono, die wirtschaftlichen Probleme in Russland seien Auswirkungen der Krise auf den internationalen Finanzmärkten. Schuld sei die US-Wirtschaft. Die USA sollten sich vielleicht weniger mit internationalen Problemen und stattdessen mit den Problemen ihrer eigenen Wirtschaft beschäftigen, riet Medwedew. Der Krieg in Georgien werde keine spürbaren Wirtschaftsfolgen für Russland nach sich ziehen, betonte Putin. Die Kapitalflucht sei vielmehr Folge der Liquiditätskrise im Westen.

Halbierung des Kapitalstroms

In diesem Jahr rechne Russland mit einer Halbierung des Kapitalzustroms im Vergleich zu 2007 auf rund 40 Milliarden Dollar, teilte Putin laut der staatlichen Agentur RIA Nowosti Anfang September mit. 2007 hatte der Zufluss mit 80 Milliarden Dollar eine Rekordhöhe erreicht. Der geringere Zustrom sei "halb so schlimm", weil die gewaltige Geldmenge die Inflation nach oben getrieben habe, sagte Putin. Seit Jahresanfang stiegen die Verbraucherpreise in Russland um 9,5 Prozent. Zentralbankchef Sergej Ignatjew betonte, die makroökonomische Situation in Russland sei weiterhin stabil.

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