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Turbulenzen in der Finanzwelt - DAX unter 6000


Finanzkrise  

Turbulenzen in der Finanzwelt - DAX unter 6000

16.09.2008, 18:14 Uhr | mmr, dpa-AFX , AFP , t-online.de

Aktienkurse unter Druck (Foto: t-online.de/ Katja Lenz)Aktienkurse unter Druck (Foto: t-online.de/ Katja Lenz) Neue dramatische Turbulenzen an der Wall Street: Die große US-Investmentbank Lehman Brothers hat Insolvenzantrag gestellt und damit zum Wochenstart weltweit Ängste vor neuen weitreichenden Schockwellen an den Finanzmärkten angeheizt. In einem Überraschungscoup übernimmt zudem die Bank of America die ebenfalls kriselnde drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch für rund 50 Milliarden Dollar. Und der angeschlagene größte US-Versicherer American International Group (AIG) muss Konzernteile verkaufen und sich eine weitere Kapitalspritze in Milliardenhöhe verschaffen. Die US-Notenbank Fed versucht mit einem Rettungspaket die Finanzmärkte zu stabilisieren. Als Reaktion auf die dramatische Zuspitzung der Finanzkrise ist der Deutsche Aktienindex (DAX) am Montag auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren gefallen.

Neues Verlaufstief im DAX

Am Mittag erreichte der DAX bei 5942 Punkten den tiefsten Punkt seit Ende September 2006. Damit notierte der deutsche Leitindex um gut vier Prozent unter seinem Freitagsschluss. Der jüngste Höhepunkt der Finanzkrise zwang vor allem die Aktien der deutschen Banken- und Versicherungstitel in die Knie. Commerzbank-Aktien, Deutsche Bank und Postbank fielen jeweils um mehr als sechs Prozent. Auch die Allianz-Aktien verbilligten sich um fast sechs Prozent.

Lehman-Aktien fast wertlos

"Der Markt hyperventiliert. Börsianer sind bei alle Finanzwerten nun extrem vorsichtig und klopfen sie präzise auf ihre Risiken ab", sagte Kapitalmarkt-Experte Robert Halver von der Baader Bank. Aus den USA hatten sich die Nachrichten um die angeschlagenen Finanzunternehmen überschlagen: Bei den Investmentbanken beantragte Lehman Brothers Gläubigerschutz nach Kapitel 11, Merrill Lynch wird von der Bank of America übernommen. Der größte US-Versicherer American International Group (AIG) steht vor harten Einschnitten. Ein "Massaker" erwarten Börsianer bei den US-Finanzwerten - die Aktien von Lehman Brothers wurden in Frankfurt zeitweise bei 0,49 Euro oder umgerechnet 0,70 US-Dollar gehandelt. Das sind rund 80 Prozent weniger als zum NYSE-Schluss bei 3,65 US-Dollar am Freitag.

Lehman Brothers soll in zwei Teile aufgespalten werden (Foto: dpa)Lehman Brothers soll in zwei Teile aufgespalten werden (Foto: dpa)

Droht eine weltweite Pleitewelle?

Mehr als ein Jahr nach ihrem Beginn erreicht die Finanzkrise damit einen neuen Höhepunkt. An der Wall Street erwarten Beobachter in der neuen Börsenwoche historische Umwälzungen mit Folgen für die gesamte Finanzwelt. Auslöser waren zuletzt drastische Kursstürze und neue Milliardenverluste bei einer Reihe von Finanzhäusern. Sollten ihre Kurse ins Bodenlose fallen, könnte laut Experten eine Pleitewelle drohen.



Fed und Großbanken mit Hilfspaket

Lehman Brothers musste Gläubigerschutz anmelden, nachdem mögliche Käufer der viertgrößten US-Investmentbank ihre Offerten wegen unkalkulierbarer Risiken zurückgezogen hatten. Die verzweifelten Rettungsbemühungen für die Traditionsbank mit deutschen Wurzeln scheiterten letztlich auch daran, dass die US-Regierung in anderen Fällen geleistete Staatshilfen ausschloss. In der Nacht zum Montag kündigte die US-Notenbank Fed nun eine Reihe von Initiativen zur Unterstützung der Finanzmärkte an. Deren Liquidität solle verbessert werden, erklärte Fed-Chef Ben Bernanke. Zudem sollen damit die "potentiellen Risiken und Störungen der Märkte" abgeschwächt. Zehn Großbanken kündigten ihrerseits an, angesichts des "außergewöhnlichen Marktumfelds" gemeinsam für eine maximale Liquidität sorgen zu wollen. Zu den Instituten gehören auch die Deutsche Bank, Credit Suisse und UBS. An der Börse wirkt die Rettungsaktion zumindest bei Lehman Brothers nicht: Im Frankfurter Montagshandel verliert die Lehman-Aktie mehr als 80 Prozent.


Zentralbanken pumpen Milliarden in den Markt


Um den Markt mit frischem Kapital zu versorgen haben die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) milliardenschweren Liquditätsspritzen zur Verfügung gestellt. Die EZB versorgte die Geschäftsbanken des Euroraums kurzfristig mit liquiden Mitteln von 30 Milliarden Euro. Auch die BoE stellte in einem Drei-Tages-Geschäft 24,1 Milliarden Pfund (6,3 Milliarden Euro) bereit. Die beiden Schnelltender blieben jedoch weitestgehend ohne Wirkung. "Die Zinssätze am Geldmarkt sind weiter deutlich erhöht", sagte Geldhändler Ronald Tharun von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Bei einem Leitzins von 4,25 Prozent in der Eurozone koste Liquidität kurzfristig weiter gut 4,5 Prozent. "Ein Ruck durch die Märkte ist nicht zu spüren", sagte Tharun.

Bundesbank hält Auswirkungen auf Deutschland für überschaubar

Das Bundesministerium der Finanzen, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Deutsche Bundesbank stehen in engem Kontakt mit ihren jeweiligen internationalen Partnerbehörden und den Spitzen der deutschen Kreditwirtschaft. Sie beobachten die weitere Entwicklung an den nationalen und internationalen Finanzmärkten sehr genau, heißt es in einer Mitteilung vom Vormittag. Die Engagements deutscher Kreditinstitute bei Lehman Brothers Holding, die einen Antrag auf Gläubigerschutz angekündigt hat, halten sich in einem überschaubaren Rahmen und sind verkraftbar.



Greenspan: Krise ist Jahrhundertereignis

Der frühere US-Notenbank-Chef Alan Greenspan hat die Finanzmarktkrise als Jahrhundertereignis gewertet. "Das übertrifft ohne Zweifel alles, was ich je gesehen habe - und es ist längst noch nicht überwunden", sagte Greenspan bereits am Sonntag dem Fernsehsender ABC News. Die Wahrscheinlichkeit, dass die USA nicht in eine Rezession rutschten, liege unter 50 Prozent. Eine solche Krise komme nur alle 50 bis 100 Jahre einmal vor, sagte Greenspan. Er erwarte, dass noch weitere Banken scheitern werden.

Merrill Lynch wird von Bank of America übernommen

Die zu den führenden US-Banken zählende Bank of America galt zuletzt auch als möglicher Käufer von Lehman Brothers. Nach dem Scheitern dieser Gespräche wandte sie sich stattdessen der wegen Milliardenverlusten und eines heftigen Kurssturzes auch bedrohten Merrill Lynch zu. Die rettende Übernahme sei binnen 48 Stunden in fieberhaften Verhandlungen vereinbart worden. Die Aufsichtsgremien beider Seiten hätten bereits zugestimmt, so das "Wall Street Journal". Die Bank of America hatte im Zuge der Kreditkrise auch bereits die einst führende Hypothekenfirma Countrywide geschluckt.

Aus fünf mach' zwei

Erst vor sechs Monaten hatte die Investmentbank Bear Stearns ihrem Zwangsverkauf zustimmen müssen. Mit der Übernahme von Merrill Lynch und bei einem Aus für Lehman Brothers würden damit binnen kurzer Zeit von einst fünf unabhängigen US-Investmentbanken nur noch die Branchenführer Goldman Sachs und Morgan Stanley übrig bleiben. Beide legen in dieser Woche mit Spannung erwartete Quartalszahlen vor.

Größter US-Versicherer hat auch Probleme

Angesichts immer neuer Krisenherde warnen Beobachter vor einem Flächenbrand: Beim Versicherer AIG soll zu den Notoperationen laut "Wall Street Journal" auch der Verkauf der Flugzeugleasing-Tochter ILFC gehören. Der zu den weltweiten Branchenführern zählende Konzern wolle am Montag auch eine dringend benötigte Kapitalspritze von über zehn Milliarden Dollar verkünden. Am Freitag war die AIG-Aktie in New York um mehr als 30 Prozent gestürzt.


Größte US-Sparkasse gilt als Übernahmekandidat

Die größte US-Sparkasse Washington Mutual gilt unterdessen wegen enormer Probleme immer mehr als Übernahmekandidat. Sie steht bereits unter verschärfter Behördenaufsicht. Ihr Scheitern wäre laut Experten eine enorme Belastungsprobe für den Sicherungsfonds der Branche.

Turbulenzen an den Börsen

An den weltweiten Börsen führen die Nachrichten zu heftigen Turbulenzen. Die Anleihenmärkte profitieren unterdessen. Der Bund-Future steigt von knapp 114 Punkten (Fr.) zeitweise auf über 115 Punkte. Auch der Euro sprang nach oben und notierte zeitweise bei 1,4450 Dollar. Im Tagesverlauf notiert die Gemeinschaftswährung jedoch wieder deutlich tiefer bei 1,4140 Dollar.

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