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Ferdinand Piëch und seine Feinde


Hintergrund  

Ferdinand Piëch und seine Feinde

16.09.2008, 17:58 Uhr | Josef Harnischmacher, AFP, AFP, t-online.de

Cousins und Kontrahenten: Ferdinand Piëch (l.) und Wolfgang Porsche (Fotos: ddp)Cousins und Kontrahenten: Ferdinand Piëch (l.) und Wolfgang Porsche (Fotos: ddp) Die Situation ist ungewohnt für Ferdinand Piëch: Jahrzehnte hat er in der deutschen Automobilindustrie Strippen gezogen, Audi in die Premium-Klasse geboxt, anschließend mit harter Hand den Mutterkonzern Volkswagen saniert. Legendär war dabei sein Verschleiß an Spitzenmanagern und die rüde Art, wie er ihnen den Stuhl vor die Tür setzte. Jetzt aber, mit 71 Jahren, sieht alles danach aus, dass der Patriarch seinerseits entmachtet wird. Der eigene Porsche-Piëch-Clan rebelliert gegen ihn, will weder die Demontage von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking noch Piëchs Alleingänge als Aufsichtsratsvorsitzender beim VW-Konzern länger hinnehmen.

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Piëch kämpft um seine Macht

Ferdinand Piëch stolpert dabei über seine Unfähigkeit, neben sich starke Figuren zu dulden. So verbündete er sich erst am Freitag mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat, um die geplante enge Kooperation von Porsche und Audi zu torpedieren, die Wiedeking angeschoben hatte. Das Signal an den Clan und den Porsche-Chef: Niemand außer Piëch bestimmt die Strategie bei VW. Damit aber hat er die Geduld seines Vetters Wolfgang Porsche überstrapaziert, der nicht nur Aufsichtsratsvorsitzender bei dem Sportwagenhersteller ist, sondern dort auch die Mehrheit an Porsche repräsentiert. Piëch droht damit nun das unrühmliche Ende einer unvergleichlichen Karriere.

Karrierebeginn bei Porsche

1972 hatte der Maschinenbauingenieur Piëch bei Porsche seine Sachen packen müssen, als der Clan beschloss, sich künftig aus dem operativen Geschäft herauszuhalten. Piëch heuerte bei Audi an, wurde schon 1975 Vorstand und 1988 Vorstandsvorsitzender. Er trimmte die Marke auf Erfolgskurs - und wurde 1993 folgerichtig als Retter nach Wolfsburg geholt, als der Konzern in seine bislang schwerste Krise geschlittert war.

Niedersachsen ehemals einziger VW-Großaktionär

Dort fand Piëch binnen kürzester Frist einen Draht zum niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder. Dieser vertrat seinerzeit das Bundesland als damals einzigen Großaktionär im Aufsichtsrat. Auch dadurch überlebte der heutige VW-Aufsichtsratschef die eine oder andere Krise und Affäre im Konzern. Und weil Piëch mit einer aggressiven Expansion die Arbeitsplätze im Bundesland garantierte, ließ ihn im Gegenzug der Großaktionär Niedersachsen gewähren.

Wulff gegen System VW

Vom Chefsessel wechselte Piëch dann 2002 auf den Stuhl des Chefkontrolleurs, doch im Aufsichtsrat saß bald auch der neue CDU-Ministerpräsident Christian Wulff. Diesem behagte - anders als seinem Vorgänger Schröder - das System VW überhaupt nicht. Piëch aber stand für diese Unternehmenspolitik mit ihrer ungewohnt engen Abstimmung von Chefetage, Betriebsrat und IG Metall.

Porsche kaufte 2005 mehr als ein Fünftel von VW

Während sich der Konflikt mit Wulff zuspitze, kaufte der Porsche-Piëch-Clan über die Porsche AG 2005 handstreichartig rund 21 Prozent der Stimmrechtsaktien am größten europäischen Autobauer, und stockte 2007 die Anteile auf 31 Prozent. Und erst am Dienstag erst verkündete Porsche, nun die Kontrolle über VW übernommen zu haben. Ganz unabhängig davon, ob dieser Coup nun auch Wiedeking oder auf Piëch zurück ging: Der VW-Aufsichtsratschef war dadurch oben auf.

Piëchs Deals nützen Porsche

So bastelte Piëch unverdrossen weiter an einem Konzern nach seinem Geschmack. Inzwischen hält VW die Mehrheit am skandinavischen Lastwagenkonzerns Scania sowie eine starke Minderheitsbeteiligung am deutschen Lastwagenbauer MAN. Eine Fusion dieser beiden Unternehmen mit der Sparte VW-Nutzfahrzeuge würde Volkswagen in eine neue Dimension heben - und das alles unter dem Dach der Porsche AG, deren Stimmrechtsaktien allein beim Clan liegen.

Wird sich Niedersachsen an Piëchs Demontage beteiligen?

Dort hat das Sagen zwar nicht Piëchs Familie, sondern der Familienzweig Porsche. Doch vielleicht hat Piëch doch noch ein Ass im Ärmel - bislang zumindest haben seine Trümpfe immer gestochen. Porsche wiederum bräuchte für eine Ablösung Piëchs den Großaktionär Niedersachsen, weil die Abwahl nur eine Hauptversammlung beschließen könnte. Doch Regierungschef Wulff stünde dabei vor einem Problem: Zwar wäre es für ihn vergnüglich, Piëch zu demontieren, der Zorn der Arbeitnehmer darüber wäre im aber sicher. Der Kampf im Hause Wolfsburg bleibt daher spannend.

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