Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Aktien >

Finanzkrise: US-Notenbank rettet AIG mit Mega-Kredit


Finanzkrise  

US-Notenbank übernimmt Mehrheit an AIG

17.09.2008, 12:20 Uhr | lgs/mash, dpa, t-online.de

Hoffnungsschimmer an der Wallstreet (Foto: AFP)Hoffnungsschimmer an der Wallstreet (Foto: AFP) Silberstreif am Horizont der amerikanischen Finanzmärkte: In einer dramatischen Wende sagte die US-Notenbank am Dienstagabend dem schwer angeschlagenen Versicherungsriesen AIG einen dringend benötigten Kredit von 85 Milliarden Dollar (60 Milliarden Euro) zu. Der Kredit sei durch Bedingungen abgesichert, "mit denen die Interessen der US-Regierung und der amerikanischen Steuerzahler" abgesichert würden, hieß es in der Mitteilung der Notenbank. Im Gegenzug übernimmt die Regierung einen Anteil von 79,9 Prozent an der AIG.

Überblick - Wichtige Begriffe zur Finanzkrise
Chronologie - Die Finanzkrise und ihre Folgen
Quiz - Was wissen Sie über die großen Finanzkrisen?
Hintergrund - Die größten Bankübernahmen und -fusionen
Video - Versicherungsriese AIG gerät in den Strudel der US-Finanzkrise

Überraschende Rettungsaktion

Mit der überraschenden staatlichen Rettungsaktion wollen US-Regierung und Notenbank (Fed) die auch ein Jahr nach ihrem Beginn nicht nachlassende Finanzkrise eindämmen. Die drohende Pleite des zu den weltgrößten Versicherern zählenden AIG-Konzerns hätte die globalen Finanzmärkte in weitere schwere Turbulenzen gestürzt. Die AIG (American International Group) war wegen Milliardenverlusten im Zuge der Kreditkrise in akute Kapitalnot geraten. Die Aktie des Versicherers verlor seit Jahresbeginn mehr als 90 Prozent ihres Werts.

Bedingungen sichern Interessen von Staat und Steuerzahler

Damit ist neun Tage nach der staatlich organisierten Rettung der US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac das nächste Großunternehmen im Sog der US-Finanzkrise unter staatliche Kontrolle gestellt worden. Der Plan zur Rettung von AIG beruht laut einer Erklärung der Fed auf der Regelung in Abschnitt 13 ihrer Gründungsakte. Als Garantie für die staatliche Unterstützung können sämtliche Guthaben der AIG herangezogen werden. Die Aktiva wurden Ende Juni mit 1050 Milliarden Dollar angegeben. AIG hat 74 Millionen Kunden. Für den Konzern arbeiten weltweit 116.000 Beschäftigte in 130 Ländern. US-Präsident George W. Bush erklärte, der Rettungsplan der Fed werde "die Stabilität auf den Finanzmärkten fördern".

Staatliche Hilfen zuvor ausgeschlossen

Regierung und Notenbank hatten bis zuletzt staatliche Hilfen für AIG immer wieder ausgeschlossen. Eine konzertierte Rettungsaktion innerhalb der Branche durch andere Versicherer und Banken sei aber nicht zustande gekommen, berichtete etwa die "New York Times" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen. Schon kurz vorher hatten US-Medienberichte über mögliche staatliche Hilfen für positive Reaktionen an den Finanzmärkten gesorgt: Die amerikanischen Börsen schlossen nach einer wilden Achterbahnfahrt im Plus. Der Dow-Jones-Index stieg um 1,3 Prozent auf 11.059 Punkte.

Investmentbanken - Im Zentrum der Wall Street
Finanzkrise - Diskutieren Sie dieses Thema im Forum

Morgan Stanley sorgte für Aufhellung

Für weitere Aufhellung sorgte die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley, die nach Börsenschluss vergleichsweise gute Zahlen vorlegte. Der Überschuss lag im Ende August abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal bei 1,4 Milliarden Dollar und damit vergleichsweise nur acht Prozent unter dem Vorjahr. Die Bekanntgabe der Zahlen war eigentlich erst für Mittwoch geplant. Angesichts der jüngsten Turbulenzen bei Wettbewerbern wie Lehman Brothers und Merrill Lynch hatte sich die Bank aber zur früheren Veröffentlichung entschlossen.

Barclays kauft Teile von Lehman Brothers

Die britische Bank Barclays kauft nach Medienberichten Teile der insolventen amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers. Durch die Übernahme für rund zwei Milliarden Dollar (1,4 Mrd Euro) könnten rund 9.000 Lehman-Beschäftigte unter dem Dach von Barclays ihren Job behalten, berichtete das "Wall Street Journal Online" am Dienstagabend. Insgesamt zählte Lehman zuletzt rund 25 000 Mitarbeiter. Der Kauf müsse noch vom Insolvenzgericht abgesegnet werden, hieß es weiter. Die Übernahme umfasse das Investmentbanking von Lehman in den USA sowie das Kapitalmarktgeschäft.

Börsen registrieren Aufwind

Nach dem "schwarzen Montag" an den internationalen Finanzmärkten infolge der Bankenkrise in den USA erholten sich die Börsen bis Mittwochmorgen von ihren anfänglichen Verlusten. Nach den lateinamerikanischen Finanzmärkten, die schon am Dienstagabend etwas Aufwind registriert hatten, zogen am Morgen auch die asiatischen Börsen nach oben. Unter anderem notierte in Tokio der Nikkei für 225 führende Werte zur Halbzeit einen deutlichen Aufschlag von 241,1 Punkten oder 2,1 Prozent beim Zwischenstand von 11.851 Punkten. Zuvor hatte die japanische Zentralbank noch weitere zwei Billionen Yen, umgerechnet 13,2 Milliarden Euro, in den Geldmarkt des Landes gepumpt.

Mehr zum Thema:
Rohstoffe - Gold | Öl |
Intraday-Übersicht - DAX-Werte | Kurs-Listen Deutschland
Hintergrund - Lehman-Pleite ist "reinigendes Gewitter"
Kurssturz - Lehman-Mitarbeiter verlieren Milliarden
Hintergrund - Schwarze Tage an der Börse
Abfindungskönige - Was Banker und Konzernchefs kassieren

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal