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Kreditwirtschaft: Wie konnte überhaupt zu dieser Finanzkrise kommen?


Hintergrund  

"Stoppt diesen Irrsinn"

18.09.2008, 14:22 Uhr | Daniel Schnettler, dpa-AFX, dpa-AFX, t-online.de

Keine Zeit zum Aufatmen: Die Nervosität an den Märkten ist greifbar, die Finanzwelt spielt verrückt. Alle paar Minuten tauchen neue Gerüchte auf, dass die nächste Bank wanke oder gar schon pleite sei. Vorzugsweise sind es US-amerikanische oder britische Namen, die über die Ticker laufen. Und selbst wenn das Institut bis zu diesem Zeitpunkt gar keine Probleme hatte - spätestens dann hat es sie. Nahezu kritiklos schenken die Börsianer jeglichen Spekulationen Glauben; selbst vollkommen Abwegiges scheint plötzlich denkbar. Zu tief sitzt die Angst vor einem neuen Sturz à la Lehman Brothers.

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Finanzkonzerne leiden unter Gerüchten

Auch deutsche Finanzkonzerne bekommen die Unsicherheit zu spüren, die derzeit herrscht. So kursierte am Donnerstag kurzzeitig das Gerücht, die Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner Bank durch die Commerzbank könne platzen. Binnen Minuten verloren die Aktien der Akteure jeweils mehr als sechs Prozent - Milliarden an Börsenwert wurden vernichtet. Selbst nach dem klaren Dementi beider Seiten - "der Plan steht unverändert" - "die Gerüchte sind totaler Unsinn" - lagen die Papiere noch merklich im Minus.

Befremdliche Auswirkungen

"Stoppt diesen Irrsinn", forderten dann auch die Analysten der Schweizer Großbank UBS, Glenn Schorr und Mike Carrier, eindringlich in einer Studie. Darin widmeten sie sich vor allem den so arg gebeutelten US-Investmentbanken, von denen gerade mal noch zwei übrig sind: Goldman Sachs und Morgan Stanley. Die Autoren finden es "befremdlich", welch starken Einfluss die Verwerfungen am Markt auf "das Schicksal dieser Unternehmen" haben. Dabei hätten beide Institute genügend Kapital im Rücken und zudem ihre Risiken abgebaut.

Morgan Stanley trotz guten Zahlen als Übernahmekandidat

Doch das zählt wenig in der aktuellen Lage: Obwohl Morgan Stanley am Dienstagabend eine Zwischenbilanz weit über den Erwartungen präsentierte, gilt sie spätestens seit Mittwochmorgen als Übernahmekandidat. Im Sog der Krise und getrieben von Negativgerüchten war der Aktienkurs dramatisch eingebrochen. Schon kursieren die ersten Kandidaten wie die viertgrößte der Bank der USA, Wachovia, mit der die Amerikaner angeblich zusammengehen wollen.

Kettenreaktion vom Immobilienmarkt ausgehend

Es waren die fallenden Häuserpreise und steigenden Hypothekenzinsen in den USA, die die "Jahrhundertkrise" am Finanzmarkt auslösten. Die amerikanischen Eigenheimbesitzer konnten ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen. Zuerst wankten die Hypothekenbanken, dann alle Finanzakteure, die sich über komplizierte Konstrukte an den Darlehen beteiligt hatten und mit dem Ziel hoher Renditen ein immer größeres Rad drehten - und schließlich der gesamte Finanzmarkt. Mittlerweile ist auch die Realwirtschaft infiziert - nicht nur, weil viele Banker auf der Straße stehen. Die Verunsicherung wächst - bei Anlegern, Verbrauchern und Unternehmen. Viele Konsumenten stellen vor lauter Verunsicherung ihre geplanten Anschaffungen zurück, Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, kreditgebende Banken zu finden und schieben Investitionen auf. Die Folge ist eine erlahmende Konjunktur.

Deutschland hat noch den Asien-Puffer

In den USA - dem Mutterland der Krise - sind die Auswirkungen überdeutlich zu spüren, hierzulande puffert vor allem ein weiter boomender Exportmarkt Asien die Folgen des Desasters ab. Beispiel Maschinenbau: Zwar bemerkt auch Deutschlands Vorzeigebranche eine Zurückhaltung bei den Bestellungen - dies aber auf einem weiterhin sehr hohen Niveau. Den Unternehmen geht es nach fünf Jahren mit traumhaften Wachstumsraten so gut wie noch nie. Und auch für Investitionen steht weiterhin Geld zur Verfügung. "Die Vorstände großer Banken umgarnen uns regelrecht", sagt der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA, Hannes Hesse. Doch er warnt davor, die Pleiten und Beinahe-Pleiten bei angloamerikanischen Banken und Versicherungen zu verharmlosen: "Es muss uns irgendwie treffen."

Es kommt noch vieles hoch

Und die Einschläge kommen immer näher: Nachdem zum Wochenanfang Lehman Brothers Gläubigerschutz anmelden musste, Merrill Lynch sich in die Arme der Bank of America rettete und der Versicherungskonzern AIG staatlich gestützt wurde, hat nun der britische Finanzkonzern Lloyds TSB die unter Druck geratene Hypothekenbank HBOS aus dem eigenen Land übernommen. Auch Bankenexperten Hans-Peter Burghof, Professor an der Universität Hohenheim, macht wenig Hoffnung auf eine baldige Besserung: "Ich weiß, dass noch sehr viel am Grunde des Meeres ruht."

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