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KfW: Detlef Leinberger und Peter Fleischer müssen nach Lehmann-Panne gehen


Lehman-Panne  

KfW: Die ersten Verantwortlichen müssen gehen

19.09.2008, 09:18 Uhr | bv/ mmr, AFP , dpa , t-online.de

KfW - Millionenverlust durch Lehman-Pleite (Foto: imago)KfW - Millionenverlust durch Lehman-Pleite (Foto: imago) Die millionenschwere Überweisungs-Panne der KfW an die zusammengebrochene US-Bank Lehman Brothers kostet zwei Vorstandsmitgliedern der Staatsbank den Job. Zudem muss ein Bereichsleiter die KfW Bankengruppe verlassen. Dies teilte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am Donnerstagabend nach einer Sitzung des KfW-Verwaltungsrates in Berlin mit.

"Versagen des Risikomanagements"

Bei den Vorständen handelt es sich um Detlef Leinberger und Peter Fleischer. Sie wurden vom Dienst suspendiert. Die KfW hatte der US-Investmentbank Lehman noch am Tag des Insolvenzantrags 350 Millionen Euro überwiesen. Der Gesamtschaden beläuft sich nach Angaben der KfW auf 536 Millionen Euro. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sprach von einem "Versagen des Risikomanagements" bei der staatlichen Förderbank.

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KfW hat 536 Millionen Euro wegen Lehman verloren

Mittlerweile wurde bekannt, dass die KfW im Zuge der Pleite der US-Bank Lehman Brothers über eine halbe Milliarde Euro verloren. Hauptgrund für die Verluste von insgesamt 536 Millionen Euro war eine fehlerhafte Überweisung von Montag, die mit 350 Millionen Euro zu Buche schlug, wie ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Donnerstag nach einer Sitzung des KfW-Verwaltungsrates sagte. Weitere rund 186 Millionen Euro Verlust stammten demnach aus normalen Geschäften der KfW mit Lehman.



Lehman sollte im Gegenzug Geld überweisen

Bislang sei unklar, was genau zu der fehlerhaften Überweisung führte, sagte der Vorsitzende des KfW-Verwaltungsrates, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), nach der Sitzung in Berlin. Die KfW hatte noch am Montagmorgen, nur kurz vor der Lehman-Pleite, 300 Millionen Euro aus einem bereits vereinbarten Geschäft an Lehman überwiesen. Dafür sollte sie im Gegenzug 500 Millionen Dollar erhalten, die aber nie ankamen. Deren Buchwert in Euro ist inzwischen höher - weshalb für die KfW letztendlich ein Verlust von 350 Millionen Euro entstand.

Risikokontrolle hat versagt

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) bezeichnete die Überweisungspanne als "erschreckenden Vorgang". "Das ist ein klarer Hinweis, dass das Risikocontrolling bei der KfW nicht intakt ist", sagte er nach der Verwaltungsratssitzung. Hierfür hätten daher auch "Personen Verantwortung zu übernehmen". Wie der Fehler genau zustande gekommen und wer dafür verantwortlich ist, müsse nun abschließend geprüft werden. Dafür sollen den Angaben zufolge auch externe Wirtschaftsprüfer eingesetzt werden.

KfW hofft auf Geld aus Lehman-Konkursmasse

Die KfW hofft, bis zu 150 Millionen Euro des an Lehman gezahlten Geldes aus der Vermögensmasse der zahlungsunfähigen Wall-Street-Bank zurückzubekommen. So hoch könnte die Konkursquote sein.

Oppositionsparteien sind empört

Die Linkspartei sieht ein Versagen der Regierung. "Die Minister Glos und Steinbrück müssen politisch für die Serie von Pleiten, Pech und Pannen bei der KfW gerade stehen", forderte Vorstandsmitglied Ulrich Maurer. Auch die FDP ist entrüstet. Millionen an Steuergeld der Bürger werde verschwendet: "Statt Risiken à la Steinbrück zu bagatellisieren, müssen endlich die Fakten auf den Tisch."

Unmut auch in der Koalition

Auch in der Koalition wächst der Unmut. Der Unions-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs befürchtet, dass der Mittelstand unter dem KfW-Versagen leiden wird. "Das Geld ist weg. Das kriegen wir auch nicht mehr wieder, und es steht natürlich auch nicht mehr für Förderungsmaßnahmen zur Verfügung", sagte Fuchs dem Radiosender hr-info.

Keine rasche Verschärfung der Kontrollen

Steinbrück wies Forderungen nach einer raschen Verschärfung der Kontrollmechanismen für die Finanzbranche zurück. "Augenblicklich geht es um effektives Krisenmanagement. Das beschäftigt uns hier fast rund um die Uhr", sagte er der "Frankfurter Rundschau".


Verkauf der IKB-Bank unter Dach und Fach

Bei zwei Gegenstimmen billigte der Verwaltungsrat zudem den Verkauf der Düsseldorf Krisenbank IKB an den US-Finanzinvestor Lone Star. Der Deal war bereits im August vereinbart worden. Lone Star übernimmt für 115 Millionen Euro 90,8 Prozent der IKB-Aktien

Milliarden für Rettung der IKB

Die IKB hatte sich mit US-Immobilienkrediten verzockt und musste mit Garantien über rund elf Milliarden Euro gerettet werden. Die eingetretenen Verluste sind bisher aber weit geringer. Den größten Teil des Hilfspakets stemmten KfW und Bund. FDP, Grüne und Linke erwägen, die Rettung und den umstrittenen Verkauf an Lone Star in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu beleuchten.

Verwaltungsrat kritisiert KfW-Spitze

Die Grünen-Abgeordnete und KfW-Kontrolleurin Christine Scheel meldete erhebliche Bedenken gegen den Verkauf an Lone Star an. Vielen Mitgliedern des Gremiums seien wichtige Vertragsbedingungen überhaupt nicht bekannt, kritisierte sie in der "Süddeutschen Zeitung". Scheel warf der von Glos und Steinbrück geführten KfW-Kontrollspitze vor, den Verwaltungsrat vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben.

Steinbrück lädt zu Finanzkrisengipfel ein

Derweil hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück offenbar die Spitzenverbände der Finanzwirtschaft und Vertreter großer Banken zu einem Finanzgipfel eingeladen, um über die aktuelle Krise an den weltweiten Finanzmärkten und ihre Folgen für Deutschland zu beraten. Der Gipfel solle am kommenden Donnerstag in Berlin stattfinden, schreibt die "Financial Times Deutschland" (Freitagsausgabe). Über die Ergebnisse wolle Steinbrück dann einen Tag später mit einer Regierungserklärung den Bundestag informieren, hieß es weiter.

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