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Bankenrettung sorgt für Kursfeuerwerk


Finanzkrise  

Bankenrettung sorgt für Kursfeuerwerk

20.09.2008, 01:01 Uhr | mmr / bv, dpa, AFP, t-online.de

Dow Jones im Plus - erfolgreiche Kurs-Rally vor dem Wochenende (Foto: Reuters)Dow Jones im Plus - erfolgreiche Kurs-Rally vor dem Wochenende (Foto: Reuters) US-Präsident George W. Bush hat die amerikanischen Steuerzahler auf hohe Kosten für die geplante Banken-Rettungsaktion der Regierung eingestimmt. "Diese Maßnahmen erfordern es, eine beträchtliche Summe Geld der Steuerzahler zur Verfügung zu stellen", sagte Bush am Freitag in Washington. Die kostspieligen Eingriffe der Regierung brächten "ein Risiko" mit sich. Finanzminister Henry Paulson bezifferte die möglichen Kosten auf "hunderte Milliarden" Dollar, während ein einflussreicher Senator sogar von bis zu einer Billion Dollar ausging. An den Börsen weltweit sorgte die Ankündigung des Rettungspakets aber für ein Kursfeuerwerk. Alle wichtigen Indizes gingen mit deutlichen Aufschlägen ins Wochende.

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Deutliche Gewinne vor dem Wochenende

Als Reaktion auf die Pläne der US-Regierung schossen die Börsenkurse weltweit nach oben. Der Frankfurter DAX schloss mit einem Plus von 5,6 Prozent bei 6189 Zählern. In London notierte der FTSE-100-Index der führenden Unternehmen bei Börsenschluss 8,8 Prozent im Plus bei 5311 Punkten, an der Pariser Börse legte der CAC 40 um 9,3 Prozent auf 4324 Zähler zu. Der Dow Jones in New York schloss zwar deutlich unter Tageshoch, konnte am Ende aber dennoch 3,4 Prozent auf 11.388 Punkte dazu gewinnen. Der technologielastige Nasdaq-Index legte 3,4 Prozent auf 2274 Punkte zu. In Hongkong schloss die Börse mit einem Plus von 9,6 Prozent, jene in Shanghai mit einem Plus von 9,5 Prozent. Die Kurse in Tokio stiegen um 3,7 Prozent.

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Leerverkäufer müssen sich eindecken

"Es kehrt ein Stück Vertrauen in die Märkte zurück", sagte Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Kursgewinne von Finanztiteln gingen überwiegend auf Short-Eindeckungen zurück, also von Anlegern, die zuvor die Aktien leer verkauft hätten und nun auf die positiven Nachrichten aus den USA reagieren müssten. Wie nachhaltig die Aufwärtsentwicklung im Bankensektor und im Markt insgesamt sei, bleibe abzuwarten: "Wir kennen bisher keine Details der US-Pläne und wissen nicht, wie weit sie auch vom US-Kongress abgesegnet werden."

Mit mehreren hundert Milliarden Dollar gegen die Krise

Es soll beim Rettungspaket um mehrere hundert Milliarden Dollar gehen. In einem ersten Schritt richtet die US-Regierung eine Einlagensicherung für Geldmarktfonds ein. Dazu sollen bis zu 50 Milliarden Dollar bereitgestellt werden, teilte das US-Finanzministerium am Freitag in Washington mit. Die US-Regierung reagierte damit auf die Folgen der US-Immobilienkrise, die weltweit die Finanzmärkte erschüttert und eine Welle von Fusionen und Zusammenbrüchen von Investmentbanken, Versicherern und anderen Finanzhäusern ausgelöst hatte. In Washington informierten Paulson und US-Notenbankchef Ben Bernanke am Donnerstagabend führende Vertreter des US-Kongresses über die Pläne.

Rettungspläne - Auffanggesellschaft für notleidende Kredite

Staat wird faule Kredite übernehmen

Kern des möglichen Rettungspakets, das in seinen Details erst noch unter Hochdruck ausgearbeitet wird: Der Staat wird den Banken laut Medien voraussichtlich notleidende Wertpapiere und faule Kredite abkaufen. Der Preis würde deutlich unter dem Wert in den Büchern liegen. Die Banken müssten dafür laut Experten wohl einmalige Abschreibungen vornehmen, sie wären aber die Altlasten mit einem einmaligen Schnitt los. Die Anleger müssten von ihnen keine weiteren unkalkulierbaren Risiken mehr befürchten.

Steuerzahler wird wohl blechen müssen

Das angekündigte Rettungspaket stellt nach Einschätzung von Bankenexperten und Volkswirten ein hohes Risiko für den US-Haushalt dar und könnte die Steuerzahler teuer zu stehen kommen. "Dem Steuerzahler droht für diese große Lösung eine erhebliche Rechnung", sagte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. "Der US-Finanzminister holt zum großen Schlag aus, um die Eskalation der Finanzmarktkrise zu stoppen." Der Staat setze Hunderte von Milliarden Dollar aufs Spiel. Sollten die notleidenden Papiere am Ende weiter an Wert verlieren oder gar völlig ausfallen, müsste der Steuerzahler die Verluste tragen. Ein Teil des Plans könnte Medien zufolge sein, dass die Banken die Papiere schrittweise zurückkaufen, wenn es ihnen wieder bessergehen sollte.

Einlagensicherung für Geldmarktfonds

Bei der angekündigten Einlagensicherung für Geldmarktfonds geht es um ähnliche Garantien wie bei Sparbüchern und Girokonten. Sie solle die zuletzt massiv gestiegenen Abflüsse aus diesen Fonds begrenzen. Der Markt dieser Anlageform ist Expertenschätzungen zufolge mehrere Billionen Euro schwer. Anleger hatten ihr Geld aus Angst vor Wertverlusten in großem Stil abgezogen, obwohl diese Fonds bislang als vergleichsweise sicher gelten. Die Flucht auch aus diesen Papieren zeigt Marktbeobachtern zufolge das Ausmaß der Vertrauenskrise.

Ermittlungen gegen betrügerische Spekulationen eingeleitet

Wegen des Verdachts auf betrügerische Spekulationen im Zusammenhang mit dem jüngsten Kurssturz von Finanzaktien an der Wall Street leitete der US-Bundesstaat New York Ermittlungen ein. Es gehe dabei um den Verdacht der gezielten Verbreitung von "falschen Informationen und Gerüchten" mit dem Ziel, die Kurse bestimmter Aktien in den Keller zu treiben, sagte der New Yorker Justizminister Andrew Cuomo auf CNN.

Bestimmte Börsenwetten nun verboten

Wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten haben Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien am Freitag bestimmte Börsenwetten auf fallende Kurse befristet verboten. Die US-Börsenaufsicht SEC untersagte ab sofort die umstrittenen Aktiengeschäfte, sogenannte Leerverkäufe, für knapp 800 Titel der Finanzbranche. Die britische Finanzaufsicht (FSA) verbot bis zum 16. Januar sämtliche Optionsgeschäfte. "Wir betrachten Optionsgeschäfte weiterhin als legitime Investitionstechnik unter normalen Marktbedingungen", erklärte FSA-Chef Hector Sands in London. Doch die gegenwärtige "extreme Lage" führe zu chaotischen Zuständen auf den Märkten. Daher sei die Entscheidung zum Verbot der Optionsgeschäfte getroffen worden, "um uns gegen weitere Instabilität auf dem Finanzsektor zu verwahren".

Wertpapierschützer begrüßen Rettungspaket

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat das geplante Rettungspaket der US- Regierung und das Verbot einiger Börsenwetten in den USA und Großbritannien begrüßt. "Erste Priorität hat jetzt die Stabilisierung der Märkte", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Das befristete Verbot für bestimmte Leerverkäufe zeige bereits Wirkung am Markt.

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