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Finanzkrise: US-Rettungspaket könnte teuer werden


US-Finanzkrise  

US-Rettungspaket könnte teuer werden

19.09.2008, 13:44 Uhr | mfu, t-online.de , dpa

Das angekündigte Rettungspaket der US-Regierung für die amerikanische Bankenbranche stellt nach Einschätzung von Volkswirten ein erhebliches Risiko für den US-Haushalt dar und könnte die Steuerzahler teuer zu stehen kommen. "Dem Steuerzahler droht für diese große Lösung eine erhebliche Rechnung", sagt Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. Die Bremer Landesbank sieht in dem Rettungsprogramm gar eine "offene Flanke" für den US-Haushalt. Allerdings gab es nach Ansicht der Experten keine sinnvolle Alternative zu den Plänen der US-Regierung, um das marode Finanzsystem zu stabilisieren.

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Parallelen zur Lösung bei amerikanischen Sparkassen

Geplant ist offenbar, den krisengeschüttelten US-Banken problematische Vermögenswerte abzukaufen. Außerdem wird offenbar die Einrichtung einer Einlagensicherung für Geldmarktfonds diskutiert, um die zuletzt massiv gestiegenen Abflüsse aus diesen Fonds zu begrenzen. Die bislang bekannten Umrisse der Regierungspläne zeigen laut Commerzbank-Experte Weidensteiner einige Parallelen zur sogenannten "Resolution Trust Corporation" (RTC) Anfang der 90er Jahre. Diese Zweckgesellschaft übernahm seinerzeit die Abwicklung zahlreicher in Not geratener amerikanischer Sparkassen. Die RTC übernahm damals die Abwicklung von über 700 Sparkassen mit Vermögenswerten von knapp 400 Milliarden US-Dollar. "Die RTC wickelte allerdings gesamte Institute ab. Die gegenwärtig diskutierte Lösung beschränkt sich hingegen auf den Aufkauf von Vermögenswerten", so Weidensteiner.

Stützung japanischer Banken kostetet 20 Prozent des BIP

"Angesichts eines Staatsdefizits im laufenden Haushaltsjahr von bereits 640 Milliarden US-Dollar oder vier Prozent der Wirtschaftsleistung, birgt der Rettungsplan fiskalische Gefahren nicht überschaubaren Ausmaßes", sagte Chef-Analyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Ähnlich urteilt die Commerzbank, die einen Vergleich mit vergangenen staatlichen Rettungsaktionen zieht: So habe die Rettung schwedischer Banken Anfang der 90er Jahre den Staat sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gekostet. Übertragen auf die USA entspreche dies rund 850 Milliarden Dollar und damit deutlich mehr als die im aktuellen Fiskaljahr aufgelaufene Neuverschuldung. Die Kosten für die Stützung des japanischen Bankensystems in den 90er Jahren hätten sich sogar auf bis zu 20 Prozent des BIP belaufen.

Verständnis für Regierungspläne

Trotz derartiger Bedenken zeigten Experten aber auch Verständnis für die Regierungspläne. Vor allem wegen der gestörten Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte seien die Überlegungen verständlich, räumte Hellmeyer ein. Möglicherweise bleibe dem Staat in der derzeitigen Situation gar keine andere Wahl, als abermals einzuschreiten. "Allerdings wird durch das Rettungspaket die dringend nötige Bereinigung im US-Bankensektor verhindert."

Rettungspläne hatten keine Alternative

"Ein Alternative zu dem vorgelegten Programm ist nicht auszumachen", urteilt auch Weidensteiner. Einmal mehr sei mit einem staatlichen Eingriff das geringere Übel gewählt worden, zumal ein Abwarten die Finanzkrise wohl weiter verschärfen würde und den Steuerzahler damit noch viel teurer kommen dürfte. Auch Hellmeyer räumt ein, dass eine abermaliges Einschreiten des Staats das Vertrauen in das Finanzsystem zumindest teilweise wieder herstellen könnte.

"Kapitulation des Finanzsystems"

Eindeutig fällt indes die Bewertung aus ordnungspolitischer Sicht aus. Die Rettungspläne der Regierung seien "stabilitätspolitisch absolut dramatisch und verwerflich", sagt Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank. "Das ist die größtmögliche Kapitulation eines Finanzsystems." Die Alternative sei allerdings eine Rezession mit ungeahnten Konsequenzen. Letztlich erkaufe sich der Steuerzahler Stabilität, so Halver.

"Mit Markt haben die Pläne nichts zu tun"

Auch Hellmeyer findet deutliche Worte: "Mit freien Märkten haben die Pläne rein gar nichts zu tun. Ein umfängliches Einspringen des Staats würde klar den ordnungspolitischen Rahmen sprengen." Auch würden durch eine Rettung diejenigen freigestellt und geschont, die für die Krise verantwortlich seien. Darüber hinaus sieht Hellmeyer in den Rettungsplänen eine deutliche Asymmetrie, nachdem Unternehmen wie die US-Investmentbank Lehman Brothers erst kürzlich insolvent gegangen seien und nun den verbleibenden Instituten unter die Arme gegriffen werde.

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