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Steuer-Milliarden für Hypo Real Estate - neues DAX-Tief


Finanzkrise  

Steuer-Milliarden für Hypo Real Estate - neues DAX-Tief

06.10.2008, 11:39 Uhr | mmr, dpa, t-online.de

Besorgter Börsianer (Archiv-Foto: dpa)Besorgter Börsianer (Archiv-Foto: dpa) Die weltweite Finanzkrise hat nun auch einen DAX-Wert voll erwischt. Deutschlands drittgrößter Immobilien-Finanzierer Hypo Real Estate (HRE) benötigt Milliarden, um seine Verbindlichkeiten zu erfüllen. Der Bund bürgt über die gesamte Höhe der Milliarden-Hilfe. Wie hoch die tatsächlichen Verluste am Ende sein könnten, sei derzeit offen, hieß es. Die HRE-Notierung brach an der Börse zusammen und zog viele Werte mit in die Tiefe. Der DAX rutschte am Nachmittag um gut vier Prozent auf ein neues Zwei-Jahrestief ab.

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Sorgen über die Situation der europäischen Finanzbranche haben den deutschen Aktienmarkt auf steile Talfahrt geschickt. Gleich mehrere Banken in Europa müssen durch milliardenschwere Rettungsaktionen vor Zusammenbrüchen bewahrt werden, wodurch das viel diskutierte Rettungspaket der US-Regierung für den amerikanischen Finanzsektor in den Hintergrund rückte. Zum Xetra-Schluss notierte der DAX 4,2 Prozent unter Freitagsschluss bei 5807 Punkten. Allein die Aktie von HRE stürzte am Montag zeitweise um gut 75 Prozent ab. Weitere massive Verluste mussten Postbank, Commerzbank und Infineon verkraften. Gegen den Trend im Plus hielten sich VW und FMC.

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Bund bürgt mit 35 Milliarden Euro

Das Rettungspaket für die Hypo Real Estate AG beinhaltet in einem ersten Schritt die Bereitstellung von etwa 14 Milliarden Euro. Davon sollen die privaten Banken 60 Prozent, der Bund 40 Prozent tragen - letztere aus Steuer-Einnahmen. Die zweite Risikoabschirmung von 21 Milliarden Euro soll der Bund allein übernehmen. Das Bundesfinanzministerium hat eine Bürgschaft für HRE in Höhe von 35 Milliarden Euro bestätigt. Diese Zusage sei nötig, um die Finanzhilfen der Privatbanken abzusichern, sagte Sprecher Torsten Albig. Es handele sich nicht um bereits eingetretene Verluste, wurde betont. Sollte aber die Bürgschaft in Anspruch genommen werden, würde dies die Banken und den Bund natürlich belasten.



Krise hat sich erst am Wochenende verschärft

Nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm soll mit der Liquiditätshilfe eine Ausbreitung der Finanzkrise verhindert werden. Auch seien die Maßnahmen in enger Abstimmung mit der Bundesbank, der Finanzaufsicht BaFin sowie anderen europäischen Regierungen abgestimmt. Nach Angaben des Finanzministeriums sei die Krise am vergangenen Donnerstag, als Minister Peer Steinbrück (SPD) im Bundestag eine Regierungserklärung hielt, in diesem Ausmaß noch nicht absehbar gewesen.

Hypo Real Estate vorerst gerettet (Foto: dpa)Hypo Real Estate vorerst gerettet (Foto: dpa)

Keine Verstaatlichung angestrebt

Nach Angaben des Finanzministeriums wird keine Verstaatlichung der Hypo Real Estate angestrebt. Sollte die 35-Milliarden-Bürgschaft auf Grund von Verlusten in Anspruch genommen werden, entfielen in einem ersten Schritt von den dann 14 Milliarden Euro 60 Prozent auf die Privatbanken. Einen zweiten Teil müsste der Bund allein tragen. Sinn der Maßnahmen sei die "geordnete Abwicklung" der Hypo Real Estate.

"Geordneter Untergang"?

Die Aussagen des Ministeriumssprechers sorgten für Verwirrung um die Zukunft der Bank. Zur angestrebten "geordneten Abwicklung" sagte Albig, dies sei Sache des Unternehmens. Presseagenturen sprachen zwischenzeitlich von einem "geordneten Untergang" des DAX-Werts. Albig sagte, über das Wochenende habe es "sehr intensive Beratungen" zwischen der Bafin, verschiedenen Unternehmen der Finanzbranche und der HRE gegeben. Die Bundesregierung habe sich daraufhin bereit erklärt, "die Kreditunterstützung durch einen staatlichen Bürgschaftsrahmen abzusichern". Er hob hervor, dass eine Bürgschaft nicht gleichbedeutend mit einem Kredit sei. Die Bundesregierung hafte mit ihren Garantien lediglich für mögliche Ausfälle bei den Darlehen. Diese Zusage sei nötig gewesen, um das Bankenkonsortium zu Krediten für die HRE zu bewegen. Könne der Immobilienfinanzierer die Kredite oder Teile davon nicht zurückzahlen, belaste dies aber auch den Bundeshaushalt, sagte Albig.

Kein Persil-Schein für weitere Schieflagen

Nach Angaben von Regierungssprecher Wilhelm wurden sehr sorgfältig alle Alternativen geprüft. Ein anderer Weg hätte Risiken für das deutsche Finanzsystem mit einem nicht abschätzbaren Schaden bedeutet. Dies sei auch in Abstimmung mit europäischen Behörden erfolgt. Nach seinen Worten hat die große Koalition bewiesen, dass sie schnell und professionell mit solchen Krisen umgehen könne. Einen "Persil-Schein" für weitere Problemfälle gebe es nicht.



Benelux-Staaten retten Fortis

Auch andere Banken sind in Schieflage geraten. Zur Rettung des angeschlagenen Finanzkonzerns Fortis steigen Belgien, die Niederlande und Luxemburg zusammen mit 11,2 Milliarden Euro bei der belgisch-niederländischen Großbank ein. Belgien schießt 4,7 Milliarden Euro zu, sagte der belgische Ministerpräsident Yves Leterme am Sonntagabend in Brüssel. Die Niederlande geben vier Milliarden Euro. Luxemburg investiert 2,5 Milliarden Euro. Fortis werde seine Anteile an der ABN Amro Bank verkaufen. Der Käufer sei noch nicht bekannt.

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Britische Hypothekenbank wird verstaatlicht

Die britische Hypothekenbank Bradford & Bingley (B&B) soll nach Medieninformationen verstaatlicht und zerschlagen werden. Um einen Zusammenbruch zu vermeiden, soll nach Informationen der BBC der Steuerzahler für B&B-Verbindlichkeiten in Höhe von 63 Milliarden Euro geradestehen, davon 52 Milliarden aus risikoreichen Hypotheken. Dagegen übernimmt der spanische Bankenriese Santander die Spargeschäfte und das Filialnetz des Baufinanzierers, wie Santander in der Nacht zum Montag bestätigte. Das Spargeschäft von B&B hat ein Volumen von 25 Milliarden Euro. Damit würden 2,6 Millionen Kunden eine neue Hausbank bekommen. Bradford & Bingley war wegen der Finanz- und Immobilienkrise in Schieflage geraten. Die B&B-Aktie hatte innerhalb eines Jahres 90 Prozent an Wert verloren.

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