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Finanzkrise: Britische Regierung verstaatlicht Banken


Finanzkrise  

Britische Regierung verstaatlicht Banken

09.10.2008, 18:46 Uhr | mash, AFP, t-online.de, dapd, dpa

Der britische Finanzminister Alistair Darling. (Foto: Reuters)Der britische Finanzminister Alistair Darling. (Foto: Reuters) Mit drastischen Eingriffen in den Bankensektor kämpft die britische Regierung gegen die Finanzkrise. Der britische Finanzminister Alistair Darling kündigte die Teilverstaatlichung von acht der größten britischen Banken an, um die Stabilität auf dem Finanzmarkt wiederherzustellen. Außerdem werde die Zentralbank weitere 200 Milliarden Pfund (258 Milliarden Euro) in Form von kurzfristigen Krediten zur Verfügung stellen, um Banken mit Liquidität zu versorgen. Als dritten Schritt garantiert sie Anleihen der Kreditinstitute im Volumen von etwa 250 Milliarden Pfund. Zudem kündigte Premierminister Gordon Brown rechtliche Schritte gegen isländische Behörden an.

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Bis zu 64,5 Milliarden Euro in Vorzugsaktien

Betroffen sind Abbey, Barclays, HBOS, HSBC, Lloyds TSB, Nationwide Building Society, Royal Bank of Scotland und Standard Chartered. Die staatliche Finanzspritze, der sogenannte Rekapitalisierungsplan, bietet bis zu 50 Milliarden Pfund (64,5 Milliarden Euro). Im Gegenzug erhält die Regierung Vorzugsaktien der Finanzinstitute.

Gerüchte ließen Aktien ins Bodenlose stürzen

Investoren befürchten seit Tagen, dass die Banken die aktuelle Finanzkrise ohne staatliche Hilfe nicht überstehen könnten. Am Dienstag waren mehrere Bankaktien in London ins Bodenlose gestürzt: Die Royal Bank of Scotland hatte 39 und HBOS mehr als 41 Prozent verloren. Im frühen Mittwochshandel reagierten die Anleger erleichtert auf die Ankündigung, später gaben aber auch in London die Kurse zeitweise mehr als sechs Prozent nach.

Systemstabilisierung durch "radikalen Eingriff"

In einer Pressekonferenz sprach Premierminister Gordon Brown sprach von "radikalen Eingriffen" ins Bankensystem. Finanzminister Alistair Darling sagte, die Regierung reagiere auf außergewöhnliche Umstände. Der Prozess werde aber Zeit brauchen: "Es ist keine sofortige Änderung, sondern eine Restrukturierung", sagte Darling im Fernsehsender Sky News. Das System werde damit stabilisiert, und dies sei sehr wichtig.

Zusätzlich Kurzfristkredite der Bank of England

Die Bank von England werde außerdem weitere kurzfristige Kredite anbieten. Mindestens 200 Milliarden Pfund sollten für bis zu drei Monate bereitgestellt werden. Darling betonte aber, es gehe "absolut nicht" darum, die Kontrolle über die Banken zu übernehmen. "Wir reden nicht darüber, die Banken in Zukunft selbst zu betreiben", erklärte er.

Brown will isländische Behörden verklagen

Premierminister Gordon Brown kündigte unterdessen rechtliche Schritte gegen isländische Behörden an. Ziel sei es, das Geld zurückzuholen, dass britische Sparer bei isländischen Banken angelegt hatten, die in Schieflage geraten sind. Die Regierung werde für diese Einlagen einstehen: "Wir zeigen, dass wir hinter den Menschen stehen, die Geld gespart haben", erklärte er. Island hatte zuletzt zwei Banken verstaatlicht, darunter die zweitgrößte Bank Landsbanki. Britische Sparer haben Millionen bei deren Internet-Filiale Icesave angelegt, bei der keine Abhebungen mehr möglich sind.

EU-Staaten begrüßen britische Maßnahmen

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde begrüßte den Rekapitalisierungsplan Londons. Dieser werde der Stabilität der britischen Finanzinstitutionen dienen, erklärte die Ministerin. Sie betonte, die Maßnahmen stünden in Einklang mit der Doktrin des Pariser Krisengipfels vom Samstag. Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Italien waren dabei übereingekommen, ein Scheitern von Banken mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln abzuwenden.

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