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Luxusgüter in der Finanzkrise: "In harten Zeiten braucht man Champagner"


Luxusgüter  

"In harten Zeiten braucht man Champagner"

10.10.2008, 19:01 Uhr | bab, t-online.de, dapd

Hersteller von Luxusgütern sehen die Zukunft gelassen (Foto: imago)Hersteller von Luxusgütern sehen die Zukunft gelassen (Foto: imago) Benoit Gouez, Chefwinzer der Champagnermarke Moet & Chandon, sitzt über seinem Thunfischsalat und rekapituliert die Finanzmarktkrise. "Wir sind mehr als zwei Jahrhunderte alt", sagt er, und nimmt einen Schluck Rotwein. "Es gab Kriege, Weltwirtschaftskrisen und andere Probleme, und wir sind immer noch da." Selbst die französische Revolution konnte das Champagnerhaus nicht ruinieren, als der Adel sich von dem Edelgetränk abwandte. Damals suchten die Produzenten ihr Glück im Export.

Optimismus bei Moet & Chandon

Doch ob der Optimismus angesichts der aktuellen Finanzmarktkrise gerechtfertigt ist, scheint fraglich. Denn man sollte annehmen, dass vor allem das Spitzenklassesegment mit teuren Sportwagen, Haute Couture, kostspieligen Weinen und Yachten die Krise am ehesten und besonders heftig zu spüren bekommen dürfte. Das sieht Winzer Gouez nicht so: Nach seiner Einschätzung ist das Bedürfnis der Menschen nach Luxuswaren gerade in schwierigen Zeiten besonders groß - nach dem inoffiziellen Motto seines Hauses: "In harten Zeiten braucht man Champagner."



Genügend Anzeichen für positive Entwicklung

Aktuelle Zahlen könnten diese Zuversicht allerdings trüben. So gingen die Verkaufszahlen für Champagner nach Angaben des französischen "Comité Interprofessionnel du Vin de Champagne" (CIVC) in den ersten acht Monaten des Jahres um 2,6 Prozent auf 165 Millionen Flaschen zurück. Inländische Verkäufe sanken gar um 4,2 Prozent. Der Export in die Vereinigten Staaten brach im ersten Halbjahr gar um 22 Prozent auf 6,5 Millionen Flaschen regelrecht ein. Dennoch gibt es - zumindest für den Moment - auch genügend Anzeichen dafür, dass die Luxusindustrie nicht in die Krise rutscht. So erwartet Ferrari für 2008 ein weiteres Rekordjahr mit "mehr oder weniger konstanten" Verkaufszahlen in den Vereinigten Staaten und Europa - noch übertroffen vom Wachstum in Ländern wie Russland, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten, wie Ferrari-Geschäftsführer Amedeo Felisa jüngst erklärte.

Bei Ferrari von Kaufzurückhaltung keine Spur

Ungeachtet der Turbulenzen auf den Finanzmärkten stößt das neue "Einsteigermodell" California von Ferrari bereits auf reges Interesse der Kunden. Für das Modell im Wert von 179.000 Euro erhielt der Autobauer aus Maranello bereits 6000 Anfragen, noch bevor das Unternehmen überhaupt seine Auftragsbücher aufgeklappt hatte. Bis 2011 soll die Produktion ausverkauft sein. Auch andere Hersteller dieses Segments haben derzeit nicht gerade Grund zum Klagen: So wurden keine Lamborghini-Bestellungen storniert, und Designer Giorgio Armani kommt weiter voran mit einem Modehotel in Mailand. Selbst als die Kurse an der Wall Street in die Tiefe rauschten, kaufte der französische Luxusgüterkonzern LVMH den niederländischen Yachtenkonstrukteur Royal van Lent. Nach Einschätzung von Claudia D'Arpizio, Analystin bei der Beratungsfirma Bain & Co., gibt es zwar Anzeichen für eine Krise auf bestimmten Märkten. "Aber unterm Strich ist die Situation nach wie vor in Ordnung." Auch Schwellenländer wie China und Indien blieben trotz ihrer Verwundbarkeit Wachstumsmärkte für den Luxussektor.

Unsicherer Blick in die Zukunft

Auch in der Modewelt gibt es nur vereinzelt Sorgenfalten. Allenfalls aufstrebende Marken könnten nach Ansicht von Branchenkennern möglicherweise Probleme bekommen. Zwar gehen die meisten Luxusproduzenten davon aus, dass sie die Turbulenzen meistern können. Sie räumen aber auch ein, dass dies eine Krise ohne Beispiel sei. Die Kaufzurückhaltung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sei mittlerweile überwunden. Die aktuelle Krise habe sich aber in Etappen entwickelt und die Kunden nach und nach stark verunsichert.

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