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TUI verkauft Hapag Lloyd an Hamburger Bietergruppe


Hapag Lloyd  

TUI verkauft Hapag Lloyd an Hamburger Bietergruppe

14.10.2008, 12:39 Uhr | mash, dpa-AFX , t-online.de

TUI-Chef Frenzel und Vertreter der Hamburger Bietergruppe besiegeln Verkauf (Foto: dpa)TUI-Chef Frenzel und Vertreter der Hamburger Bietergruppe besiegeln Verkauf (Foto: dpa) Nach langem Ringen hat der Reise- und Schifffahrtskonzern TUI die Mehrheit an der Traditionsreederei Hapag-Lloyd an Hamburger Investoren verkauft. Die TUI bleibt über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Hamburger Konsortium zu einem Drittel an der Containerreederei beteiligt. Das teilte die TUI nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Die Aktionäre sollen eine "angemessene Sonderdividende" erhalten. Der Rivale der Hamburger, die Reederei Neptune Orient Lines (NOL), hatte sich am Freitag aus dem Bieterverfahren zurückgezogen.

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Hapag bleibt unabhängig

Das Hamburger Konsortium um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne will Hapag-Lloyd als eigenständiges Unternehmen in Hamburg halten. Kühne sagte, das Hauptziel sei erreicht worden, dass Hapag-Lloyd unabhängig und eigenständig bleibe. Das Konsortium wolle die Reederei nun weiterentwickeln und den Marktanteil ausbauen.

1,4 Milliarden Euro für TUI

Der TUI-Aufsichtsrat stimmte zu, dass die TUI zunächst sämtliche Anteile der Hapag-Lloyd AG an eine Tochtergesellschaft des Hamburger Konsortiums "Albert Ballin" zu einem Unternehmenswert von 4,45 Milliarden Euro verkauft, inklusive Schulden. Zugleich erwirbt die TUI AG eine unternehmerische Beteiligung an der neuen Gesellschaft von 33,33 Prozent für einen Kaufpreis von 700 Millionen Euro. Das heißt, TUI behält ein Drittel an Hapag-Lloyd. Unterm Strich nimmt der Konzren durch den Verkauf dem Vernehmen nach rund 1,4 Milliarden Euro ein.

Stadt Hamburg steuert Millionen bei

Die Mitgesellschafter hätten ein Vorkaufsrecht für die TUI-Anteile an Hapag-Lloyd, hieß es. Zudem habe die TUI ein Andienungsrecht gegenüber dem Hamburger Konsortium, das erstmalig zum 1. Januar 2012 ausgeübt werden könne. Das bedeutet, von diesem Zeitpunkt an muss das Hamburger Konsortium die TUI-Anteile übernehmen, falls TUI dies will. Die Stadt Hamburg beteiligt sich mit 484 Millionen Euro an dem Konsortium und ist damit indirekt mit einem Anteil von 23 Prozent an Hapag-Lloyd beteiligt.

Nettoverschuldung nimmt ab

Zudem will der Tourisitik-Konzern nach der Veräußerung der Reederei-Anteile massiv Schulden abbauen. Die Nettoverschuldung werde um rund 3,3 Milliarden Euro abnehmen, sagte Finanzvorstand Rainer Feuerhake der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Bisher hat die TUI zum Jahresende 2008 mit Netto-Finanzschulden in Höhe von 3,9 Milliarden Euro gerechnet. Feuerhake sagte zudem, die TUI erwarte aus dem Verkauf der Mehrheit an Hapag-Lloyd an eine Hamburger Investorengruppe einen Buchgewinn von einer Milliarde Euro.

Hintergrund - Die Container-Reederei Hapag Lloyd
Chronologie - Der turbulente Verkaufsprozess von Hapag Lloyd

TUI-Aktie erholt sich

Die TUI-Aktien profitierten von den Neuigkeiten. Die Anteile an dem Reise- und Schifffahrtskonzern sprangen im Hoch um 15,7 Prozent auf 10,10 Euro. Börsianer werteten den Verkaufspreis positiv und begrüßten, dass endlich eine Lösung gefunden worden sei. Ein Händler sagte: "Der Verkaufspreis ist höher als erwartet, und das treibt die Aktien an." Das Erholungspotenzial sei ohnehin hoch, nachdem das Papier seit Anfang September bis zu 40 Prozent verloren hatte. Einem Börsianer zufolge limitiert jedoch die Beteiligung an der ausgegliederten Hapag-Lloyd das Erholungspotenzial der TUI-Aktie.

Frenzel: Fairer Wert unter normalen Marktbedingungen

TUI-Chef Michael Frenzel sagte, die TUI habe trotz "widriger Umfeldbedingungen" einen Preis erzielt, der den fairen Wert auch unter normalen Marktbedingungen widerspiegle. "Der Verkauf von lediglich zwei Dritteln der Hapag-Lloyd hat diesen Preis ermöglicht."

Angemessene Sonderdividende für Aktionäre

Finanzsenator Michael Freytag (CDU) sprach von einem "Befreiungsschlag" für den Wirtschaftsstandort Deutschland. "In Hamburg ist die Einheit von starkem Staat und erfolgreicher Wirtschaft ein Fels in der Brandung." Die Aktionäre der TUI AG sollen nach Vollzug des Verkaufs eine "angemessene Sonderdividende" erhalten. Die sich nach dem Verkauf ergebende starke Liquiditäts- und Finanzsituation des Konzerns eröffne Investitionsmöglichkeiten für den weiteren Ausbau des touristischen Geschäfts der TUI, hieß es.

Vollständige Übernahme der TUI Travel PLC?

In diesem Zusammenhang werde als eine Option auch die Übernahme der ausstehenden Anteile an der TUI Travel PLC geprüft. TUI hält bislang 51 Prozent an TUI Travel mit Sitz in London. TUI Travel PLC entstand aus der Fusion des britischen Reiseveranstalter First Choice und dem TUI-Reisegeschäft. Die Übernahme der restlichen 49 Prozent an der englischen Tochter würde die Position der TUI im Reisegeschäft bedeutend stärken.

"Unheimlich froh und erleichtert"

Der Verkauf hat bei den Beschäftigten große Erleichterung ausgelöst. "Ich bin unheimlich froh und sehr erleichtert", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Dieter Lübkemann. Seit Monaten hatten die Beschäftigten von Hapag-Lloyd gegen einen Verkauf an NOL gekämpft und sich für die so genannte "Hamburger Lösung" eingesetzt. "NOL hatte ja angedeutet, dass sie durch den Kauf Synergien von 400 Millionen Euro erzielen wollten. Das war ein eindeutiges Signal, dass es bei Hapag-Lloyd ans Personal gehen sollte", sagte Lübkemann.

Betriebsrat nicht über Zukunft beunruhigt

Trotz der nun erlangten Unabhängigkeit kämen auf die Traditionsreederei aber unruhige Zeiten zu, sagte Lübkemann. "2009 könnte ein recht schwieriges Jahr werden." Ungeachtet der Finanzkrise und einer Eintrübung in der Containerschifffahrt seien die Hapag-Schiffe derzeit aber gut gefüllt. Zudem könne der weiter sinkende Ölpreis für Entspannung bei den Treibstoffpreisen sorgen, so der Betriebsratsvorsitzende.

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