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EU beendet Preiskartell auf hoher See


Schifffahrt  

EU beendet Preiskartell auf hoher See

17.10.2008, 12:45 Uhr | Georg Ismar, dpa, t-online.de, dpa

Über 100 Jahre dominierte das Schifffahrt-Kartell den Fernostverkehr nach Europa. (Foto: ddp)Über 100 Jahre dominierte das Schifffahrt-Kartell den Fernostverkehr nach Europa. (Foto: ddp) Die Europäische Union beendet die rund 130-jährige Geschichte der "Far Eastern Freight Conference" (FEFC). Diese war für Absprachen der Reeder über Frachttarife und Schiffskapazitäten im Fernost-Europa-Verkehr zuständig. Damit ist Kartellchef Rod Riseborough nun praktisch arbeitslos. Denn von diesem Samstag an gilt ein EU-Verbot für Preiskartelle auch auf See. Durch die steigende Konkurrenzsituation könnten die Preise im Seefrachtverkehr deutlich sinken, erhofft man sich in Brüssel.

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FEFC war tonangebend

Im Fernostverkehr nach Europa war die FEFC als Zusammenschluss Dutzender Reedereien tonangebend. Sie bestimmte Gebühren wie den Kundenzuschlag für die Fahrt durch den Suez-Kanal (derzeit 11 Dollar pro 20-Fuß-Standardcontainer), den Spritzuschlag für jeden Container (13 Dollar) oder den Bunkerzuschlag, der auf die Seefracht pro Stahlbox erhoben wird (766 Dollar).

Probleme für Containerschifffahrt

"Wir werden in Europa nicht länger existieren", sagt Riseborough zur Zukunft der FEFC. Er sieht auf die ohnehin schon schwächelnde Containerschifffahrt durch den möglichen Preisdruck und den Wegfall der Planungssicherheit weitere Probleme zukommen. Reeder fürchten ein Preisdumping asiatischer Reedereien, die massiv ihre Schiffsflotten ausbauen. "Und auch für die Kunden wird es nun viel schwieriger, sie müssen sich in einem Preisdschungel zurechtfinden", sagt Riseborough.

Mehr Tarifstrukturen als zuvor

"Welche Auswirkungen das am Ende haben wird, ist bisher schwer einzuschätzen", sagt Max Johns vom Verband Deutscher Reeder in Hamburg. "Auf jeden Fall wird es für Verlader jetzt komplizierter, da es mehr Tarifstrukturen geben wird als vorher." Die Brüsseler EU- Kommission betont hingegen, dass nun auch in der Schifffahrt die EU-Wettbewerbsregeln gelten.

Absprachen seit über 100 Jahren

Die Geschichte der sogenannten Linienkonferenzen reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Seit 1986 war es auch europäischen Reedereien offiziell erlaubt, Absprachen zu treffen. Während der Benzinpreis heute für den Autofahrer täglich schwankt, wurden die Frachtraten in der EU für mehrere Monate festgelegt. Das bedeutete Sicherheit bei der Kalkulation für Reeder und Frachtabnehmer.

Europäische Schifffahrt hängt vom Import ab

Ob sich die dunklen Wolken nun über der Seetransport-Branche in der EU weiter zusammenziehen, ist ungewiss: "Letztlich hängt das Wachstum in der Schifffahrt nicht von den Frachtraten ab, sondern davon, wie viel die Europäer importieren", sagt Riseborough. Johns befürchtet daher keine Verwerfungen. "Dies zeigt die Auflösung der Trans Atlantic Conference zum 1. Juli 2008, die zu keiner Reaktion im Markt geführt hat."

Viele Reeder sind beunruhigt

Der Verzicht auf die bequemen Absprachen beunruhigt zwar viele Reeder, ist aber nur eine von zahlreichen Sorgen: Leere Container, hohe Energiekosten und bis zu 30 Prozent mehr Heuer für Besatzungen führen dazu, dass sich für viele Unternehmen in der EU der Transport der Stahlboxen weniger rechnet. Nach zweistelligen Wachstumsraten gibt es auf einigen Routen kein oder nur noch minimales Wachstum, bei den FEFC-Reedern waren es im dritten Quartal nur noch vier Prozent.

Kommt ein verschärfter Preiskampf?

Hinzu kommen Überkapazitäten, die einen verschärften Preiskampf nach dem Wegfall der Konferenzen auslösen könnten. "Wir haben es mit einem klassischen Schweinezyklus zu tun", meinte jüngst der Deutsche-Bank-Analyst Eric Heymann. "In guten Zeiten wurden viele Schiffe geordert, die aber auf den Markt kommen, wenn der Boom nun abklingt." Riseborough denkt nicht soweit, auch mit Prognosen nach Inkrafttreten des so heftig bekämpften Brüsseler Konferenzverbots hält er sich lieber zurück: "Wenn man die Finanzkrise sieht, kann keiner mehr sagen, was in Zukunft passieren wird."

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