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Sinn vergleicht Bankmanager mit verfolgten Juden


Bankenkrise  

Sinn vergleicht Bankmanager mit verfolgten Juden

26.10.2008, 19:15 Uhr | fre, dapd

ifo-Chef Hans-Werner Sinn (Foto: dpa)ifo-Chef Hans-Werner Sinn (Foto: dpa) Der Wirtschaftsexperte und Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, ist für einen Vergleich von Bankmanagern und Juden vom Zentralrat der Juden heftig kritisiert worden. In der Weltwirtschaftskrise von 1929 habe es "in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager", sagte Sinn laut Vorabbericht des "Tagesspiegels". Der Zentralrat nannte dies in der "Neuen Ruhr Zeitung" eine Beleidigung und forderte Sinn auf, sich zu entschuldigen. "In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken", sagte Sinn dem "Tagesspiegel" zufolge. In der Weltwirtschaftskrise 1929 habe niemand an einen "anonymen Systemfehler" glauben wollen, der die Krise ausgelöst habe.

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"Eine Beleidigung der Opfer"

Der Zentralrat der Juden reagierte empört und forderte Sinn auf, seinen Vergleich "so schnell wie möglich, ohne Wenn und Aber, zurückzunehmen und sich zu entschuldigen". Dieser Vergleich sei "empörend, absurd und absolut deplaziert, eine Beleidigung der Opfer", sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, der "Neuen Ruhr Zeitung". In Kenntnis dessen, was wenige Jahre später mit den Juden passierte, sei es hanebüchen, heutige Wirtschaftsführer mit Juden zu vergleichen.

Abwegiger Vergleich

"Mir wäre neu, dass Manager geschlagen, ermordet oder ins Konzentrationslager gesperrt würden", sagte Kramer der Zeitung. Sinns Einlassung folge einer seit langem zu beobachtenden Masche: "Wer sich unter Druck gesetzt fühlt, wählt Vergleiche mit den Juden, um sich unter die Opfer einreihen zu können." Das sei in diesem Fall besonders abwegig.




Ohne Rettungspaket Systemkrise

Sinn bezeichnete darüber hinaus das staatliche Rettungspaket für die Banken als richtig. Sonst hätte es wie 1929 "dramatische Folgen" gegeben. "Eine Kernschmelze im Finanzsystem, Massenarbeitslosigkeit, die Radikalisierung der Länder der westlichen Welt, am Ende eine Systemkrise der Marktwirtschaft. Die deutsche Geschichte ist hier ja ganz klar." Der Nationalsozialismus sei aus der Krise zwischen 1929 und 1931 entstanden.

Konjunkturprogramm abgelehnt

Auch heute stünden Rattenfänger wieder parat. Sinn sprach sich dagegen aus, angesichts der Wirtschaftsschwäche schon jetzt ein Konjunkturprogramm aufzulegen. "Noch haben die Firmen gut zu tun." Wenn der Staat etwas tun wolle, dann bei den Steuern. "Die Steuerquote ist die höchste seit langem." Der Vorteil sei, dass die Bürger entscheiden könnten, was mit dem Geld geschehe.



Sinn: Kreditkartenfirmen und Autobanken sind Krisenkandidaten

Nach Sinns Einschätzung ist ein Ende der Finanzkrise noch nicht in Sicht. Die nächsten Probleme bei Kreditkartenfirmen und Autobanken seien absehbar. Allerdings sei das Szenario aus dem Herbstgutachten, dass die Wirtschaft 2009 um 0,8 Prozent schrumpfen werde, mit dem Rettungspaket "weniger wahrscheinlich geworden".


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