Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Aktien >

Porsche greift nach der alleinigen Macht


Volkswagen  

Porsche greift nach der alleinigen Macht

29.10.2008, 11:37 Uhr | oca, dpa, t-online.de

Machtkampf um Volkswagen (Foto: ddp)Machtkampf um Volkswagen (Foto: ddp) Porsche kommt der alleinigen Beherrschung von Volkswagen immer näher. Man habe den eigenen Anteil an VW auf 42,6 Prozent erhöht und verfüge zusätzlich über 31,5 Prozent Optionen auf VW-Stammaktien, teilte der Sportwagenhersteller in Stuttgart mit. Im nächsten Jahr wolle man den Anteil auf 75 Prozent aufstocken und damit den Weg für einen Beherrschungsvertrag freimachen. Voraussetzung sei, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmten. Inklusive der Optionen auf Stammaktien käme Porsche demnach auf 74,1 Prozent an Volkswagen. Das Land Niedersachsen besitzt etwa 20 Prozent, damit wären nur noch rund sechs Prozent der VW-Stammaktien frei handelbar. An dem Fahrplan, noch im November/Dezember 2008 die 50-Prozent-Hürde bei VW zu nehmen, werde unverändert festgehalten, teilte Porsche mit.

Volkswagen - EU will VW-Gesetz erneut kippen
VW, Audi & Co. - Deutschlands wertvollste Marken
Quiz - Wie gut kennen Sie Volkswagen?

"Für die VW-Beschäftigten wäre es eine Katastrophe"

Die Porsche-Ankündigung befeuerte den Dauerkonflikt zwischen VW-Belegschaft und dem Großaktionär, der bisher 35 Prozent an VW gehalten hatte. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh lehnt einen "Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag" strikt ab. "Für die mehr als 360.000 Beschäftigten von Volkswagen wäre es eine Katastrophe, wenn Manager, die Arbeitnehmerrechte mit Füßen treten, in diesem Unternehmen das Sagen bekämen", erklärte Osterloh am Sonntag. "Und wir sehen nicht, dass Porsche bereit ist, sich seiner sozialen Verantwortung für die Beschäftigten bei Volkswagen zu stellen."



Knackpunkt im Streit ist das umstrittene VW-Gesetz

Knackpunkt im Streit ist das umstrittene VW-Gesetz. Nach einem "Spiegel"-Bericht startet die EU-Kommission vermutlich in der nächsten Woche einen weiteren Anlauf, das Gesetz zu kippen. Berlin habe dann eine letzte Chance, die Brüsseler mit neuen Argumenten umzustimmen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sieht jedoch keine Chance mehr auf eine außergerichtliche Einigung. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Ich erwarte, dass der Europäische Gerichtshof erneut entscheiden muss."

Streit um Sperrminorität

Die EU-Wettbewerbshüter stoßen sich an der Regelung, wonach Niedersachsen auch im neuen VW-Gesetz mit gut 20 Prozent VW-Stimmrechtsanteil sein Vetorecht in der Hauptversammlung behält. Im Aktienrecht üblich sind 25 Prozent. VW-Großaktionär Porsche dringt darauf, das Schutzgesetz abzuschaffen und die Sperrminorität auf 25 Prozent zu erhöhen.

Wolfgang Porsche kritisiert Merkel

Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche sagte laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.) vor Mitarbeitern in Stuttgart-Zuffenhausen: "Für uns ist nicht nachvollziehbar, dass für Volkswagen weitreichendere Regeln gelten sollen als für andere Unternehmen. Es gibt ja auch kein BMW-Gesetz, kein Daimler-Gesetz und im übrigen auch kein Porsche-Gesetz." Der Chef des Porsche-Clans attackierte in der Rede laut "FAS" auch erstmals öffentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Ihr Auftritt auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg habe "nicht zur Versachlichung der Diskussion" beigetragen, sagte Porsche. Die Kanzlerin hatte sich dort vor einem Monat erneut für das VW-Gesetz und die umstrittene 20-Prozent-Sperrminorität stark gemacht.



Hohe Strafzahlungen möglich

Sollte der EuGH auch das novellierte Gesetz kippen, wären für die Bundesregierung hohe Strafzahlungen die Folge. In Brüssel geht man laut "Spiegel" mittlerweile davon aus, dass die Kanzlerin keinen Widerstand mehr leistet. So habe Angela Merkel beim Gipfeltreffen Mitte Oktober in Paris zwar EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf das Verfahren angesprochen. Sie habe ihn aber lediglich darum gebeten, die für den 16. Oktober terminierte Kommissionsentscheidung zu verschieben. Das Thema kollidiere sonst mit dem EU-Gipfel und der Suche nach einem gemeinsamen Weg aus der globalen Finanzkrise.


Mehr zum Thema:
Ominöse Hausse - VW-Aktie gibt Börsianern Rätsel auf (16.10.2008)
Quiz - Kennen Sie dieses Auto-Logo?

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal