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Ifo-Institut: Hans-Werner Sinn wegen Judenvergleichs weiter in der Kritik


Bankenkrise  

Sinn nimmt umstrittenen Juden-Vergleich zurück

27.10.2008, 17:50 Uhr | oca / bv, t-online.de, dpa, AFP

ifo-Chef Hans-Werner Sinn (Foto: ddp)ifo-Chef Hans-Werner Sinn (Foto: ddp) Nach einer Welle der Empörung hat ifo-Chef Hans-Werner Sinn seinen umstrittenen Vergleich von Bankmanagern mit verfolgten Juden zurückgenommen und sich entschuldigt. "Ich habe das Schicksal der Juden nach 1933 in keiner Weise mit der heutigen Situation der Manager vergleichen wollen. Ein solcher Vergleich wäre absurd", schrieb der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in einem in München veröffentlichten offenen Brief an die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch.

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Knobloch: Hoffentlich einmaliges Vorkommnis

Knobloch erklärte dazu: "Ich hoffe sehr, dass Entgleisungen dieser Art ein einmaliges Vorkommnis waren". In Sinns Aussage vermisse sie "die Sensibilität und Authentizität der Vergleiche, vor allem weil in rechtsradikalen Kreisen bereits solche Vorwürfe grassieren", sagte die Zentralrats-Präsidentin.

Suche nach wirklichen Ursachen

In der Diskussion um die Ursache der weltweiten Finanzkrise hatte Sinn beklagt, in jeder Krise werde nach "Sündenböcken" gesucht. In der Weltwirtschaftskrise von 1929 "hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager", sagte Sinn im "Tagesspiegel". In seinem Entschuldigungsschreiben erklärte er: "Mir ging es allein darum, Verständnis dafür zu wecken, dass die wirklichen Ursachen weltwirtschaftlicher Krisen Systemfehler sind, die aufgedeckt und beseitigt werden müssen."

Empörung von verschiedenen Seiten

Zuvor hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland ebenso empört reagiert wie Vertreter von Kirchen und Parteien. Auch die Bundesregierung war am Montag deutlich auf Distanz gegangen. Die von Sinn gezogene Parallele sei falsch und "nicht zulässig", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. Eine Erklärung des Münchener Ökonomen halte er deshalb für "angemessen". Auch das Wirtschaftsministerium hatte Sinn aufgefordert, seine "unpassenden" Äußerungen zurückzunehmen. Das ifo-Institut wird zu einem Großteil aus öffentlichen Geldern finanziert.

"Absolute Geschmacklosigkeit"

Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck hatte Sinns Aussagen eine "absolute Geschmacklosigkeit" genannt. Der Vergleich sei "in dieser Assoziationskette eine totale Entgleisung", sagte Beck. Ähnlich äußerte sich Fraktionschef Fritz Kuhn: "Was der Herr Sinn da gesagt hat, war einfach Unsinn." Die Linken-Politikerin Petra Pau warf Sinn vor, er habe nichts begriffen. Bestenfalls habe er versucht, den Verantwortlichen für die aktuelle Krise eine Opferrolle zuzuschreiben. "Schlimmstenfalls verhöhnt er die Opfer des Holocausts", kritisierte sie.

"Völlig unverständlich"

Auch die Hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann wies den Vergleich entschieden zurück. "Die Juden waren die Opfer, bei den Banken wird zu Recht nach Verantwortlichen gefragt - es ist unverantwortlich da irgendeinen Vergleich zu ziehen", sagte die evangelische Theologin. Ihr sei "völlig unverständlich, wie jemand die menschenverachtende und zerstörerische nationalsozialistische Ideologie des Antijudaismus, die Millionen Menschen ermordet hat, in eine Verbindung mit der Frage nach den Verantwortlichen in der aktuellen Bankenkrise bringen kann".

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