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Hintergrund zur Finanzkrise: Rezession? Stagnation? Depression?


Hintergrund zur Finanzkrise  

Rezession? Stagnation? Depression?

26.11.2008, 11:17 Uhr | Von Martin Mrowka , t-online.de, dpa

Bauarbeiter - Rezessionsgefahr in Deutschland (Foto: imago)Niedergeschlagener Bauarbeiter - Rezessionsgefahr (Foto: imago) Im Herbst 2008 ist die Finanzwelt gerade noch einem Kollaps entkommen. Rund um den Globus verhinderten milliardenschwere Rettungspakete den Zusammenbruch des Finanzsystems. Zwar brachen die Börsen massiv ein und lösten die schwerste globale Wirtschaftskrise seit der Welt-Depression vor fast 80 Jahren aus. Nur mit Mühen wurde der Abschwung gestoppt. Die mageren Konjunktur-Aussichten hängen aber immer noch wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Die Welt muss eine schwere Rezession verdauen. Politiker, Unternehmer und Konsumenten zittern gleichermaßen. Doch warum haben alle so viel Angst vor einer Rezession? Ein Erklärungsversuch.

Wirtschaft ist Schwungrad für Wohlstand

Die Wirtschaft eines Landes ist ein Motor: Geht es ihr gut, gibt es mehr Unternehmensgewinne, Arbeitsplätze, Löhne und Gehälter, Steuereinnahmen des Staates, Zinsen. Also versucht praktisch jeder Unternehmer, jeder Banker, jeder Bürger und jeder Politiker den Motor in Schwung zu halten. Schließlich geht's uns dann allen besser. In jedem Quartal versuchen alle, gemessen an ihren bisherigen Ergebnissen besser als im Vorjahr abzuschneiden. Doch wie bei einem Auto-Motor bedarf es auch in der Wirtschaft mehr oder weniger regelmäßiger Abkühlungen. Schließlich können Gewinne und Zuwächse in der Wirtschaft nicht unbegrenzt nach oben geschraubt werden. Alle paar Jahre kommt es so zu einem Konjunkturabschwung.

Niedrige Leitzinsen sollen Wirtschaft vor steilem Absturz bewahren

In Abschwungzeiten versuchen Unternehmer, Notenbanker und Politiker durch verschiedene Maßnahmen einen völligen Stillstand der Wirtschaft zu verhindern. Um Gewinneinbrüche in den Bilanzen zu vermeiden, werden oft Arbeitsplätze abgebaut und/ oder Investitionen in einen Ausbau der Wirtschaft zurückgeschraubt. Um die Unternehmen bei rückläufiger Investitionsneigung dennoch zu Ausgaben zu stimulieren, machen die Notenbanken (in Deutschland ist die Europäische Zentralbank EZB zuständig) über Leitzins-Senkungen das Geld billiger. Bei sinkenden Zinsen haben die Unternehmen wieder mehr Lust, in neue Maschinen, Gebäude oder Arbeitsplätze zu investieren. Der Staat wiederum kann durch Steuererleichterungen private Ausgaben für Konsum- oder Gebrauchsgüter anregen.



Rezession, Stagnation oder Depression?

Misslingt das "Warmhalten" des Motors, heißt das in der Wirtschaftssprache Rezession. Konkret liegt eine Rezession vor, wenn es in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zu niedrigeren Wachstumsraten als im Vorjahr kommt - gemessen am Bruttoinlandsprodukt (Summe aller im Lande erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen). Bei gleichbleibenden Wachstumsraten der Wirtschaft spricht man von Stagnation. Und eine stark schrumpfende Wirtschaft - also ein fallendes Bruttoinlandsprodukt über einen längeren Zeitraum - wird Depression genannt. Das Online-Lexikon Wikipedia führt als bislang einziges Beispiel für eine Depression die Weltwirtschaftskrise nach 1929 an. Damals kam es in allen Industrienationen zu einem schweren volkswirtschaftlichen Einbruch.

Übrigens: Ein Doppelklick auf ein erklärungsbedürftiges Wort im Text führt Sie zu Wikipedia - probieren Sie es aus!

Erinnerungen an Weltwirtschaftskrise

Die jüngste weltweite Finanzkrise weckt mit ihren Auswirkungen Erinnerungen an die Vorgänge vor etwa 80 Jahren. Damals sorgte der New Yorker Börsen-Crash - ausgelöst durch einen spekulativ überhitzten Aktienmarkt - in den Folgejahren für Unternehmens-Pleiten und Massenarbeitslosigkeit. Und das nicht nur in Amerika, sondern in allen Ländern, die seinerzeit mit den USA in Handelsbeziehung standen. Heute sind viel mehr Staaten noch stärker miteinander geschäftsmäßig verflochten, so dass die Auswirkungen in Folge der amerikanischen Krise mit schlechten Immobilienkrediten auch in Ländern wie Island, Ungarn oder Pakistan zu spüren sind. Manch kritische Stimme befürchtet gerade wegen der Globalisierung immer noch eine Verstärkung bzw. Verlängerung der Krise.


Stabilisierung der Finanzmärkte

Die internationale Verflechtung hat jedoch auch ihr Gutes. So konnten die federführenden Industrie-Nationen in konzertierten Aktionen die Finanzmärkte stabilisieren und "Motorschäden" bei der Weltwirtschaft abwenden - vorerst. Rettungsfonds und Garantien für Banken in schwindelerregender Höhe von zusammengenommen mehreren Billionen Euro waren ein erster Schritt, kräftige Zinssenkungen folgten. Der G20-Gipfel Anfang April 2009 in London brachte gar eine Generalüberholung der Finanzmärkte auf den Weg.

Furcht vor sinkenden Wachstumsraten

Dennoch war eine Rezession nicht zu vermeiden. Die Frage ist: Wie lange wird die Rezession dauern? Ein paar Monate? Oder sogar Jahre? An den Aktienbörsen fürchtete man offenbar Schlimmeres, nehmen die Indizes doch künftige Entwicklungen vorweg. Im Herbst 2008 wurde fast alles zu fast jedem Preis verkauft und so zu Geld gemacht. Im März 2009 sackte der DAX bis auf 3600 Punkte weiter ab. Und alles aus Furcht vor sinkenden Wachstumsraten. Viele Marktteilnehmer könnten sich dem Marktexperten Robert Halver von der Baader Bank zufolge auch einfach nicht mehr daran erinnern, wie sich eine Rezession anfühlt. "Für die letzte Rezession muss man schon fast bis in die 80er Jahre und die Ölkrise zurückgehen. Damals war allerdings der Grad der Globalisierung nicht so hoch." Im schlimmsten Fall könnten alle Dominosteine umkippen, und dann werde es ein langer Weg, sie alle wieder aufzustellen.

Erfreuliche Stabilisierung

In den Industrieländern rutschte das Wirtschaftswachstum im Jahr 2009 auf den niedrigsten Stand seit der Weltwirtschaftskrise. Immerhin: Im Jahresverlauf wurde die Talfahrt gestoppt, ein sanfter Aufwärtstrend machte Hoffnung. Auch die Aktienmärkte erholten sich überraschend. Ob die umfangreichen wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Weltwirtschaft ab 2010 weiter stabilisieren können, wird jedoch von vielen Ökonomen bezweifelt.

Auto-Branche mit als Erstes betroffen

Rückblickend waren die Abschwung-Zeichen unübersehbar. Die Wolken, die im Herbst 2008 am Konjunkturhimmel aufzogen, waren mit der Stimmung der Einkaufsmanager so rabenschwarz wie seit mehr als sieben Jahren nicht mehr. Unternehmen aus den konjunktursensiblen Auto- und Maschinenbau-Branchen waren als Erstes betroffen. Stark rückläufige Auftragszahlen veranlassten die Autobauer, ihre Produktionsbänder zeitweise stehen zu lassen. Kurzarbeit in vielen Betrieben sollte über die Flaute hinweg helfen. Besonders stark traf es den exportabhängigen Maschinenbau. Nie zuvor gesehene Rückgänge beim Auftragseingang von über 40 Prozent schockierten.

Schlimmstes Szenario kaum vorstellbar

Wenn sich ein derartiger Käuferstreik auch in anderen Branchen wiederholt bzw. fortsetzt, könnte es tatsächlich schlimm werden. Vor allem leiden mittelständische Unternehmen, die erfahrungsgemäß besonders konjunktursensibel sind. Als Zulieferer für große Industrie-Unternehmen sind sie von den Aufträgen der deutschen Großkonzerne abhängig. Bleiben diese aus, wären verlorene Arbeitsplätze und steigende Arbeitslosenquoten nur eine Auswirkung.
Die Banken, die in erster Linie vom Verleihen der Spareinlagen (Kreditvergabe) leben, müssten ebenfalls Einbußen verkraften. Denn die Unternehmen, die wegen trüber Wirtschaftsaussichten keine oder weniger Kredite aufnehmen (wie bereits zu erkennen), würden als wichtigster Kunde wegfallen. Auch Immobilien-Kredite würden kaum noch vergeben. Wer kauft schon ein Haus, wenn er nicht weiß, wie lange er noch einen Job hat. Schlimmer noch: Kämen dann auch noch verunsicherte Sparer auf die Idee, ihre Gelder von den Banken abzuziehen, käme das Banken-System erneut ins Wanken. Ironie des Schicksals: Das zuhause gebunkerte Geld wäre aufgrund einer Hyper-Inflation bald wertlos. Denn schon wenige Jahre nach dem Zusammenbruch des globalen Finanzsystems könnte man fast nichts mehr kaufen... - Aber Sie werden sicher nicht so kurzsichtig handeln.

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