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VW-Aktie: Spekulanten machen Milliardenverluste


Börsenturbulenzen  

Kurs-Kapriolen bei Volkswagen

06.11.2008, 12:01 Uhr | bv / bab / mfu / mmr, AFP, dpa-AFX, dpa, t-online.de

Volkswagen - Gebannter Blick auf wilden Kursverlauf (Foto: dpa)Volkswagen - Gebannter Blick auf wilden Kursverlauf (Foto: dpa) Der wilde Höhenflug der VW-Aktie hat den Autohersteller zeitweise zum teuersten Unternehmen der Welt gemacht. Die Aktie markierte in der Spitze ein Rekordhoch von 1005 Euro. Zum Mittag flachten die Kurszuwächse zeitweise wieder ab. Die Aktie stand da nur noch gut 20 Prozent im Plus bei etwa 600 Euro. Der Titel ging schließlich mit einem Plus von mehr als 80 Prozent bei 945 Euro aus dem DAX-Handel. Auslöser für den rasanten Kursanstieg, der bereits am Montag begann, waren misslungene Leerverkäufe - Spekulationen auf sinkende Kurse. Mittlerweile sind aber nicht nur die Leerverkäufer in Nöten.

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VW zieht DAX alleine ins Plus

Am Dienstag reichte die Kursexplosion bei den VW-Papieren aus, um den DAX zeitweise um gut zehn Prozent ins Plus zu hieven, während fast alle anderen Aktien im Minus standen. VW war an der Börse zeitweise mehr wert als der teuerste Konzern der Welt, der amerikanischen Mineralöl-Riese ExxonMobil, der zuletzt eine Börsenkapitalisierung von 334 Milliarden Dollar hatte.

Finanzaufsicht prüft

Die Finanzmarktaufsicht BaFin teilte mit, sie analysiere die Entwicklung. Mit Ergebnissen wie einer möglichen formellen Prüfung der Vorgänge sei diese Woche eher noch nicht zu rechnen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Spekulanten eiskalt erwischt

Die Spekulanten waren am Wochenende von der massiven Aufstockung des von Porsche kontrollierten VW-Anteils erwischt worden. Sie hatten geliehene Aktien verkauft, und wollten sie vor der Rückgabe an den Verleiher zu niedrigeren Kursen wiederkaufen. Nach Marktinformationen waren 12 bis 15 Prozent der VW-Anteile ausgeliehen und mussten zurückgekauft werden. Nach der Porsche-Mitteilung wurde jedoch klar, dass auf dem Markt nur noch knapp sechs Prozent der Anteile verfügbar sind. Deshalb ging eine regelrechte Jagd auf VW-Aktien los.

Fonds-Manager mussten VW nachkaufen

Am Dienstag zwang die Kursentwicklung Händlern zufolge aber auch zahlreiche Investoren, VW-Aktien zu kaufen - zum Beispiel Fonds, die ihre Performance am DAX messen. Das VW-Papier machte zeitweise die Hälfte der gesamten DAX-Werte aus. Andere DAX-Aktien seien deshalb zum Teil ohne Rücksicht auf Verluste verkauft worden, nur um Aktien von Volkswagen finanzieren zu können, hieß es.

Börse unternimmt nichts, Händler empört

Die Deutsche Börse AG teilte am Dienstagmorgen mit, es gebe derzeit keine Überlegungen, die VW-Aktie aus dem DAX zu nehmen. "Solange fünf Prozent der Aktien im Streubesitz sind, gibt es dazu keine Veranlassung", sagte ein Sprecher. Einige Händler nannten das Verhalten der Deutschen Börse unverantwortlich. Selbst ein Aussetzen des Börsenhandels sei eine bessere Alternative als die aktuellen Exzesse dem Markt zu überlassen.

"Unwürdiger Exzess"

Ein Börsianer sagte: "Wenn die Deutsche Börse nicht einschreitet, droht uns eine Systemkrise - viele Investoren werden zu Käufen von VW-Aktien gezwungen, die es am Markt praktisch nicht mehr gibt." Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank, sagte: "Wir reden hier über einen DAX-Wert, nicht über einen Wert der dritten oder vierten Reihe. Solche Exzesse sind eines DAX-30-Index, der zu den fünf- bis zehn bedeutendsten Aktienindizes der Welt gehört, unwürdig."

DAX-Index ohne VW fällt

Goldman Sachs reagierte auf die Situation mit einer Berechnung des DAX ohne den Einfluss der Volkswagen-Aktie - dieser "DAX ex VW" sei wegen der Verkäufe anderer Titel zugunsten von Käufen der VW-Aktie in Richtung 3000 Punkte gefallen, hat sich aber inzwischen wieder erholt.

DZ Bank behält Recht

Wie irrational das Geschehen an der Börse zurzeit ist, zeigt auch eine gestern veröffentlichte Analyse der DZ Bank, in der die Volkswagen-Aktien nach der Aufstockung des VW-Anteils durch Porsche von "Verkaufen" auf "spekulativ Kaufen" hochgestuft wurde. "Auch wenn die VW-Aktie aus fundamentaler Sicht überbewertet ist, erwarten wir nach der gestrigen Meldung von Porsche massive Short-Eindeckungen", schrieb Analyst Michael Punzet in der Studie vom Montag. Und fast schon sarkastisch wirkt heute der begleitende Kommentar. "Da in einem solchen Short Squeeze-Szenario jedes 'Kursziel' aus der Luft gegriffen erscheinen muss, haben wir dieses auf 911 Euro festgesetzt."

Leerverkäufe gehen selten so schief

Mit den sogenannten Leerverkäufen, die aus Auslöser des gegenwärtigen VW-Exzesses gelten, kann in Zeiten sinkender Aktienmärkte viel Geld verdient werden. Die Grundidee ist, eine geliehene Aktie erst zu verkaufen und dann vor der Rückgabe an den Ausleiher zum niedrigeren Kurs zurückzukaufen. Die Kursdifferenz ist der Gewinn, von dem noch eine Leihgebühr für den ursprünglichen Besitzer abgeht. Die Geschäfte sind riskant, aber es passiert nur selten, dass sie so spektakulär schiefgehen, wie jetzt bei der VW-Aktie.

Plötzliche Knappheit an VW-Aktien

Porsche hatte am Sonntag mitgeteilt, dass der Anteil an Volkswagen auf 42,6 Prozent erhöht wurde und das Unternehmen außerdem noch 31,5 Prozent an VW in Form von Optionen kontrolliert. Insgesamt hat Porsche also 74,1 Prozent der Anteile in der Hand. Damit wurden die Leerverkäufer kalt erwischt. Nach Informationen aus dem Markt waren 12 bis 15 Prozent der VW-Anteile an Leerverkäufer verliehen gewesen. Diese Aktien mussten zur Rückgabe wiedergekauft werden. Abzüglich der gut 20 Prozent, die beim Land Niedersachsen liegen, standen den Spekulanten dafür aber nur noch knapp sechs Prozent der Anteile zur Verfügung.

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