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Somalische Piraten zwingen Reeder in die Knie


Schifffahrt  

Somalische Piraten zwingen Reeder in die Knie

24.11.2008, 11:26 Uhr | bab, dpa, dapd, AFP, dpa-AFX, t-online.de

Piraten zwingen Reedereien in die Knie (Foto: dpa)Piraten zwingen Reedereien in die Knie (Foto: dpa) Fast 100 Kaperangriffe haben somalische Piraten seit Anfang des Jahres durchgeführt, 38 davon waren erfolgreich. Die Lage im Golf von Aden ist ernst. So ernst, dass nun erste Reedereien die Konsequenz ziehen und ihre Schiffe auf den langen Weg um das Kap der Guten Hoffnung schicken. Im Vordergrund steht dabei die Sicherheit von Personal und Schiffen, es geht aber auch um Kosten in Millionenhöhe.

Animierte Grafik - Piraten in aller Welt

Versicherung gegen Kriegsrisiken

Die zunehmende Piraterie macht die Versicherungen für Schiffe teurer, was sich langfristig auf die gesamte Warenkette durchschlägt. Nach Angaben der Denkfabrik Chatham House sind die Versicherungsprämien für Schiffe, die durch den Golf von Aden fahren, in den vergangenen Monaten um das Zehnfache gestiegen. Unternehmen müssten mittlerweile teils Prämien für die Absicherung von "Kriegsrisiken" bezahlen.



Dominoeffekt für die Konsumenten

"Das ist ein Dominoeffekt für die Konsumenten", sagte Clive Washbourne vom Spezial-Versicherer Beazley at Lloyd's Mitte der Woche der Zeitung "The Times". Wenn die Zahl der Attacken und Lösegeldforderungen zunimmt, dann steigen auch die Versicherungsraten. Diese würden die Schiffseigner den Unternehmen aufschlagen, die die Schiffe chartern. "Diese wiederum werden ihre Kosten an die Verbraucher weiterreichen."

Umweg über Afrika

Andere Schiffe meiden Chatham House zufolge nun die Strecke über den Golf von Aden und den Suez-Kanal und fahren kostspielige Umwege. Wie der Reederei-Konzern A.P.Møller-Maersk, die nach der Kaperung des Supertankers "Sirius Star" alle Schiffe angewiesen hat, den langen Weg über Afrika zu nehmen. Das dänische Unternehmen betreibt die größte Containerflotte der Welt und schickte bisher mehr als 100 Schiffe pro Monat durch den Suez-Kanal.

Hoffen auf Militäreinsatz

Auch eine der weltgrößten Tankergesellschaften, die norwegische Frontline, ist nach den zahlreichen Piratenüberfällen vor der Küste Somalias ebenfalls auf der Suche nach neuen Transportwegen. "Die Sicherheit unserer Mannschaft und unserer Schiffe ist unsere Hauptsorge", erklärte Martin Jensen von Frontline gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Auch Frontline überlegt deshalb, die Südroute um Südafrika herum zu nutzen.

Umweg als letzter Ausweg

Dieser Weg solle aber nur eingeschlagen werden, wenn die internationale Gemeinschaft sich nicht schnell auf eine militärische Lösung einige, fügte Jensen hinzu. Er bevorzuge eine militärische Reaktion, denn andere Schiffswege lösten das Piratenproblem nicht. Die Alternativstrecke sei deutlich länger und deshalb auch teurer, sagte Jensen. Frontline hat eine Flotte von 80 Tankern. Die Kosten für den Umweg werden auf 20.000 bis 30.000 Dollar pro Tag geschätzt.



Situation außer Kontrolle

Alarm schlägt auch das Internationale Büro für Seeschifffahrt (IMP). Die Angriffe der Seeräuber vor Somalia hätten sich im vergangenen Jahr vervielfacht, "die Situation ist nicht mehr zu kontrollieren", sagte IMP-Direktor Noel Choong der französischen Zeitung "Le Monde". Ein effektiver Schutz von Handelsschiffen sei nicht möglich, und wegen der reichen Beute würden die Überfälle noch zunehmen, prognostiziert der Experte der internationalen Aufsichtsbehörde mit Sitz in Kuala Lumpur.

Aktionsradius von 800 Kilometern

Mit ihren schnellen Booten könnten die Piraten unerkannt bis zu 800 Kilometer vor der Küste nach Beute jagen. Seit Januar seien 94 Schiffe angegriffen und 38 gekapert worden, 17 von ihnen mit 250 Besatzungsmitgliedern befänden sich zurzeit in der Hand der Seeräuber. Der bislang größte Coup gelang Piraten am Samstag, als sie den Tanker "Sirius Star" mit Rohöl im Wert von rund 100 Millionen Dollar in ihre Gewalt brachten.

Inder versenken Mutterschiff

Die Lage bleibt angespannt, doch es gibt auch Erfolge. Der indischen Marine gelang Mitte der Woche ein wichtiger Schlag gegen die Piraten. Die Fregatte "INS Tabar" zerstörte bei einem Feuergefecht am Dienstagabend eines der Mutterschiffe der Piraten, die den Seeräubern als Versorgungs- und Ausgangsbasis bei ihren Beutezügen dienen. Sie sind mit wendigen Schnellbooten beladen, die bei den Kaperfahrten zum Einsatz kommen.

Piraten schwimmen im Geld

Der Erfolg lässt hoffen, doch das Schiff dürfte bereits in Kürze ersetzt werden. Piraterie im Golf von Aden ist ein lukratives Geschäft: Somalische Freibeuter haben nach kenianischen Regierungsangaben in den vergangenen zwölf Monaten Lösegeldzahlungen von mehr als 150 Millionen Dollar (knapp 120 Millionen Euro) erhalten. Mit dieser Summe lassen sich leicht neue Schiffe finanzieren. Und noch mehr Waffen.

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