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Milliardär Adolf Merckle kämpft um sein Lebenswerk


Milliardär in Not  

Merckle bekommt von Banken neue Galgenfrist

03.12.2008, 12:20 Uhr | mash, dpa-AFX, t-online.de, dpa, dapd

Adolf Merckle (Foto: dpa)Adolf Merckle (Foto: dpa) Die Gespräche zwischen den Banken und dem Unternehmer und Milliardär Adolf Merckle (Ratiopharm, HeidelbergCement) um eine finanzielle Lösung für sein Firmenimperium ziehen sich in die Länge. Eine Merckle-Sprecherin sagte, die Verhandlungen würden fortgesetzt. Zum Stand und Inhalt wollte sie keine Angaben machen.

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Frist zunächst verlängert

Die Frist des Stillhalteabkommens, das ursprünglich am Dienstag um 24.00 Uhr ablaufen sollte, ließen der Ulmer Unternehmer und die rund 30 Geldhäuser verstreichen. Nachdem die Banken - unter der Führung der LBBW, der Commerzbank, der Royal Bank of Scotland (RBS) und der Deutschen Bank - zuvor die Gespräche ohne eine Lösung abgebrochen hatten, bot die Familie Merckle "erhebliche Sicherheiten" und Einlagen aus ihrem privaten Vermögen an. Eine Merckle-Sprecherin sagte: "Es ist jetzt an den Banken, die Gespräche mit uns weiterzuführen."

Hat Merckle das Vertrauen verspielt?

Nach Ansicht der Banken habe Merckle jedoch das Vertrauen verspielt und müsse sich stärker bewegen, hieß es aus Finanzkreisen. Auch sei noch weitgehend unklar, was der laut "Forbes" fünftreichste Deutsche unter "erheblichen Sicherheiten" verstehe.

Verluste im Wertpapiergeschäft

Hintergrund der Krise seien Kapitalerhöhungen vor allem bei HeidelbergCement, die teilweise mit Krediten finanziert wurden. "Als Sicherheiten für diese Kredite wurden Aktien hinterlegt. Durch die in diesem Ausmaß unvorhersehbare Finanzmarkt- und Börsenkrise sind die Aktien in ihrem Wert abgestürzt", gab die zur Merckle-Gruppe gehörende VEM Vermögensverwaltung bekannt. So seien im Wertpapiergeschäft erhebliche Verluste gemacht worden, wodurch der jetzige Liquiditätsengpass bei der VEM entstanden ist. Danach seien die Verluste bei Volkswagen hinzugekommen. "Der sich so ergebende Liquiditätsengpass der VEM kann kurzfristig nur durch die Mitwirkung der Banken ausgeglichen werden."

Finanzbedarf von bis zu einer Milliarde Euro

Merckle hatte vor allem mit Spekulationen auf fallende Kurse der VW-Aktie nach offiziellen Angaben einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag verloren. In mit der Sache vertrauten Kreisen wird der Finanzbedarf von Merckle auf ein Volumen von 700 Millionen bis eine Milliarde Euro geschätzt. Die Merckle-Sprecherin wollte zu den Zahlen keine Stellungnahme abgeben.

Regierung in Stuttgart: Ratiopharm verkaufen

Nach Angaben der Muttergesellschaft VEM fordern bereits mehrere Banken den Verkauf des Unternehmens, damit der Merckle-Gruppe neue Gelder zufließen. Im Gespräch ist auch ein Verkauf des Pharmaherstellers Ratiopharm, der Merckle gehört. Nach Auffassung der Stuttgarter Landesregierung kommt die Familie um einen Verkauf kaum noch herum. Nach Angaben der Muttergesellschaft VEM fordern auch mehrere Banken den Verkauf des Unternehmens, damit der Merckle-Gruppe neue Gelder zufließen. Als mögliche Käufer wurden bisher unter anderem Sanofi-Aventis (Frankreich) und die israelische Teva-Gruppe genannt.

Mehr als 100.000 Menschen arbeiten für Merckle

In den Firmen von Adolf Merckle und seiner Familie sind mehr als 100.000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Jahresumsatz liegt bei 30 Milliarden Euro. Zum verschachtelten Merckle-Imperium gehören neben dem Generikahersteller Ratiopharm auch der Pharmagroßhändler Phoenix. Weitere Beteiligungen der Familie sind Kötitzer Leder, Spohn Cement und Kässbohrer Geländefahrzeuge. Eine Insolvenz von VEM würde laut Finanzkreisen zu weiteren Zahlungsengpässen in Merckle-Firmen führen, die mit VEM verschachtelt sind.


Merckle-Imperium umfaßt 100 Firmen

Rund 100 Unternehmen sollen zu Merckle gehören, in denen die Familie ihre Aktivitäten jeweils möglichst steuergünstig eingebracht habe. Der 74-Jährige Clan-Chef hält im Hintergrund die zahllosen Fäden in der Hand, setzt Vertrauensleute an wichtige Stellen, kontrolliert genau und setzt sich gerne durch. Dem Juristen, der mit einem geschätzten Vermögen von 9,2 Milliarden Dollar als fünftreichster Mann in Deutschland gilt, wurde stets ein gutes Händchen für Geschäfte nachgesagt.

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