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Gold: Nachfrage hat deutlich zugenommen


Edelmetalle  

Trotz bzw. wegen Krise: Goldene Weihnachten

08.12.2008, 12:57 Uhr | mmr, AFP, dpa, t-online.de

Gold unterm Weihnachtsbaum (Foto: imago)Gold unterm Weihnachtsbaum (Foto: imago) Im Zuge der Finanzkrise ist der Markt für Anlage-Goldmünzen und -Barren nahezu ausgetrocknet. Vor allem unter Privatanlegern hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass nur physisches Gold langfristig wertstabil ist. Seit Ende September hat sich der Run auf die Glanzstücke derart verstärkt, dass Edelmetall-Händler und -Hersteller die Nachfrage nicht mehr voll bedienen können. Stephan Henkel, Goldhändler bei Umicore, ein Unternehmen das Goldbarren- und Münzen herstellt, spricht von Lieferzeiten bis zu vier Wochen. Wer sich oder andere zu Weihnachten mit Gold oder Silber beschenken will, muss sich sputen.

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Folge der Finanzkrise - Deutschland vor seiner größten Krise


Nachfrage nach Gold hat deutlich zugenommen

Vor dem Hintergrund der internationalen Finanzkrise ist die weltweite Nachfrage nach Gold deutlich angestiegen. Im dritten Quartal habe der Bedarf im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent zugenommen, erklärte der Branchenverband World Gold Council (WGC). Das entspreche einem Anstieg von 963 Tonnen auf 1133 Tonnen. Insgesamt stieg der Umsatz im Vergleich zum dritten Quartal 2007 um rund die Hälfte auf 31,8 Milliarden Dollar (rund 25,4 Milliarden Euro). Am meisten Gold wurde demnach mit 250 Tonnen in Indien gekauft, wo die Nachfrage um 31 Prozent zunahm. Grund für die stark gestiegene Nachfrage sei die Panik an den Börsen in Folge der internationalen Finanzkrise, sagte Ajay Mitra, Chef des WGC in Indien. Gold gelte als sichere Anlage, hob er hervor.



Gold-Münzen ausverkauft - Goldpreis sinkt

Die Nachfrage nach Gold-Münzen und -Barren stieg laut WGC im dritten Quartal 2008 sogar um 121 Prozent auf 232 Tonnen. "Derzeit ist die Nachfrage rund zehn Mal so hoch wie zu normalen Zeiten", sagte auch Goldhändler Stephan Henkel. Das gleiche Phänomen sei bundesweit bei Banken und Goldlieferanten zu beobachten. "Die Nachfrage kann momentan nicht mehr befriedigt werden", bestätigte im Oktober ein Händler der Düsseldorfer WGZ-Bank. Die Lage hat sich im Dezember kaum entspannt. Bei Edelmetall-Händlern wie ProAurum sind viele gängige Stücke nicht verfügbar. Die kanadische Münzanstalt berichtete, dass praktisch jede Münzanstalt auf der Welt ausverkauft sei. Doch die hohe Nachfrage und Knappheit bei Edelmetall-Münzen macht sich beim Gold-Preis in US-Dollar gemessen an der Börse nicht bemerkbar. Im Gegenteil: Gold ist in den vergangenen Monaten günstiger geworden und notiert nach März-Höchstständen über 1000 Dollar unter der 800-Dollar-Marke. In Euro gerechnet hat sich der Gold-Preis im Vergleich zum Vorjahr allerdings leicht nach oben bewegt.

Investoren mussten Gold verkaufen

Verschiedene Gründe werden für die zuletzt gefallenen Goldpreise (in Dollar) genannt. In erster Linie sind es wohl Großinvestoren, die sich von Goldpositionen trennen müssen, um andere, durch die Finanzkrise entstandene Verlustlöcher zu stopfen oder Kredite zurück zu zahlen. Manch Experte vermutet auch, dass der Goldpreis von Emittenten aus dem Derivate-Bereich künstlich niedrig gehalten werden. Selbst die Ankündigung der chinesischen Zentralbank, ihre Goldreserven in den kommenden Jahren von heute rund 600 auf 4000 Tonnen zu versiebenfachen, pushte den Goldpreis nur kurzfristig.

Experte kauft Gold

Investment-Papst Marc Faber antwortete in einem "WirtschaftsWoche"-Interview auf die Frage, warum der Goldpreis derzeit nicht steigt: "Weil in einer Krise, in der Kredite verknappt werden, eines nach dem anderen verkauft wird. Und am Schluss eben das, was sich am besten gehalten hat. Dazu gehört auch Gold." Hinzu komme, dass der US-Dollar in den vergangenen Monaten sehr stark war (bzw. der Euro schwach - vgl. 1-Jahres-EUR/USD-Chart), da seien die Argumente für die Ersatzwährung Gold nicht mehr so stark. "Außerdem sinkt auch die Nachfrage nach Schmuck. In der Krise kaufen die Männer ihren Freundinnen eben keine Goldringe mehr", sagte Faber. Er kauft peu-à-peu dennoch physisches Gold, egal ob der Preis bei 800 oder bei 700 Dollar liegt. So richtig zuschlagen würde er bei einem Preis von 600 bis 650 Dollar.



Bankenverband drosselt Euphorie

Wer als Privatanleger jetzt dem Vorbild des Gurus folgen und sich mit ein paar Goldstücken eindecken möchte, sollte allerdings beachten, dass sich das als Krisenanlage bejubelte Metall allein durch Wertzuwächse rentiert. Zinserträge können mit physischen Edelmetallen nicht erzielt werden, warnt auch in schöner Regelmäßigkeit der Bundesverband deutscher Banken. Die Experten raten Anlegern, Edelmetalle im Anlage-Depot nicht überzugewichten. Anleger sollten nicht einseitig auf das edle Metall setzen. Viele Experten raten zu einem Depotanteil von maximal fünf bis zehn Prozent. Als beste Sicherung in unsicheren Zeiten habe sich eine breite Streuung des Vermögens auf verschiedene Anlagen erwiesen, sagen die Banker.

Keine Buffalos, keine Eagles

Der Markt sagt etwas anderes. Aktien, Fonds und Zertifikate will derzeit auch vor einem langfristigen Anlagehorizont kaum jemand kaufen, die Nachfrage nach physischem, "anfassbarem" Gold schlägt indes alle Rekorde. Ende September teilte die US-Münzanstalt mit, dass der Verkauf des unter Münzsammlern und Anlegern beliebten American Buffalo, einer Münze mit einem Edelmetall-Gewicht von einer Unze (31,1 g) , für eine gewisse Zeit ausgesetzt werden muss. Der Grund: die hohe Nachfrage. Für den American Eagle hatte es bereits im August einen Verkaufsstopp gegeben, weil die Vorräte der Münzanstalt aufgebraucht waren. Sie kam mit dem Prägen einfach nicht nach. Bis Ende September hatte die amerikanische Münzanstalt bereits 164.000 Unzen Gold in Form von American Buffalos verkauft - gut die Hälfte mehr als im Vorjahr. Die Zahl der verkauften American Eagles lag mit rund 420.000 seit Januar 2008 bereits mehr als doppelt so hoch wie im kompletten Vorjahr.

Etwa zehn Prozent Aufgeld In Deutschland am beliebtesten ist der Krügerrand. Der Goldgehalt der südafrikanischen Münze ist zwar etwas niedriger (etwa 92 Prozent), sie glänzt deshalb aber nicht weniger gülden. Außerdem ist sie etwas günstiger als Münzen mit 99,9-prozentigem Goldgehalt. Und wegen ihres Kupfergehalts wiegt sie mehr als andere Ein-Unzen-Münzen. In Deutschland begehrt sind noch Anlagemünzen wie die Wiener Philharmoniker, der kanadische Maple Leaf oder der Australische Nugget. Diese Münzen werden in großen Auflagen geprägt. Ihr Wert folgt treu dem des edlen Metalls, aus dem sie bestehen.

Zweifelhaftes Plus-Angebot Wer die Münzen über eine Bank oder einen vertrauenswürdigen Internet-Händler erwirbt, muss etwa fünf Prozent Aufgeld auf den reinen Goldwert zahlen. Es lohnt sich auf jeden Fall nachzurechnen. So erkennt man auch schnell, dass z.B. ein Angebot von Plus wenig attraktiv ist. Der Discounter preist eine Goldmünze des Inselstaats Nauru und eine Gedenkmünze der Cook-Inseln in seinem Online-Shop als "unvergänglichen Schatz" an. Es sei das "ideale Geschenk zur Weihnachtszeit". Der Discounter wirbt dabei unter anderem mit der Prägequalität und der geringen Auflage der Stücke, die jeweils 49,95 Euro kosten.



Gold im Wert von 10 Euro verkauft für 50 Euro

Laut Verbraucherzentrale ist allerdings fraglich, ob sich die Goldstücke aus dem Plus-Shop später tatsächlich als "Geschenk mit unvergänglichem Wert" erweisen. Der Kunde erhält für sein Geld nur ein halbes Gramm Gold. Den Verbraucherschützern zufolge hat die Münze damit einen Materialwert von derzeit rund 10 Euro, für den man bei Plus fast 50 Euro berappen muss. Wer Goldbarren oder -Münzen bei einer Bank kaufe, bekomme für den selben Preis die vier- bis fünffache Menge des Edelmetalls.

Kleinere Stücke haben größeres Aufgeld

Wem es ohnehin nur darauf ankommt, in Gold und nicht in eine bestimmte Münze zu investieren, dem bieten sich trotz der Lieferengpässe bei seriösen Edelmetall-Shops nach wie vor zahlreiche Alternativen. Wer Gold und Co. langfristig "für schlechte Zeiten" kaufen möchte, sollte möglichst kleine Stückelungen kaufen. Die 31,1-Gramm-Unze Maple Leaf Gold kostet beispielsweise Anfang Dezember gut 700 Euro, eine halbe Unze ist für etwa 360 Euro erhältlich, hat also einen Aufschlag auf den reinen Gold-Wert. Je kleiner die Stückelung, desto stärker machen sich die Prägekosten bemerkbar.

Silber mit ähnlichen Kurs-Chancen wie Gold

Für kleinere Geldbeutel empfehlen Experten Silber-Münzen. Die gibt es in ebenso großer Auswahl an Motiven und Stückelungen und haben bei einem Aufschwung am Rohstoffmarkt ähnliche Kurssteigerungs-Chancen wie Gold. Eine Unze Silber gibt es - inkl. Mehrwertsteuer - bereits für etwa 12 Euro. Da kann man schon ein paar mehr Münzen zu Weihnachten verschenken. Allerdings ist auch der Silber-Markt ziemlich leergefegt, so dass viele Münzen und Barren nur schwer verfügbar sind. Angesichts einer Einschätzung der Analysten der Citigroup, die bis Ende 2009 einen Goldpreis von 2000 Dollar je Feinunze für möglich halten, wird sich an dem knappen Angebot auf dem Edelmetall-Markt auf absehbare Zeit wohl nichts grundlegend ändern.

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