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Ökonomen rechnen mit schlimmsten Jahr seit 1949


Konjunktur  

Ökonomen rechnen mit schlimmsten Jahr seit 1949

10.12.2008, 12:11 Uhr | oca, dpa-AFX, t-online.de

Deutschland droht ein historischer Wirtschaftseinbruch. (Foto: Imago)Deutschland droht ein historischer Wirtschaftseinbruch. (Foto: Imago) Die deutsche Wirtschaft steht nach Einschätzung von Experten vor ihrem schlechtesten Jahr seit Bestehen der Bundesrepublik. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2009 voraussichtlich um zwei Prozent schrumpfen, teilte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen mit. Das wäre das größte Minus, das seit 1949 hierzulande jemals registriert wurde. Noch im September hatte das Institut mit einem Wachstum von 0,7 Prozent im kommenden Jahr gerechnet. Schuld sei vor allem die weltweite Wirtschaftskrise, die die deutschen Exporte einbrechen lasse. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) teilte unter Verweis auf neue Zahlen mit, dass Deutschland tiefer in den Abschwung rutsche.

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Deutschland befindet sich in einer tiefen Rezession

Im Sog des weltweiten Abwärtsstrudel korrigieren Institute seit Wochen ihre Prognosen immer weiter nach unten. "Deutschland befindet sich nach unserer Einschätzung in einer tiefen Rezession", sagte RWI-Experte Döhrn. Derzeit deute nichts auf eine rasche Erholung hin. Insbesondere der Export werde sich im kommenden Jahr deutlich abschwächen.



Lehman Insolvenz hat eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt

"Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September hat eine regelrechte Abwärtsspirale in Gang gesetzt", so der Konjunkturexperte. Die Finanzmarktkrise habe in der Folge auch auf andere Bereiche übergegriffen, die zunächst nicht betroffen gewesen seien. "Die Stahlwerke arbeiten gerade noch so, dass die Hochöfen nicht kalt werden", sagte Döhrn. Angesichts sinkender Absatzerwartungen werde es auch zu einem deutlichen Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen im kommenden Jahr um zehn Prozent kommen. Dies werde auch den Bausektor nach unten ziehen, da Großprojekte zurückgestellt würden.

Konsum bis Mitte 2009 stabil

"Einzig stabilisierendes Element sind derzeit die privaten Konsumausgaben, sagte der Wirtschaftsforscher. Bei einem erwarteten Rückgang der Inflationsrate auf nur noch 0,9 Prozent wird bis Mitte kommenden Jahres zunächst noch mit stabilen Ausgaben der privaten Haushalte gerechnet. Hintergrund seien vor allem steigende Löhne durch die Tarifabschlüsse der vergangenen Monate. Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen werde es im Verlauf des Jahres jedoch zu einem Rückgang der Konsumausgaben um insgesamt 0,3 Prozent kommen.

Entlastung der Bürger sinnvoll

Von den bisher beschlossenen Stabilisierungsmaßnahmen sei keine Wende zum Besseren zu erwarten. "Im Moment sehen wir den Silberstreif am Horizont nicht", sagte Döhrn. Statt langfristig angelegten Programme seien kurzfristige Maßnahmen gefragt, die möglichst schon zum 1. Januar kommenden Jahres greifen müssten. Sinnvoll sei eine Entlastung der Bürger durch eine Reform der Einkommenssteuer um mindestens 25 Milliarden Euro.

DIW: Deutsche Wirtschaft schrumpft

Das DIW-Konjunkturbarometer signalisiert für das laufende Quartal den dritten Rückgang der Wirtschaftsleistung in Folge. Im vierten Quartal dürfte die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal schrumpfen, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin mit. Im dritten Quartal war die Wirtschaftsleistung bereits um 0,5 Prozent geschrumpft. Im Gesamtjahr ergibt sich daraus ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent (kalenderbereinigt 1,4 Prozent).

''Rezession im eigentlichen Sinne''

Noch Mitte November hatte das DIW für das vierte Quartal ein Plus von 0,2 Prozent erwartet, also ein vorläufiges Ende der seit dem zweiten Quartal sinkenden Wirtschaftsleistung. "In gesamtwirtschaftlicher Betrachtung schließt sich laut DIW mit dem Rückgang der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal die Produktionslücke zum Jahreswechsel 2008/2009", schreibt das DIW. "Die deutsche Volkswirtschaft steht damit an der Übergangsschwelle von einer Über- zur Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten, so dass nunmehr auch im eigentlichen Sinne von einer Rezession gesprochen werden kann", kommentierte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths.

OECD rechnet mit einem Minus von 0,9 Prozent

Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OEDC) rechnet mit einem Minus von 0,9 Prozent im kommenden Jahr. Zur Belebung von Konsum und Investitionen legte die Organisation bei der Präsentation ihres Konjunkturberichts Ende November der Bundesregierung Steuersenkungen nahe. Der Internationale Währungsfonds hingegen sagte Anfang November einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,8 Prozent voraus.


Wirtschaftsweisen sprechen sich für Steuererleichterungen aus

Die fünf Wirtschaftsweisen erwarten eine Stagnation, sprechen aber auch da schon von einer Rezession. Bei der Vorstellung ihres Jahrsgutachtens 2008/2009 Mitte November sprachen sie sich für Steuererleichterungen und Ausgabenprogramme aus, die zunächst über neue Schulden finanziert werden sollen.


Regierung: Kein Pläne Prognose zu ändern

Die Bundesregierung habe im Moment keine Pläne, ihre Prognose zu ändern, sagte ein Sprecher von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Er verwies auf den 15. Januar, an dem der Jahreswirtschaftsbericht veröffentlicht werden soll. Bis dahin beobachte die Regierung die wirtschaftliche Entwicklung genau.

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