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Ifo-Institut prophezeit Wirtschaftseinbruch


Rezession  

Ifo-Institut prophezeit Wirtschaftseinbruch

11.12.2008, 10:44 Uhr | cs, dpa, dapd, t-online.de

Das ifo-Institut sieht Deutschland bis 2010 in einer Rezession (Foto: imago)Das ifo-Institut sieht Deutschland bis 2010 in einer Rezession (Foto: imago) Die Wirtschaftsexperten des ifo-Instituts malen eine düstere Zukunft für die deutsche Wirtschaft und sehen die Bundesrepublik noch bis 2010 in einer Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt werde im nächsten Jahr um 2,2 Prozent einbrechen. So stark wäre die deutsche Wirtschaft noch nie geschrumpft. "Wir stehen am Beginn der schärfsten Rezession der Nachkriegszeit", erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Als Folge werde die Arbeitslosigkeit steigen. Die Regierung könne die Krise aber mit geeigneten Maßnahmen abfedern.

Absturz im vierten Quartal

Die ifo-Experten erwarten damit einen noch heftigeren Konjunktureinbruch als ihre Kollegen vom Essener RWI-Institut, die 2009 mit minus 2,0 Prozent rechnen. Im laufenden Quartal stürze die Wirtschaftsleistung sogar um 3,5 Prozent ab, erklärte Sinn. "Das ist eine dramatische Zahl." Allerdings wachse das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr immerhin noch um 1,5 Prozent.

Trend zeigt nach unten

Derzeit zeige nach Worten Sinns in allen wichtigen Wirtschaftsregionen der Welt der Trend nach unten. Deutschland als Exportnation könne sich dem nicht entziehen. "Wir schwimmen wie die Korken auf den Wogen der Weltkonjunktur. Das ist der Beginn der Rezession." Die Hälfte der deutschen Wirtschaftsleistung hänge am Export. Weil die Wirtschaft in den USA nächstes Jahr um 1 Prozent und im Euroraum um 1,3 Prozent schrumpfe und die Wachstumsraten in Indien und China auf 7,5 und 6 Prozent sackten, sei auch die deutsche Wirtschaft auf einer dramatischen Talfahrt. Der Export falle um 5,7 Prozent: "Das ist ein senkrechter Absturz", sagte Sinn. Besonders betroffen ist die exportstarke deutschen Metall- und Elektroindustrie, die bereits heute unter einem dramatischen Auftragseinbruch leidet.

Metallindustrie Auftragseinbruch um 20 Prozent

Weltrezession belastet Exporte

Daneben sei ein Rückgang der Unternehmensinvestitionen um 4,9 Prozent die treibende Kraft nach unten. Die Investitionen in Ausrüstungen würden deutlich zurückgefahren. Der private Konsum komme nur wenig voran. "Ausschlaggebend ist der starke Rückgang der Beschäftigung", erklärten die ifo-Experten. Im nächsten Jahr steige die Arbeitslosigkeit um 540.000, und 2010 werde im Jahresdurchschnitt fast wieder die Marke von vier Millionen Arbeitslosen erreicht, was einer Quote von 9,2 Prozent entspräche.

2010 könnte Erholung kommen

Erst im Jahr 2010 sei mit einem allmählichen Abebben der derzeitigen Finanzkrise zu rechnen. Auch dann erwarten die Wirtschaftsforscher aber immer noch ein leichtes Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent, kalenderbereinigt sogar um 0,3 Prozent. Die Schwächephase könne aber durchaus auch länger dauern. "Machen wir uns nichts vor: Die letzte Flaute, die wir hatten, dauerte von der Mitte des Jahres 2001 bis 2005. Man muss sich auf eine lang anhaltende Schwächephase gefasst machen." Aus der weltweiten Finanzkrise könnten sich noch weitere Abwärtsrisiken ergeben.

Hoffnung besteht

Die Bankenkrise könnte sich aber auch schneller als erwartet auflösen - etwa wenn die staatlichen Hilfen voll greifen. Dann könnte sich die Kreditvergabe weniger restriktiv entwickeln als in der Prognose unterstellt, und die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank positiv durchschlagen. Allerdings müsse die Regierung ihren Bankenrettungsplan rasch nachbessern und die Institute zur Annahme von Hilfen zwingen, um eine Kreditklemme für die Wirtschaft zu verhindern. "Die Wahl darf man nicht den Banken allein überlassen, denn hier geht es um die gesamte Wirtschaft", erklärte Sinn. Schon heute klage die Hälfte der Großunternehmen über erschwerten Zugang zu Krediten.

Konsumgutscheine taugen nichts

Forderungen der IG Metall nach einer Ausgabe von Konsumgutscheinen erteilte Sinn eine Absage. "Von Konsumgutscheinen halte ich rein gar nichts." Dies habe allenfalls einen kurzfristigen Effekt. Die Bundesregierung könne die Krise aber mit Steuersenkungen, der Abschaffung des Solis, Bürokratieabbau und einem Infrastrukturprogramm abfedern. Der Solidaritätszuschlag beispielsweise habe sich nach fast 20 Jahren überlebt. "Wenn man ihn abschafft, erhöht man dauerhaft die Einkommen." Bei Infrastrukturprojekten gebe es ohnehin einen "riesigen Nachholbedarf". Ausgaben für Schulen, Universitäten, aber auch Verkehrswege seien sinnvoll und sorgten für Beschäftigung in der Bauindustrie. Ein Konjunkturprogramm sollte aber mindestens 25 Milliarden Euro umfassen.

Inflation unter ein Prozent erwartet

Bei der Staatsverschuldung sei 2009 und 2010 ein Rückschlag abzusehen. In zwei Jahren werde wahrscheinlich wieder die Defizitgrenze des Maastricht-Vertrages von 3,0 Prozent erreicht. Die Inflation wird nach der ifo-Prognose im kommenden Jahr auf nur noch 0,9 Prozent sinken. Im Jahr 2010 erwarten die Wirtschaftsforscher einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,4 Prozent.

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