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Wirtschaftskriminalität: "Wirtschaftsspionage gilt als schlau"


Wirtschaftskriminalität  

Experte: "Wirtschaftsspionage gilt als schlau"

12.12.2008, 14:10 Uhr | mfu, dapd, dpa-AFX, t-online.de

Wirtschaftsspionage kostet die deutsche Wirtschaft Milliarden. (Foto: imago)Wirtschaftsspionage kostet die deutsche Wirtschaft Milliarden. (Foto: imago) Die Putzkolonne durchwühlt nach Arbeitsschluss die Papierkörbe. Der Doktorand aus einem fernöstlichen Land lernt nicht nur für sich selbst, sondern auch für den heimischen Nachrichtendienst. So oder ähnlich könnte ein Angriff auf das Firmen-Know-how deutscher Unternehmen aussehen. "Die Bedrohung steigt", erläuterte jüngst der Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans Elmar Remberg. Die Angreifer kämen vor allem aus China und Russland, aber auch aus Schwellenländern und nehmen vor allem innovative kleinere und mittlere Unternehmen ins Visier.

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Schwache Schutzmaßnahmen

Bei solchen Firmen seien die Schutzvorkehrungen laut Thomas Menk, Sicherheitschef bei Daimler, häufig geringer als bei Großunternehmen, die Chancen der Spione also größer. "Das ist eine Schwachstelle", meinte Menk der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW). Auf einer Tagung des Verbands diskutierten Experten aus Wirtschaft und Behörden zuletzt die Auswirkungen der Wirtschaftsspionage auf die Unternehmen.

Länder ohne Skrupel beim Kampf um Ressourcen

Dabei werde die Wirtschaftsspionage in Zeiten der Globalisierung und des verschärften internationalen Wettbewerbs immer mehr zum Problem, sagt Hans Elmar Remberg nach Abschluss der Tagung. Es gebe "dramatische Verschiebungen", sagte der Leiter der Verfassungsschutzabteilung im Bundesinnenministerium, Stefan Kaller. Aufstrebende Länder versuchten mit allen Mitteln gleichzuziehen. "Sie tun es offen, ohne Unrechtsbewusstsein. Spionage gilt als schlau." Es sei zu erwarten, dass bei immer knapper werdenden Ressourcen "die Konkurrenz in Zukunft härter und brutaler wird und damit auch die Anwendung unfeiner Mittel häufiger wird".

50 Milliarden Schäden für die Wirtschaft

Der volkswirtschaftliche Schaden könnte erheblich sein, auch wenn die Schätzungen nur sehr ungefähr sind. Von 50 Milliarden Euro im Jahr für die deutsche Wirtschaft sprach Remberg, Menk nannte Summen zwischen zehn und 100 Milliarden Euro, die verfügbaren Studien gäben unterschiedliche Auskünfte. Das BKA registrierte demnach im vergangenen Jahr 325 Fälle, in denen Firmen etwa von Konkurrenten ausgespäht wurden. Innerhalb von fünf Jahren habe die Zahl der Fälle um 20 Prozent zugenommen.

Experten: Russland tut zu wenig gegen Cyber-Kriminelle

Immer mehr Staaten, Behörden und Unternehmen nutzen das Web, um an geheime Informationen zu gelangen. Für das kommende Jahr prognostizieren die Experten von McAfee, einem Hersteller von IT-Sicherheitslösungen, einen weiteren Anstieg der geheimen Recherchen. Im vierteljährlich erscheinenden 'Virtual Criminology Report' weist das Unternehmen darauf hin, dass derzeit weltweit 120 Länder das Internet zur Beschaffung von Geheiminformationen nutzen. Es werden gezielt Computer attackiert, um an geheime Informationen zu gelangen. Besonders viele Angriffe dieser Art sollen ihren Ursprung in China haben. Die Experten kritisieren, dass die russische Staatsführung kaum etwas gegen die steigende Zahl der Cyber-Kriminellen in ihrem Land unternimmt.

Vorsicht bei der Mitarbeiterauswahl

Trotz der massiven Probleme können die Unternehmer laut ASW selber mehr für die eigene Sicherheit tun. Schon mit relativ einfachen Mitteln lasse sich zum Beispiel die Absicherung der Computersysteme gegen Angriffe aus dem Internet zumindest verbessern. Auskunft darüber kann zum Beispiel das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik geben. Auch im eigenen Betrieb sei Vorsicht geboten. "Man muss schon bei der Auswahl von Mitarbeitern für bestimmte sensible Positionen etwas genauer hinschauen", rät Menk. "Manager sind genauso Plaudertaschen wie Ministerialbeamte. Man muss damit rechnen, dass ein gewisser Prozentsatz der Leute ein besonderes Mitteilungsbedürfnis hat."

Hilfe vom Verfassungsschutz

Auch der Verfassungsschutz bietet konkrete Hilfe an. Beispielsweise warnt er in einem Schreiben sehr detailliert vor den Gefahren bei Auslandsreisen, bis hin zum Hinweis, dass Handys auch in ausgeschaltetem Zustand als Abhörmikrofone missbraucht werden könnten, oder dass Fotokopierer Festplatten enthalten können, die kopierte Unterlagen speichern, so dass Geheimdienstler sie später auslesen können. Die Empfehlungen "basieren auf tatsächlichen Vorkommnissen", heißt es in dem Schreiben. Sich an den Verfassungsschutz zu wenden, habe für Firmen mitunter noch einen weiteren Vorteil, sagte Remberg. Der Nachrichtendienst sei - anders als Polizei und Staatsanwaltschaft - nicht zur Strafverfolgung verpflichtet. Hilfesuchende Firmen müssten nicht befürchten, dass mitunter unangenehme Vorkommnisse publik würden.


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