Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Sachsen bietet Chiphersteller Qimonda Finanzhilfe an


Chiphersteller  

Sachsen bietet Chiphersteller Qimonda Hilfe an

16.12.2008, 17:28 Uhr | fre, dpa, t-online.de

Das Firmenschild der Qimonda AG (Foto: dpa)Das Firmenschild der Qimonda AG (Foto: dpa) Die Angst vor einem Dominoeffekt sitzt tief im Freistaat: Geht der Speicherchiphersteller Qimonda in Dresden mit seinen derzeit rund 3000 Mitarbeitern in Insolvenz, wird eine ungeahnte Sogwirkung im hochgelobten Halbleiterstandort Sachsen befürchtet. Unter dem Label Silicon Saxony - in Anlehnung an das amerikanische Silicon Valley - hatten sich nach der Wende rund um die sächsische Landeshauptstadt etwa 1200 Firmen der Halbleiter-, IT- und Kommunikationsbranche angesiedelt. Gehen bei Qimonda - einem der Leuchttürme der Region - die Lichter aus, sind weitere tausende Arbeitsplätze bedroht.

Ranking - Die größten Fusionen
Fortune Ranking - Die größten Konzerne weltweit
Mega-Deals - Bankübernahmen und -fusionen
Quiz - Was wissen Sie über die großen Finanzkrisen?

Der Freistaat "hat sich dem Wunsch gebeugt"

Als Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) und Finanzminister Georg Unland (parteilos) am Dienstag in Dresden ein Rettungsangebot für Qimonda offerieren, sind die Gesichter ernst. Das 150 Millionen Euro- Darlehen ist an Bedingungen gebunden: Der Mutterkonzern Infineon muss sich mit gleicher Summe beteiligen. "Er hat um Hilfe gebeten und der Freistaat hat sich diesem Wunsch gebeugt", sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Die Bedingungen, unter denen diese Kreditlinie gewährt werde, seien klipp und klar formuliert worden: nicht um jeden Preis.



Infineon lehnt ab

Die Reaktion der so "beschenkten" Manager von Infineon lies nicht lange auf sich warten. Sie lehnten das Angebot ab. Die Bedingungen des Freistaates Sachsen seien nicht erfüllbar, hieß es aus München. "Diese Forderung übersteigt bei weitem die Möglichkeiten, wie sie Infineon in den Verhandlungen mit dem Freistaat frühzeitig und deutlich zum Ausdruck gebracht hat", erklärte Infineon-Chef Peter Bauer. Sein Unternehmen habe in Verbindung mit dem Verkauf eines substanziellen Aktienpaketes an Sachsen einen Kredit angeboten. "Wir bedauern außerordentlich, dass unsere Vorschläge vom Freistaat Sachsen nicht berücksichtigt worden sind."

Prinzip Hoffnung

Mit diesem Nein gießt Infineon Öl ins Feuer in einen seit Tagen schwelenden Streit um die Rolle der Konzernführung. Der Unternehmensspitze war wiederholt vorgeworfen worden, sich zu wenig für die Rettung der Tochter Qimonda zu engagieren. Sachsen setzt bei Qimonda dennoch auf das Prinzip Hoffnung. In dem Werk ist eine neue Fertigungstechnologie entwickelt worden, mit der Boden auf einem schwierigen Markt wettgemacht werden soll. Unabhängige Gutachter hatten der Landesregierung bestätigt, dass die Technologie ein Pfund im weltweiten Konkurrenzkampf auf dem Speichermarkt ist. Dazu werden die hochqualifizierten Fachleute in dem Werk geschätzt.

Chips auch für andere Kunden

Seit Sommer was an der Elbe hinter den Kulissen fieberhaft an einer Lösung für das Dresdner Werk gearbeitet worden. Der Chip- Hersteller AMD hatte da mehr Glück. Die Auswirkungen der weltweiten Halbleiterbranche hatte auch er zu spüren bekommen: der geplante Ausbau von Werken in Dresden wurde nicht mit voller Kraft forciert, über eine Auslagerung der Produktion war gemunkelt worden. Mit einer Milliarden-Finanzspritze stieg dann ein Investor aus Abu Dhabi ein und verschaffte dem Dresdner AMD-Werk eine Perspektive. Künftig sollen hier Chips auch für andere Kunden gefertigt werden.

Andere Branchen horchen auf

Für Qimonda zeigte sich bislang kein Retter. Dem Freistaat blieben nur zwei Wege offen: entweder, er trägt mehr als ein Scherflein dazu bei, damit die Technologie im Land bleibt, oder Qimonda zieht in den Bankrott. Die nun angekündigte Hilfe der Staatsregierung könnte Begehrlichkeiten anderer Branchen wecken. Kritiker staatlicher Unterstützung befürchten, dass etwa auch die Automobilzulieferer oder der Maschinenbau Forderungen stellen. Nach der angekündigten Insolvenz eines Dresdner Herstellers von Kleinstbildschirmen zur Wochenbeginn gab es kein Angebot aus der Staatskanzlei: Die MicroEmissive Displays Germany GmbH konnte aufgrund der Finanzkrise das für die weitere Produktion erforderliche Kapital an der Börse nicht mehr beschaffen.

Einbruch bei Speicherchips und mp3-Playern

Unterdessen hat auch der japanische Elektronikkonzern Toshiba hat angekündigt, seine Produktion von Speicherchips um fast ein Drittel zurückzufahren. Grund für die Drosselung ab Januar um 30 Prozent seien die weltweite Wirtschaftskrise und eine sinkende Nachfrage, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon besonders betroffen seien Geräte mit NAND-Flash-Speicherchips wie tragbare Musik-Player. Toshiba gehört zu den führenden Herstellern von NAND-Flash-Speicherchips und hatte in den vergangenen Jahren in den Ausbau der Produktion investiert.

Mehr Themen:
Autokrise - Deutsche Autoindustrie fordert Unterstützung
Börsenprognosen - DAX-Analysten lagen für 2008 voll daneben
Gunst der Stunde - Continental pokert um Schaefflers Autosparte
Schmiergeld - Deutsche Firmen bestechen weniger

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Anzeige
Letzte Chance auf Schnäppchen im Sale!
bei MADELEINE
Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal