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Russland dreht der Ukraine das Gas ab


Energieversorgung  

Russland dreht der Ukraine das Gas ab

16.01.2009, 14:00 Uhr | lgs, AFP, t-online.de

Der Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine spitzt sich zu. (Foto: dpa)Der Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine spitzt sich zu. (Foto: dpa) Russland hat die Gaslieferungen an die Ukraine gestoppt und damit neue Sorgen über die Verlässlichkeit seiner Energielieferungen nach Europa geweckt. Der staatliche russische Energiekonzern Gazprom kappte nach eigenen Angaben am Donnerstagmorgen die Versorgung der Ukraine. Westeuropäische Länder würden jedoch weiter über Pipelines durch die Ukraine mit Gas beliefert, versicherte das Unternehmen.

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Streit konnte nicht beigelegt werden

Moskau hatte Kiew den Schritt angedroht, nachdem die Energieunternehmen beider Länder ihren Streit über Schuldenrückzahlungen der Ukraine und die künftige Preisgestaltung nicht beilegen konnten. Die Europäische Union forderte beide Seiten auf, ungeachtet ihres Gasstreits ihre Lieferverpflichtungen gegenüber Europa einzuhalten. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) betonte, die Gasversorgung in Deutschland sei trotz des Streits gewährleistet. Er gehe davon aus, dass die im Vorfeld gegebenen Zusagen eingehalten und die Gaslieferungen an Europa zuverlässig vorgenommen würden.



Glos plädiert für schnelle Einigung

Bilaterale Probleme dürften nicht dazu führen, bestehende vertragliche Verpflichtungen gegenüber Dritten zu brechen, erklärte Glos. Beide Seiten forderte er dazu auf, sich schnellstens zu einigen. Die deutschen Gasversorgungsunternehmen hätten sich auf die Situation sorgfältig vorbereitet, erklärte Glos. Mögliche Lieferengpässe über die Transit-Pipeline durch die Ukraine würden sich gegenwärtig nicht auf die Versorgungssicherheit auswirken, da Deutschland hohe Speicherkapazitäten habe sowie unterschiedliche Gasbezugsquellen und -transportwege nutze.

Versorgung in Europa angeblich gesichert

Trotz des Lieferstopps an die Ukraine sollen die Kunden in der EU nach Angaben beider Seiten weiter Gas aus Russland erhalten. Gazprom werde seine Lieferungen an Kunden in Europa fortsetzen, versicherte Unternehmenschef Alexej Miller. Auch der ukrainische Energie-Beauftragte Bogdan Sokolowski bekräftigte, Europa werde sämtliches Gas erhalten, das aus Russland geliefert werde. Ranghohe Vertreter des staatlichen russischen Gasversorgers Gazprom hatten zuvor Journalisten ein Schreiben vorgelegt, in dem der ukrainische Gasversorger Naftogaz angeblich mit einer Unterbrechung der Lieferungen nach Europa drohte. Die Echtheit des Schreibens wurde jedoch von unabhängiger Seite nicht bestätigt.

Rund 1/4 EU-Gas kommt aus Russland

Nach Gazprom-Angaben werden trotz des Lieferstopps weiterhin täglich 300 Millionen Kubikmeter Gas durch die Ukraine nach Europa geliefert. Rund ein Viertel des in der EU verbrauchten Gases kommt aus Russland, 80 Prozent davon wird durch Pipelines durch die Ukraine geliefert. 2006 waren nach einem Streit zwischen Russland und der Ukraine die Gaslieferungen nach Europa zeitweise unterbrochen worden.

Ukraine greift vorerst auf Reserven zurück

Auch in der Ukraine selbst waren nach Angaben eines Regierungsvertreters am Donnerstag zunächst keinerlei Auswirkungen des russischen Lieferstopps zu spüren. Nach Angaben von Naftogas wurden sämtliche ukrainischen Haushalte wie gewohnt versorgt. Dafür greife das Land auf seine Reserven zurück und fördere auch selbst Gas. Zugleich bot Kiew eine sofortige Wiederaufnahme der Verhandlungen an. Moskau habe dem aber noch nicht zugestimmt, teilte das Präsidentenbüro in Kiew mit.

Streit nicht nur um Gaspreis

Russland hatte nach Angaben von Regierungschef Wladimir Putin der Ukraine angeboten, ab 2009 Gas für 250 Dollar (rund 180 Euro) pro tausend Kubikmeter zu liefern. Dies wies ein Sprecher des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko zurück. Kiew erklärte einen Preis von 201 Dollar pro tausend Kubikmeter für angemessen und forderte eine Erhöhung der Transitgebühren für durch die Ukraine nach Europa geliefertes Gas auf zwei Dollar pro tausend Kubikmeter je hundert Kilometer. Derzeit erhält die Ukraine 1,7 Dollar. Der derzeitige Streit dreht sich nicht nur um die Gaspreise. Nach Angaben Gazproms zahlte Naftogaz von einer Schuld von 1,6 Milliarden Dollar nur 1,5 Milliarden zurück. Außerdem stehe eine Strafe in Höhe von 450 Millionen Dollar wegen verspäteter Bezahlung der Lieferungen der vergangenen zwei Monate aus.

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