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Wiener Bank kommt unter Staatskontrolle


Madoff-Affäre  

Wiener Bank kommt unter Staatskontrolle

27.01.2009, 11:13 Uhr | oca, t-online.de, dpa

Madoff-Affäre holt Bank Medici ein. (Foto: imago)Madoff-Affäre holt Bank Medici ein. (Foto: imago) Der Milliardenbetrug an der Wall Street zwingt laut Medienberichten die Wiener Bank Medici als weltweit erstes Kreditinstitut unter staatliche Kontrolle. Die Bestellung eines Regierungskommissars stehe "unmittelbar bevor", berichtete die österreichische Tageszeitung "Der Standard" am Mittwoch. Dieser soll weitgehende Kontrolle über das Unternehmen haben. Die Bank Medici, die zu 75 Prozent der österreichischen Bankerin Sonja Kohn und zu 25 Prozent der Bank Austria (BA-CA) gehört, ist dem Bericht zufolge deutlich stärker von dem mutmaßlichen "Schneeball-System" des New Yorker Brokers Bernard L. Madoff betroffen als bisher angenommen.

Investitionen lagen bei 3,2 Milliarden Dollar

Auslöser sind Fonds, die ihr Geld bei Madoff angelegt haben. Kohn gehört zu den Mitinitiatoren der betroffenen Fonds. Nach Informationen der "Financial Times", die ebenfalls von einer bevorstehenden Kontrollübernahme berichtete, lernte Kohn Madoff bereits in den 80er Jahren kennen und diese Geschäftsbeziehung sei maßgeblich für die Entwicklung des Wiener Bankhauses gewesen. Das Fondsgeschäft soll den Löwenanteil der Einnahmen der Bank ausgemacht haben. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg bezifferte die Investitionen bei Madoff über diverse Medici-Fonds auf 3,2 Milliarden Dollar.


Wiener Bankhaus weltweit mit am meisten involviert

Allein der von Medici vermittelte Fonds Herald USA kommt Medienberichten zufolge auf ein Volumen von 2,5 Milliarden Dollar. Damit zählt das kleine Wiener Bankhaus zu den weltweit am stärksten in die Madoff-Affäre involvierten Finanzinstituten. Allein österreichische Anleger könnten nach Schätzung der österreichischen Nationalbank bis zu 350 Millionen Dollar in die Fonds investiert haben. Rund 650 Kunden der zur UniCredit-Gruppe gehörenden Bank Austria könnten durch den Fall rund 150 Millionen Euro verlieren, hieß es.

Gründerin der Bank nicht zu erreichen

Bis vor kurzem hatte die Spitze der 1984 gegründeten Privatbank Optimismus verbreitet. "Der Status der Bank ist solide, sie hat keinerlei Kapital- oder Liquiditätsprobleme", erklärte Medici-Chef Peter Scheithauer noch vor wenigen Tagen. Die 60-jährige Gründerin der Bank war für den "Standard" nicht zu erreichen.

Schaden von 50 Milliarden Dollar

In dem wohl größten Betrugsfall der Finanzgeschichte richtete Madoff nach eigenen Angaben einen Schaden von 50 Milliarden Dollar an. Der 70-Jährige, über Jahrzehnte ein angesehener New Yorker Aktienbroker, hatte vor rund drei Wochen den Behörden zufolge den Milliarden-Betrug gestanden und steht derzeit in Manhattan unter Hausarrest. Bei einem "Schneeball-System" werden typischerweise die versprochenen hohen Zinsen mit dem Geld immer neuer Investoren bezahlt, ohne dass es tatsächliche Gewinne gibt.

Anleger könnten auch Steuern hinterzogen haben

Anleger in dem gigantischen "Schneeball-System" könnten mit Hilfe solcher Fonds auch Steuern hinterzogen haben, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf einen Insider. Untersucht werde dabei auch die Rolle von Banken außerhalb der USA.

Lise der prominenten Betrugsopfer wächst

Unterdessen wächst die Liste der prominenten Opfer des Betrugs weiter. Auch der amerikanische Filmstar und Regisseur Kevin Bacon ("Frost/Nixon") und seine Frau Kyra Sedgwick ("Murder in the First") sind betroffen. "Ich kann bestätigen, dass sie Gelder bei Herrn Madoff angelegt hatten", sagte ihr Sprecher laut US-Medienberichten. Zuvor waren bereits Steven Spielberg und Eric Roth, der Autor des Oscar-Anwärters "Der seltsame Fall des Benjamin Button", als Madoff- Geschädigte bekanntgeworden.

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