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EU fürchtet Gaskollaps


Energiestreit  

EU fürchtet Gaskollaps

16.01.2009, 14:00 Uhr | Financial Times Deutschland

Das Gefahrenpotenzial des Gasstreits ist größer als erwartet (Foto: Reuters)Das Gefahrenpotenzial des Gasstreits ist größer als erwartet (Foto: Reuters) Die EU-Kommission fürchtet den Zusammenbruch der Gasleitungen in der Ukraine. "Financial Times Deutschland"-Informationen zufolge halten die Experten in der Brüsseler Behörde einen ernsten technischen Kollaps des Systems als Folge des russischen Gaslieferstopps für eine reale Gefahr. Ein solcher Zusammenbruch würde nach Überzeugung der Kommission zu ernsten Notlagen in den meisten osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten führen. Das Ausmaß der Krise gilt als bislang beispiellos.

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Gefahrenpotenzial größer als zugegeben

Die dramatische Einschätzung zeigt, dass das Gefahrenpotenzial des russisch-ukrainischen Gasstreits größer ist, als die Kommission und die Regierungen öffentlich einräumen. Der Staatsmonopolist Gazprom liefert aufgrund eines Schulden- und Preisstreits mit der Ukraine seit der Nacht auf Mittwoch kein Gas mehr an das Nachbarland. Davon sind auch viele EU-Staaten massiv betroffen, da 80 Prozent des russischen Gases für die Gemeinschaft durch die Ukraine fließen. Ein Zusammenbruch des Gasliefersystems in diesem wichtigsten Transitstaat würde die Energieversorgungssicherheit Europas grundsätzlich infrage stellen.

Akute Versorgungsengpässe

Bulgarien, Ungarn, die Slowakei und Polen haben wegen akuter Versorgungsengpässe bereits den Notstand ausgerufen. Zehntausende Menschen frieren dort in kalten Wohnungen. In Deutschland, Frankreich und den meisten anderen westeuropäischen Staaten gibt es derzeit noch keine Versorgungsengpässe.

Ultimatum an die Ukraine

Wegen der eskalierenden Lage stellte der tschechische EU-Ratsvorsitzende Mirek Topolanek Russland und der Ukraine ein Ultimatum. Sollten die Lieferungen bis Donnerstag nicht wieder voll aufgenommen werden, werde es seitens der Europäer eine "sehr viel schärfere Reaktion" geben, sagte Tschechiens Premier am Mittwoch in Prag. Kommissionspräsident José Manuel Barroso drohte, Russland und die Ukraine würden dann ihren Ruf als verlässliche Liefer- und Transitländer verlieren. Barroso warnte die Ukraine, die Annäherung an die EU werde leiden, sollte das Land nicht seinen Transitverpflichtungen nachkommen.

Gipfeltreffen soll Lösung bringen

Bei einem Treffen in Brüssel wollen am Donnerstag Gazprom-Chef Alexej Miller und Oleg Dubina vom ukrainischen Gaskonzern Naftogaz unter EU-Vermittlung einen Ausweg suchen. Zudem gab Topolanek bekannt, dass europäische Kontrolleure künftig in der Ukraine die korrekte Gasdurchleitung von Russland nach Europa prüfen sollen. Moskau wirft Kiew vor, Gas aus den Transitpipelines zu stehlen. Die Ukraine behauptet hingegen, Russland liefere nicht die vereinbarte Menge Gas.

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Russland verletzt Vertragspflichten

Offiziell halten sich die Europäer mit einseitigen Schuldzuweisungen an Russland oder die Ukraine bislang zurück. Doch intern geht die Kommission "FTD"-Informationen zufolge seit Gazproms totalem Lieferstopp an die Ukraine davon aus, dass Russland damit eindeutig seine vertraglichen Pflichten gegenüber den EU-Staaten verletzt hat. Außerdem sieht die Behörde Verdachtsmomente für eine lange vorbereitete Aktion Russlands, da bereits im Dezember Gazprom-Vertreter durch EU-Hauptstädte gereist seien, um auf die jetzige Krise vorzubereiten.

Gas strömt frühestens in einer Woche

Energieexperten fürchten, dass die Lieferausfälle selbst dann erst in etwa einer Woche enden können, wenn Russland am Donnerstag wieder Gas in die ukrainischen Pipelines pumpt. Probleme könnten bei den Verdichtungsstationen entstehen, die den zum Gastransport notwendigen Druck aufbauen. Um die Turbinen dieser Stationen betriebsbereit zu halten, müssten diese vorgewärmt werden. Das dafür oft eingesetzte Erdgas fehle jetzt. Nach einem Wiedereinsetzen der Gasversorgung müssten die abgekühlten Anlagen langsam wieder auf Temperatur gebracht werden, um Schäden zu vermeiden. Allerdings könnte das marode ukrainische Pipelinenetz durch den Lieferstopp auch größere Schäden erlitten haben.

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