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Dudenhöffer kritisiert Abwrackprämie als wirkungslos


Autokrise  

Dudenhöffer kritisiert Abwrackprämie als wirkungslos

15.01.2009, 11:01 Uhr | bab, dpa-tmn , dpa , t-online.de

Autoexperte Dudenhöffer lässt kein gutes Haar an der Abwrackprämie (Foto: imago)Autoexperte Dudenhöffer lässt kein gutes Haar an der Abwrackprämie (Foto: imago) Die Autoindustrie ist in einer schweren Krise. Wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und den damit verbundenen Rezessionsängsten will sich fast niemand mehr einen Neuwagen kaufen. Die große Koalition hat sich daher jetzt auf eine Unterstützung der Autobauer verständigt. Nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer bringt die jedoch so gut wie keine Vorteile für deutsche Hersteller.

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"Die Abwrackprämie bringt gar nichts"

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt der Professor von der Universität Duisburg-Essen: "Die Abwrackprämie bringt für die Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie im Prinzip gar nichts. Vielmehr ist die Abwrackprämie ein Konjunkturprogramm für die Autowerke in Rumänien, Tschechien oder Italien, finanziert aus deutschen Steuergeldern. Bei den mit Kurzarbeit bedrohten Werken bei BMW, Mercedes, Audi oder Porsche wird die Abwrackprämie keine einzige Stunde Kurzarbeit einsparen. Bei VW, Opel und Ford in Deutschland bleibt die Wirkung ebenfalls sehr überschaubar, erklärte der Professor."

Im Volltext - Dudenhöffer im Interview

Allein auf weiter Flur

Mit seiner Kritik steht Dudenhöffer jedoch weitestgehend alleine dar. Das bereits seit Wochen diskutierte Vorhaben trifft insgesamt auf breite Zustimmung. In seltener Einigkeit erhoffen sich Politik, Verbände, Hersteller  und Gewerkschaften davon eine Ankurbelung des darbenden Neuwagengeschäfts. Die Prämie wäre ein weiterer Anreiz neben der schon von der Bundesregierung beschlossenen befristeten Steuerbefreiung für Neuzulassungen. Jedoch kursieren unterschiedliche Auffassungen darüber, was sie tatsächlich bewirkt.



2500 Euro pro Wrack

Union und SPD hatten sich am Montag darauf geeinigt, Altautobesitzern eine einmalige "Umweltprämie" in Höhe von 2500 Euro zu zahlen, wenn sie ihr bisheriges, mindestens neun Jahre altes Fahrzeug verschrotten lassen. Im Gegenzug muss der Besitzer einen Neuwagen kaufen und diesen noch in diesem Jahr zulassen. Für diese Art von Absatzförderung will die große Koalition im Rahmen ihres zweiten Konjunkturpaketes 1,5 Milliarden Euro bereitstellen. Der Staat verspricht sich von der Prämie einen Abbau des Überhangs an Neuwagen.

Foto-Show Diese Neuwagen kosten unter 10.000 Euro (Teil 1)
Foto-Show Diese Neuwagen kosten unter 10.000 Euro (Teil 2)

PwC erwartet Nachfrageimpuls

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) erwatet durch diese Regelung einen "starken Nachfrageimpuls". "Wir prognostizieren bei einer Prämie von 2500 Euro beim Kauf eines umweltfreundlichen Neuwagens einen höheren Inlandsabsatz im laufenden Jahr um etwa 300.000 Pkw", sagt Harald Kayser, Leiter des Automotive-Bereichs von PwC in Frankfurt. Die Prämie sei auch deshalb sinnvoll, weil der Pkw-Bestand in Deutschland so alt wie noch nie sei. Das Durchschnittsalter liege derzeit bei 8,5 Jahren. Rund 3,8 Millionen Fahrzeuge seien sogar 16 bis 25 Jahre seit ihrer Erstzulassung unterwegs.

ADAC befürwortet Prämie

Auch der ADAC in München befürwortet, die Verschrottung von Altautos zu fördern. Der Club verspricht sich eine Modernisierung und Erneuerung der Fahrzeugflotte. "Der Pkw-Bestand wird schneller von älteren und aus Umweltgesichtspunkten schlechteren Fahrzeugen befreit", sagt Ulrich Klaus Becker, ADAC-Vizepräsident für Verkehr. "Profitieren würde neben der Autoindustrie vor allem der Personenkreis, der den größten Teil an alten Pkw besitzt und sich aus wirtschaftlichen Gründen bislang kein neueres Fahrzeug leisten konnte."



Genaue Regeln gefordert

Der ADAC schlägt jedoch vor, eine Abwrackprämie nur Besitzern von Pkw zu gewähren, "die bestenfalls die Euro-1-Abgasnorm erfüllen". Auch bei der Stilllegung "von nachträglich auf Euro-2 aufgerüsteten Autos" sollte die Prämie gezahlt werden. Dazu müsse sichergestellt sein, dass die Autos mindestens ein halbes Jahr in Deutschland zugelassen waren und dauerhaft aus dem deutschen Pkw-Bestand entfernt werden.

Verkehrsclub bleibt skeptisch

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bleibt hingegen skeptisch, was eine Abwrackprämie tatsächlich bewirkt. Zwar sei es aus Umweltsicht durchaus zu begrüßen, wenn etwa alte Dieselstinker, für die es keinen Partikelfilter zum Nachrüsten gibt, endgültig stillgelegt werden, sagt VCD-Sprecher Gerd Lottsiepen in Berlin. Bei alten Benzinern komme es darauf an, ob der Neuwagen, der gekauft wird, sparsamer ist.

Alles nur eine Luftnummer?

Die Hoffnungen auf wirtschaftliche Besserung, die an eine Abwrackprämie geknüpft werden, teilt Lottsiepen keineswegs: "Es heißt ja immer, dass dadurch neue Autos gekauft werden. Doch wer ein zwölf Jahre altes Auto fährt, gehört ja nicht zu den Betuchtesten." Und wer eine Abwrackprämie bekäme, wäre laut Lottsiepen daher finanziell immer noch nicht in der Lage, sich einen Neuwagen zu kaufen. Zusätzlich zu den 2500 Euro Prämie müssten ja noch 10.000 bis 20.000 Euro für den Rest aufgebracht werden. Lottsiepen hält das Gerede von der Abwrackprämie daher für "akute Scheinaktivität" und "eine absolute Luftnummer".

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