Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Börse & Märkte > News > Eigene >

EZB senkt Leitzins erneut


Europäische Zentralbank  

EZB senkt Leitzins erneut

20.01.2009, 10:58 Uhr | mmr, dpa-AFX, AFP, t-online.de

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt (Foto: imago)Die Europäische Zentralbank in Frankfurt (Foto: imago) Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins angesichts trüber Aussichten für die Wirtschaft in der Eurozone erneut deutlich gesenkt. Die Zentralbank verringerten den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent, wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. Bereits vor einem Monat hatte die Zentralbank den Leitzins bereits um deutliche 0,75 Prozentpunkte gesenkt - so stark wie noch nie zuvor in ihrer Geschichte. Mit der erneuten Senkung liegt der Zinssatz so niedrig wie seit Juni 2003 nicht mehr. Finanzexperten hatten in den vergangenen Tagen mit einen Zinsschnitt in dieser Höhe gerechnet.


Weitere Zinssenkung im März?

EZB-Chef Jean-Claude Trichet deutete an, dass es im März erneut zu einer Zinssenkung durch die Zentralbank kommen könne. Beim Treffen des Zentralbankrates im Februar werde es voraussichtlich keine wichtigen geldpolitischen Entscheidungen geben. Die Beratungen im März würden jedoch voraussichtlich «das nächste wichtige Treffen» werden, sagte Trichet. Käme es zu einer erneuten Zinssenkung, wäre der Leitzins so niedrig wie nie zuvor. Für ihre jetzige Zinssenkung habe die EZB Spielraum gehabt, weil der Preisanstieg in der Eurozone zuletzt weiter nachgelassen habe, sagte Trichet. Im Dezember habe die Inflation in der Eurozone bei 1,6 Prozent gelegen, nach ihrem Höchststand von vier Prozent in der Jahresmitte.

Tiefe Leitzinsen auch in Großbritannien und USA

Notenbanken weltweit versuchen derzeit mit niedrigen Leitzinsen der Wirtschaft Auftrieb zu geben. So senkte in der vergangenen Woche die Bank of England ihren Zinssatz auf ein Rekordtief von 1,5 Prozent. In den USA liegen die Zinsen derzeit bei 0,0 bis 0,25 Prozent - Kredite sind dort demnach fast kostenlos.

Magere Konjunkturaussichten

Die Konjunkturaussichten für den Euroraum hatten sich in den letzten Wochen dramatisch eingetrübt. Nach Einschätzung der OECD wird sich die Wirtschaft frühestens Mitte 2010 erholen. In diese Woche vorgelegten Jahresbericht zeichnete die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen düsteren Teufelskreis aus Finanzkrise, Rezession und Arbeitslosigkeit. Im November hatte die OECD schon ein Schrumpfen der Eurozone um 0,6 Prozent und um 0,9 Prozent für Deutschland im laufenden Jahr prognostiziert. "Heute wären die Zahlen weit schwächer", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Vorlage des Jahresberichts.

Schwacher Start ins neue Jahr

Deutschland - die stärkste Volkswirtschaft der Eurozone - wird in diesem Jahr nach Einschätzung von Konjunkturexperten in die stärkste Rezession in der Nachkriegsgeschichte stürzen. Nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamt ist die deutsche Wirtschaft bereits im vierten Quartal 2008 um 1,5 bis 2 Prozent geschrumpft. Der Start in 2009 dürfte Beobachtern zufolge entsprechend schwach ausfallen.



Aktien gehen zeitweise auf Talfahrt

Wie schon beim vorigen Zinsschritt zeigt sich der deutsche Aktienmarkt auf die Zinssenkung in einer ersten Reaktion zunächst nachgebend, dann wieder leicht erholt. Am Nachmittag rutschte der DAX jedoch deutlicher unter die Marke von 4400 Punkten. Auch der ohnehin zuletzt gefallene Euro verbilligte sich zum US-Dollar weiter und notierte zeitweise unter der Marke von 1,31 Dollar.

Weiterhin gute Renditen für Sparer

Anleger können trotz der starken Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Einschätzung von Finanzexperten nach wie vor gute Renditen für ihr Geld bekommen. So zahlten viele Privatbanken oder Autobanken ihren Kunden derzeit deutlich höhere Zinsen als etwa Sparkassen- oder Genossenschaftsbanken, sagte der Chef der Frankfurter Finanzberatung FMH, Max Herbst, am Donnerstag. Während die regionalen Anbieter für Festgeld bei zwölf Monaten Laufzeit im Schnitt 2,6 Prozent Zinsen zahlten, gewährten Geschäfts- und Autobanken nach wie vor vier Prozent und mehr. Wegen der Unterschiede sei ein "Zinsvergleich derzeit erste Verbraucherpflicht", sagte Finanzexperte Marcus Preu vom Verbraucherportal biallo.de.

Höhere Zinsen bei Privatbanken

Sparkassen und Genossenschaftsbanken hätten ihre Zinsen nach den Zinssenkungen der EZB seit Oktober besonders stark reduziert, sagte FMH-Chef Herbst. "Andere Institute wie etwa die Autobanken sind dagegen nach wie vor stark auf das Geld der Verbraucher angewiesen und zahlen deswegen auch die höchsten Zinsen." Aus Kundensicht sei das Geld bei Privatbanken und den Banken der Autohersteller jedoch genauso sicher wie bei Genossenschaftsbanken oder Sparkassen, weil es durch die Einlagensicherung der Banken geschützt sei. Viele nähmen derzeit jedoch für eine "gefühlte höhere Sicherheit" bei den regionalen Geldhäusern niedrigere Zinsen als bei den Privatbanken in Kauf.

Hohe Finanzierungskosten für die Banken

Hintergrund der Zinsunterschiede ist die Finanz- und Wirtschaftskrise. Trotz der Zinssenkungen der EZB können sich viele Banken nach wie vor nur zu relativ hohen Kosten Geld zur Finanzierung ihrer Geschäfte besorgen. Für die Autobanken etwa sind Kredite teuer, weil derzeit kaum absehbar ist, ob die Verkaufskrise der Autobranche noch schlimmer wird. Die großen US-Autokonzerne etwa standen zum Jahreswechsel bereits kurz vor dem Bankrott.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal