Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Rohstoffe >

Vietnam mittlerweile globaler Kaffee-Exporteur Nr.2


Kaffee  

Vietnam mittlerweile globaler Kaffee-Exporteur Nr.2

16.01.2009, 13:13 Uhr | sky, dpa, t-online.de

Pflanzer in der Ortschaft Buon Ma Thuot (Foto: Reuters)Pflanzer in der Ortschaft Buon Ma Thuot (Foto: Reuters) Die vietnamesische Kaffeeindustrie hat sich in 25 Jahren rasant entwickelt, von einer Anbaufläche von 22.000 Hektar 1980 auf heute eine halbe Million Hektar. Damit ist Vietnam hinter Brasilien der weltweit zweitgrößte Kaffeeproduzent geworden. Im vergangenen Jahr wurden in Brasilien 36 Millionen Sack à 60 Kilogramm geerntet, in Vietnam 18 Millionen und in Kolumbien zwölf. Der Anteil der zentralamerikanischen Länder am Kaffeemarkt ist in zehn Jahren von 35 auf zehn Prozent gefallen - Asien holt auf. Deutschland ist Vietnams größter Kaffeeabnehmer.


Quiz - Was wissen Sie über Vietnam?
Animierte Grafik - So entwickeln sich die deutschen Verbraucherpreise
Online einkaufen - Das sollten Sie beachten
Ranking - Die beliebtesten Marken

Der Kaffeepreis fällt

Vietnam ist besonders während der Zeit der Boompreise Mitte der 90er Jahre vorgeprescht. Danach ging es bergab, vor drei Jahren wieder bergauf - doch seit dem Frühjahr sind die Kaffee-Preise auf Talfahrt. In Ho Chi Minh-Stadt gab es im Februar 2008 für die Tonne 2520 US-Dollar (1720 Euro) - im November waren es nur noch 1480 US-Dollar (1017 Euro). Die Bauern stöhnen. Ihnen droht ein Verlust von bis zu 700 Euro pro Tonne.



Die Partei überwacht die Ernte

Eines der Zentren des Kaffeeanbaus ist die Provinz Dak Lak, hier leben viele Angehörige ethnischer Minderheiten, die auch schon mal aufmüpfig geworden sind - eine Situation, die die Kommunisten unbedingt unter Kontrolle halten wollen. Deshalb werden neugierige Ausländer in der Provinz gerne "begleitet". Wie überall schwingt auch hier das Volkskomitee das Zepter. "Der größte Batzen zum Staatsbudget wird in Dak Lak durch Kaffee erwirtschaftet", berichtet der Vizevorsitzende des Komitees, Nguyen Tan Tai.

Düngerpreise sind kräftig gestiegen

Von einer "Superernte" berichtet Bauer Nguyen dann in seiner Kaffeeplantage. "Aber die Preise - ein echtes Problem. Das wird in diesem Jahr kaum Gewinn abwerfen". Das Volkskomitee hat Nguyen als Vorzeigebauern ausgesucht. Er hat 16 Hektar Land, baut auch Avocados, Bananen und Pfeffer an. "Ich hätte trotzdem noch einen Profit machen können, wenn der Dünger nicht so teuer geworden wäre," sagt Nguyen. Ein anderer Farmer ergänzt: "Wir sind zwar nur Bauern, aber ich glaube, die Finanzkrise ist für den Preisverfall verantwortlich". Doch hat der Familienvater in seinen mehr als 20 Jahren als Kaffeebauer schon manchen Zyklus gesehen. "Es geht auf und ab", sagt er philosophisch.



Das Angebot steigt

Die weltweite Kaffeeproduktion steigt seit Jahren: 2001 waren es rund 112 Millionen Sack à 60 Kilogramm, in diesem Jahr werden es wohl 132 Millionen Sack. Vietnam baut vor allem die Sorte Robusta an. Der hochwertigere Arabica wächst nur in höheren Lagen, über die Vietnam nur im Norden in den Bergen an der chinesischen Grenze verfügt. Vietnam will seinen Arabica-Anteil in den nächsten Jahren von 20.000 auf 100.000 Hektar ausbauen. Mehr als 230.000 Tonnen Kaffee hat Vietnam im vergangenen Jahr nach Deutschland geliefert, gefolgt von den USA und Spanien. Doch sind die Märkte auch nicht mehr stabil. Im August gingen die Exporte nach Deutschland um 28 Prozent zurück, in die USA um 48 Prozent.

Vietnam hat noch Qualitätsprobleme

Die Qualität ist ein großes Problem. Bis zu 30 Prozent der vietnamesischen Exporte werden nach Schätzungen in den Häfen von Rotterdam als Mangelware zurückgewiesen. Die Begründung: In Asien "ist der Markt in 15 Jahren so stark gewachsen wie in Ländern Mittelamerikas in 100 Jahren", erläutert Néstor Osorio, Direktor der Weltkaffeeorganisation bei einer Kaffee-Konferenz in Saigon. "Dort sind die Kaffeekenntnisse der Bauern über Generationen gewachsen - hier gibt es keine Kaffeetradition." Dann fügt er hinzu: "Wenn die Vietnamesen ein bisschen weniger produzieren würden, wäre es einfacher, für gute Qualität zu sorgen."

Neue Sorten im Angebot

Die Qualitätsverbesserung ist jetzt Regierungsprogramm. Zuständig dafür ist unter anderem das WASI, das Agro-Forst-Forschungsinstitut im westlichen Hochland. Das Institut hat in Dak Lak 270 Hektar Forschungsplantagen. Pfropfen heißt die Methode zur Ergebnisverbesserung, dabei werden auf 20 Jahre alte Bäume Jungpflanzen aufgesetzt. Diese Triebe sind vietnamesische Züchtungen: zwölf neue Sorten gibt es schon, die zwei- bis dreimal so viel Ertrag bringen wie übliche Sorten. Das Institut experimentiert auch mit Beschneidungsmethoden, die den Ertrag um ein Drittel steigern können. Das neue Wissen an hunderttausende Kleinbauern zu bringen, ist eine Herkulesaufgabe. Dabei kommen ausländische Berater wie die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) zum Einsatz. Sie unterstützt in Dak Lak Trainingsprogramme.

Weitere Themen:
Frohe Botschaft im Supermarkt -
Verbraucherpreise -
Inflation -
Bundesbank -
Hintergrund - Konjunkturzyklen und Krisenbegriffe
Quiz - Wie gut kennen Sie internationale Geldscheine?

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Die DSL-Alternative mit 200GB Datenvolumen
der Homespot von congstar
Anzeige
iPhone XR für nur 1 €* im Tarif MagentaMobil L
zur Telekom
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal