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Deutschen Banken drohen neue Milliarden-Verluste


Finanzkrise  

Deutschen Banken drohen neue Milliarden-Verluste

19.01.2009, 15:16 Uhr | sky, dpa, dapd

Deutsche Banken im Strudel der Finanzkrise (Foto: ddp)Deutsche Banken im Strudel der Finanzkrise (Foto: ddp) Den deutschen Banken droht in der Finanzkrise eine zweite große Welle von Milliarden-Verlusten. Der "Spiegel" berichtet unter Berufung auf eine Analyse von Bundesbank und Finanzaufsicht BaFin, dass die Banken "toxische Wertpapiere" im Volumen von knapp unter 300 Milliarden Euro in ihren Büchern hätten. Davon sei erst rund ein Viertel abgeschrieben worden, der Rest stehe noch immer mit mittlerweile "illusorischen Werten" in den Büchern. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will den Instituten aber nicht mit einer staatlichen "Bad Bank" aus der Patsche helfen.

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Geheime Umfrage unter zwanzig Banken

Bei dem vom "Spiegel" zitierten Papier handelt es sich um eine Umfrage von Bundesbank und BaFin unter zwanzig großen Kreditinstituten im Auftrag des Bundesfinanzministeriums. Darunter seien alle deutschen Großbanken und Landesbanken. Ein Ministeriumssprecher bestätigte inzwischen die Existenz einer solchen Umfrage, äußerte sich aber nicht zu konkreten Zahlen.

Risiken in Höhe von 1000 Milliarden Euro?

Regierungsexperten rechnen dem Bericht zufolge mit einem erheblichen Wertberichtigungsbedarf, der zu weiteren hohen Verlusten bei den Banken führen dürfte. Laut "Spiegel" geht das Finanzministerium selbst davon aus, dass der gesamte deutsche Bankensektor Risikopapiere mit einer Summe von bis zu einer Billion Euro in den Büchern führt. Auch diese Zahl bestätigte der Sprecher nicht.



Unter dem Rettungsschirm wird es eng

Der erhebliche neuerliche Wertberichtigungsbedarf bedeutet laut "Spiegel", dass bald noch mehr Institute auf staatliche Kapitalspritzen angewiesen sein werden. Erst kürzlich hatte sich die Commerzbank unter den Schutzschirm begeben, der Bund hält nun eine Sperrminorität an dem Institut. Auch die Landesbank LBBW hat weiteren Kapitalbedarf angekündigt. Zudem wird in der Branche über weitere Hilfen für den angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate spekuliert. Erst Mitte voriger Woche hatte die Deutsche Bank Milliarden-Verluste für das abgelaufene Quartal angekündigt. Für das Gesamtjahr geht das größte deutsche Institut von einem Verlust von etwa 3,9 Milliarden Euro aus. Gleichzeitig musste Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Deutsche Post - und damit indirekt den Staat - als Großaktionär ins Boot holen, um den Kauf der Postbank noch einigermaßen kapitalschonend stemmen zu können.

Deutsche Bank beendet Eigenhandel

Die Deutsche Bank bereitet unterdessen laut "Spiegel" weitere Einschnitte vor: Nach hohen Verlusten von rund 1,5 Milliarden Euro habe der Vorstand entschieden, in der aktuellen Situation ganz aus dem Eigenhandel mit Wertpapieren auszusteigen. Noch in der zweiten Jahreshälfte 2008 durften ein paar hundert Händler mit dem Kapital der Bank einem zweistelligen Milliardenbetrag auf die künftige Entwicklung von Aktienkursen oder Kreditderivaten setzen. Damit sei nun Schluss - "die Risiken sind einfach nicht mehr vertretbar", sagt ein mit der Situation vertrauter Manager.



Steinbrück gegen "Bad Bank"

Trotz der jüngsten Entwicklung ist das Finanzministerium gegen eine "Bad Bank": Eine solche Institution, in der die faulen Kredite der Privatbanken abgeladen werden, müsste nach Angaben von Steinbrück mindestens mit Steuergeldern von 150 oder 200 Milliarden Euro ausgestattet sein. "Wie soll ich mit einem solchen Vorschlag vor den Deutschen Bundestag treten? Das Publikum würde uns für verrückt erklären", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Eine "Bad Bank", die faule Wertpapiere aufkaufen würde, könne er sich deshalb "ökonomisch und vor allem politisch nicht vorstellen". Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wirbt seit Monaten für diese Idee.

Finanzhilfen noch nicht ausgeschöpft

Steinbrück sagte auf die Frage, ob der im Herbst aufgelegte Banken-Rettungsschirm wegen der düsteren Zahlen der Institute im vierten Quartal 2008 noch ausreiche: "Keiner kann das heute sagen." Bei den Bürgschaften seien 100 von 400 Milliarden Euro abgerufen und bei den Eigenkapitalhilfen 18 von 80 Milliarden Euro. "Es gibt also noch Spielraum." Allein für die Teilverstaatlichung der Commerzbank werden 18,2 Milliarden Euro ausgegeben. Dafür übernimmt der Staat 25 Prozent plus eine Aktie.

Dauerkrise bei der Hypo Real Estate

Großbaustelle bleibt die Rettung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), der immer mehr Geld braucht. Bereits in dieser Woche könnte die Entscheidung fallen, ob der Staat sogar die Mehrheit an dem Münchner Unternehmen übernimmt. Dafür müsste das Gesetz für den Banken-Rettungsfonds SoFFin geändert werden, das einen Einstieg auf maximal 33 Prozent begrenzt. Die HRE hat bereits Staatsgarantien von 30 Milliarden Euro erhalten.



Die Landesbanken murren

Derweil stoßen die Milliardenhilfen der Bundesregierung für die privaten Großbanken auf Kritik bei den öffentlich-rechtlichen Geldinstituten. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Westdeutschen Landesbank, Michael Breuer, warnte vor einer Fairnesslücke, weil durch die Rettungsaktion der Bundesregierung für die Commerzbank ein Wettbewerbsnachteil entstanden sei. Auch der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, kritisierte die Milliardenhilfen der Bundesregierung für private Großbanken.

Geringere Anforderungen für Privatbanken

Breuer sagte der "Welt am Sonntag", bei der Commerzbank stemme der Bund eine beispiellose Hilfsaktion über insgesamt 18,2 Milliarden Euro. "Dabei wird, anders als bei den Landesbanken, keine Kernkapitalquote von acht Prozent als Voraussetzung für Staatshilfen gefordert", kritisierte er. Als Kernkapitalquote wird das Verhältnis von Eigenkapital zu Risikokapital in einer Bank bezeichnet.

Forderung nach Landesbank-Fusionen

Haasis kritisierte in der "Rheinpfalz am Sonntag", die privaten Geldinstitute nutzten die Staatsgelder, "um Bankenfusionen zu finanzieren, die sie alleine nicht mehr hätten stemmen können". Es sei ein Unding, wenn der Staat mit Steuergeldern für neue Strukturen bei den privaten Banken sorge, die Landesbanken aber in alter Form erhalten blieben. Auch hier seien Neuaufstellungen, Kapazitätsabbau und Fusionen nötig. Haasis sagte, man dürfe mit den Staatsinterventionen nicht gerade diejenigen beschädigen, "die sich in der Krise bewährt haben, die Sparkassen und Genossenschaftsbanken".

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