Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Qimonda ist pleite


Insolvenz  

Qimonda ist pleite

24.01.2009, 18:49 Uhr | mash / bab, dapd, t-online.de, dpa

Die Infineon-Tochter Qimonda muss Insolvenz anmelden (Foto: ddp)Die Infineon-Tochter Qimonda muss Insolvenz anmelden (Foto: ddp) Nach monatelangen Rettungsaktionen hat der krisengeschüttelte Speicherchiphersteller Qimonda beim Amtsgericht München Insolvenz angemeldet. Das bestätigte eine Sprecherin des Amtsgerichts der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die sächsische Landesregierung mitgeteilt, sie sei nicht bereit, noch mehr Geld in die Rettung der angeschlagenen Infineon-Tochter zu stecken.

Chronologie - Qimondas langer Weg in die Pleite
Tradition verpflichtet - Deutschlands älteste Unternehmen
Gehälter - Was Europas Top-Manager verdienen
Quiz - Was wissen Sie über die großen Finanzkrisen?

Zahlungsunfähigkeit

Als Grund für den Eigenantrag gab das Unternehmen Zahlungsunfähigkeit an, wie Gerichtssprecherin Ingrid Kaps sagte. Über das weitere Vorgehen entscheide der zuständige Richter.

Börse straft Aktien ab

Von der Qimonda-Pleite sind in Deutschland nach Unternehmensangaben rund 4600 Mitarbeiter betroffen. Am größten Standort Dresden arbeiten rund 3000 Menschen, in München etwa 1400. An der Börse wurde die Nachricht negativ aufgenommen. Die Infineon-Aktie verlor im frühen Handel stark, konnte sich dann jedoch von den schwersten Verlusten erholen. Qimonda-Papiere brachen bis zum Nachmittag um rund 60 Prozent auf unter zehn Cent ein.


Geschäftsbetrieb soll weitergehen

Wegen des weltweiten Preisverfalls für Speicherchips war der Konzern in Schieflage geraten. Dazu habe sich der Zugang zu Krediten dramatisch verschlechtert, erklärte der Konzern. Der Qimonda-Vorstand erklärte, er wolle wesentliche Unternehmensteile des Speicherchipherstellers im Rahmen der Insolvenz sanieren. "Wir gehen davon aus, dass wir unseren Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters sowie unserer Mitarbeiter im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können", sagte Vorstandschef Kin Wah Loh.

Keine Beteiligung an Firmenauslagerungen

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) unterstützt den Kurs des Unternehmens und hat einem möglichen Investor für den insolventen Chiphersteller Hilfe zugesagt. "Die Staatsregierung wird alles tun, um einen künftigen Investor zu unterstützen. Unser Hilfsangebot steht unverändert", sagte Tillich in Dresden laut einer Mitteilung. Eine Beteiligung Sachsens an möglichen Firmenauslagerungen, die im Zuge der Insolvenz entstehen könnten, schloss er aus.

Regierung gibt Qimonda zweite Chance

Dennoch sprach Tillich mit Blick auf die Pleite von einer zweiten Chance für das Unternehmen, seine Technologien und Mitarbeiter. Sachsen habe großes Interesse, den Standort zu erhalten, weil es sich um eine strategische Technologie handele. "Unsere Aufgabe ist nun, alles für diese zweite Chance zu tun. Wir werden kurzfristig mit dem Insolvenzverwalter Gespräche aufnehmen, um sicherzustellen, dass sowohl Technologie als auch Qualifikation am Standort erhalten bleiben", sagte Tillich.

"Hat mit normalem Gebaren ehrbarer Kaufleute wenig zu tun"

Die sächsische Landesregierung war zuvor noch äußerst verärgert über einen erneuten Finanzbedarf des angeschlagenen Unternehmens. Im Wirtschaftsministerium hieß es einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" (FR) zufolge: "Die kommen jetzt, wo alles in Sack und Tüten ist, mit noch einmal 300 Millionen Euro. Das hat mit dem normalen Gebaren ehrbarer Kaufleute wenig zu tun." Kritik gab es auch vom bayerischen IG-Metall-Bezirkschef Werner Neugebauer, welcher der Qimonda-Führung "eine schier endlose Serie von Managementfehlern" vorwarf.

Qimonda kämpfte wochenlang ums Überleben

Qimonda stellt Speicherchips her und hat weltweit rund 12.000 Beschäftigte. Das Unternehmen litt seit langem unter dem dramatischen Preisverfall bei DRAM-Speicherchips. Die Bauteile werden vor allem in Computern und Spielekonsolen eingesetzt. Qimonda hätte insgesamt über 600 Millionen Euro benötigt, für die vor allem der Staat bürgen sollte, hieß es in Finanzkreisen. Laut "FR" hatte es in jüngster Zeit mehrmals Gespräche mit der Bundesregierung zur Rettung des Unternehmens gegeben. In Berlin hieß es demnach, Qimonda habe aber kein tragfähiges Konzept für die Zukunft vorweisen können.

Infineon drohen hohe Belastungen

Zuletzt war bekanntgeworden, dass die Infineon-Tochter weitere 300 Millionen Euro an frischem Kapital benötigt. Erst kurz vor Weihnachten hatten Sachsen, Portugal und der Mutterkonzern Infineon ein Rettungspaket über 325 Millionen Euro zugesagt. Infineon drohen nun nach früheren Angaben von Konzernchef Peter Bauer hohe Belastungen von mehreren hundert Millionen Euro. So müssten eventuell Fördergelder an den Staat zurückzahlt werden, teilte der Konzern mit. Infineon hält derzeit 77,5 Prozent der Qimonda-Aktien. Die Gesamthöhe aller notwendigen Rückstellungen "schätzen wir auf einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag", teilte Infineon mit.

Mehr Themen:
Rückblick - Die scheinbare Rettung Qimondas
Yahoo - Neue Chefin friert Gehälter ein
Microsoft - Erstmals massiver Stellenabbau
Sony Ericsson - Handyhersteller rutscht in Verlustzone
Apple - Rekordquartal dank iPhone und iPod
Überraschende Bilanz - IBM trotzt der Konjunkturkrise
Ranking - Die wertvollsten deutschen Marken


Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal