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Experten warnen vor Wettrüsten der Städte


Einkaufszentren boomen  

Experten warnen vor Wettrüsten der Städte

04.02.2009, 09:05 Uhr | oca, dpa , t-online.de

Einkaufszentren boomen - Innenstädte sterben aus (Foto: dpa)Einkaufszentren boomen - Innenstädte sterben aus (Foto: dpa) Die Glitzerwelt großer Einkaufszentren lässt sich schnell beschreiben: Modeboutiquen, Schuhgeschäfte und Parfümerien bekannter Ketten reihen sich in glasüberdachten Ladenpassagen aneinander, die auch "Malls" genannt werden. "Wer eine Mall kennt, kennt sie alle", sagen Spötter. Doch trotz aller Kritik von Architekten und auch Ökonomen ist der Boom von Einkaufszentren ungebrochen. In Deutschland kommt im Schnitt alle drei bis vier Wochen ein neues Center hinzu. Im vergangenen Jahr sollte die Zahl der Einkaufszentren um 15 auf insgesamt 414 steigen, wie das Forschungsinstitut des Handels EHI berichtete. 51 weitere Center sind für die nächsten Jahre in Planung.

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Baudenkmäler könnten einem 150-Millionen-Euro-Projekt weichen

Projekte dieser Art entstehen längst nicht mehr nur in großen Städten, und so wird derzeit etwa auch im fränkischen Fürth über ein Einkaufszentrum diskutiert. Die Stadtoberen werben für ihre Kommune als Denkmalstadt, doch einige dieser Baudenkmäler könnten bald einem 150-Millionen-Euro-Projekt weichen. Der portugiesische Investor Sonae Sierra, der in Berlin das im September 2007 eröffnete "Alexa" betreibt, will in Fürth bis Ende 2011 eine Mall mit bis zu 90 Läden und einer Verkaufsfläche von 25.000 Quadratmetern errichten. Die "neue Mitte" werde dafür sorgen, dass die Fürther zum Einkaufen künftig nicht mehr ins knapp zehn Kilometer entfernte Nürnberg fahren müssen, sagt Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD).


"Interkommunales Wettrüsten mit Einkaufszentren"

Der Architekt Holger Pump-Uhlmann nennt das ein "interkommunales Wettrüsten mit Einkaufszentren". Viele Kommunen machten sich die Interessen von Investoren naiv zu eigen, sagt Pump-Uhlmann, der in einer Studie die Wirkung von Einkaufszentren auf Städte untersucht hat. Obwohl die meisten Malls inzwischen in Innenstädten entstünden und nicht wie früher auf der grünen Wiese, seien sie zum Rest der Stadt oft völlig abgeschottet. Wichtig sei aber ein "Wechselspiel von innen und außen". Die "Fünf Höfe" in München oder die "Hackeschen Höfe" in Berlin seien dafür vorbildlich.

In Fußgängerzonen nimmt Attraktivität von Ladenlokalen ab

Auch Ökonomen betrachten Einkaufszentren mit Skepsis, etwa Monika Walther von der Hamburger HafenCity-Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung. Mit dem Bau eines Einkaufszentrums nehme häufig in den Fußgängerzonen die Attraktivität von Ladenlokalen ab. Das zeige sich anhand von Mietpreisen für 1a-Lagen, also Lagen mit einer besonders hohen Frequenz kaufwilliger Kunden.

Mieten um 19 Prozent gefallen

Zwischen 1996 und 2008 seien diese Mietpreise in Städten mit einer Größe von 50.000 bis 150.000 Einwohnern um 19 Prozent gefallen, hat Walther beobachtet. Zurückzuführen sei das unter anderem auf die Eröffnung von Einkaufszentren. Das Ergebnis könne eine "Verflachung" des Angebots außerhalb der Malls durch Ein-Euro-Shops und Handy-Läden sein. Arbeitsplätze, die in den Centern neu geschaffen würden, fielen in der Umgebung häufig weg. "Das ist ein Nullsummenspiel", sagt Walther. Um negative Effekte zu vermeiden, sollten in Einkaufszentren höchstens halb so viele Geschäfte untergebracht werden wie es Läden in den Fußgängerzonen der jeweiligen Städte gibt, empfiehlt die Ökonomin.


Verband: Shopping-Center sollen Innenstädte beleben

Für eine "verträgliche Größe" plädiert auch der Vorsitzende des Interessenverbandes "German Council of Shopping Centers" (GCSC), Wolfgang Bays. "Shopping-Center müssen sich in das Handelsgefüge einer Stadt einfügen", sagt er. Einkaufszentren sollten "revitalisierend" wirken, Innenstädte also beleben.


Umstrittenes Projekt in Braunschweig

Zu den umstrittensten Projekten der vergangenen Jahre gehören die "Schloss-Arkaden" in Braunschweig. Sie wurden Anfang 2007 hinter einer rekonstruierten Schlossfassade eröffnet. Der Nachbau der klassizistischen Fassade wurde mit Geld des Unternehmens ECE möglich, das in Deutschland Marktführer unter den Center-Betreibern ist. Zu ECE gehört auch das Shopping-Center "Limbecker Platz" in Essen. Nach seiner kompletten Fertigstellung soll es mit 200 Läden auf 70.000 Quadratmetern Nutzfläche zu den größten Centern Deutschlands zählen.

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