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Managergehälter: Chef der Münchener Rück kritisiert Bonuszahlungen


Finanzkrise  

Chef der Münchener Rück kritisiert Manager-Boni

16.02.2009, 14:32 Uhr | sky, t-online.de, dpa-AFX

Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard (Foto: imago)Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard (Foto: imago) Der Chef der Münchener Rückversicherung, Nikolaus von Bomhard, hat Verständnis für die öffentliche Empörung über hohe Bonuszahlungen an Manager geäußert. "Es gab klare Exzesse", sagte der Vorstandsvorsitzende des DAX-Konzerns dem Magazin "Der Spiegel". Gerade die hohen, kurzfristigen Bonuszahlungen hätten als eine Art Brandbeschleuniger der Krise gewirkt. Er kritisierte die mangelnde persönliche Verantwortung vieler Top-Manager. "Wenn die Musik ganz laut spielt, muss man auch mal zu sagen wagen: Nein, ich tanze nicht mit." Auch aus der Politik wird die Kritik immer lauter.

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Chef der Münchener Rück für Boni-Deckelung

Angesichts der Dimension der Finanzkrise müsse man sich aber auch überlegen, ob man nur die Manager kritisiere oder nicht auch die Aufsichtsräte und Investoren, die solche Vergütungssysteme geschaffen haben. Er habe großes Verständnis für politische Pläne, die Boni nun zu deckeln, erläuterte von Bomhard.


1,6 Millionen Euro Prämie

Davon wäre er möglicherweise auch selbst betroffen. Dem Top-Manager stand laut Geschäftsbericht der Münchener Rück für das Jahr 2007 zusätzlich zu seinem Festgehalt von 864.000 Euro und anderer Zahlungen ein Bonus von maximal 1,6 Millionen Euro zu. Die tatsächlich gezahlte Höhe wird erst im Geschäftsbericht für das Jahr 2008 ausgewiesen, der noch nicht vorliegt. Derartige Leistungskomponenten sind bei den meisten großen Konzernen üblich.

Kritik nur an kurzfristigen Boni

Ein Sprecher der Münchener Rück stellte derweil auf Nachfrage klar, dass es Bomhard auch nicht um eine Abschaffung der Bonus-Zahlungen gehe, da sonst auch die Leistungskultur in den Unternehmen abgeschafft werde. Seine Kritik richte sich vielmehr gegen kurzfristige Boni, die in keinem Verhältnis zum langfristig eingegangenen Risiko stünden.

Intransparente Branche

Bomhard kritisierte, große Teile der Finanzindustrie seien für viele Bürger noch immer vollkommen intransparent. Das schaffe erst Unsicherheit, dann Misstrauen und könne am Ende dazu führen, dass gesellschaftliche Gruppen weit auseinanderdrifteten. "Das ist eine große Gefahr für unsere Gesellschaft."

Kritik von den Grünen...

Unterdessen regt sich auch in der Politik verstärkter Widerstand gegen hohe Manager-Gehälter. "Bevor man international etwas fordert, sollte man es national praktizieren", sagte der Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl, Jürgen Trittin, der "Berliner Zeitung". Es sei es unerträglich, dass bei der Commerzbank, in der rund 18 Milliarden Euro Steuergelder steckten, noch Boni ausgezahlt würden. "Hier müsste Frau Merkel Tatkraft zeigen. Stattdessen belässt sie es bei blumigen Versprechen im Globalen."

... bis zur Kanzlerin

Die Commerzbank hatte staatliche Hilfe in Anspruch genommen, um die Übernahme der Dresdner Bank stemmen zu können. Die Mitarbeiter der Investmentbank Dresdner Kleinwort wollen aber trotz Milliardenverlusten nicht auf vereinbarte Boni im Gesamtvolumen von rund 400 Millionen Euro verzichten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte es selbst "unverständlich" genannt, dass Banken, denen der Staat unter die Arme greift, in vielen Fällen gleichzeitig riesige Boni für das Jahr 2008 auszahlen. Dies werde auch ein Thema beim Weltfinanzgipfel der G20-Staaten Anfang April in London sein, betonte sie im "Spiegel".

FDP wundert sich über fehlende Deckelung

Die Liberalen bemängelten den unter Federführung Merkels erarbeiteten Rettungsschirm für Banken. "Es ist ein grober Webfehler des Rettungsschirms, dass solche Zahlungen nicht ausgeschlossen sind", sagte FDP-Vizefraktionschef Carl-Ludwig Thiele der "Berliner Zeitung". Besonders erstaunlich sei, dass die Kanzlerin nun etwas kritisiere, was sie im Gesetzgebungsverfahren hätte verhindern können.

SPD denkt an schärfere Regeln

Aktionärsschützer forderten in der Zeitung eine Reform des Aktienrechts. Es könne nicht sein, dass Banker, die Verluste machten, belohnt würden, sagte der Sprecher der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK), Lothar Gries. Die SPD erwägt, angesichts der Kritik die Bedingungen für Staatshilfen an notleidende Banken zu verschärfen. "Wir müssen das System für die Zukunft wasserdicht machen", sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß der "Frankfurter Rundschau". Die Regelung zur Gehaltsbegrenzung bei Bankern, deren Institute den Rettungsschirm in Anspruch nehmen, müsse klarer gefasst werden. Er appellierte an Manager bei der Dresdner Bank, freiwillig auf Boni zu verzichten.

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