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Finanzkrise zieht Commerzbank nach unten


Bankenkrise  

Finanzkrise zieht Commerzbank nach unten

18.03.2009, 16:18 Uhr | sky, dapd, dpa-AFX, AFP, t-online.de

Commerzbank im Griff der Finanzkrise (Foto: ddp)Commerzbank im Griff der Finanzkrise (Foto: ddp) Die Commerzbank hat im Schlussquartal 2008 die Talfahrt beschleunigt und tiefrote Zahlen geschrieben. Unter dem Strich sei wegen der Zuspitzung der Krise ein Verlust von 809 Millionen Euro angefallen nach einem Gewinn von 201 Millionen Euro im Vorjahresquartal, teilte die seit kurzem teilverstaatlichte Bank in Frankfurt mit. Im Gesamtjahr hielt sich die Commerzbank mit drei Millionen Euro gerade noch in der Gewinnzone, nachdem sie im Jahr 2007 den Rekordwert von 1,9 Milliarden Euro verdient hatte.

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Ergebnis besser als befürchtet

Mit dem Ergebnis kam die Bank allerdings mit einem blauen Auge davon: Analysten hatten für das Gesamtjahr mit einen noch etwas höheren Verlust gerechnet. Im Durchschnitt hatten zwölf von der Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Experten unter dem Strich mit einem Minus von knapp 100 Millionen Euro gerechnet. Die Prognosen waren allerdings wenig aussagefähig, da sie mit einer Spanne von minus 600 Millionen Euro bis plus 230 Millionen eine ungewöhnlich hohe Spreizung aufwiesen.

Gewinn dank Steuerrückzahlung

Allerdings rettete sich die Commerzbank nur dank des Finanzamtes in die Gewinnzone: Vor Steuern stand 2008 ein Verlust von 378 Millionen Euro zu Buche. Im Jahr 2007 hatte das Kreditinstitut noch ein Vorsteuerergebnis von 2,5 Milliarden Euro erzielt. Nur dank eines Steuerertrags schaffte die zweitgrößte deutsche Bank 2008 unter dem Strich den Mini-Gewinn von drei Millionen Euro. Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch Abschreibungen in Folge der Finanzkrise. Zudem rutschte die Bank im Geschäftsfeld Staatsfinanzierungen tief in die Verlustzone.

Börsianer setzen auf eine Erholung

Die Commerzbank-Aktie zog nach der Zahlenvorlage im frühen Handel um 6,2 Prozent auf 2,99 Euro davon. Die "besser als erwartet" ausgefallenen Zahlen lösten allerdings bei Börsianern am Morgen keinen Sturm der Begeisterung aus: Nach dem Absturz der Aktien um fast 30 Prozent in den vergangenen fünf Handelstagen gebe es aber auch technisches Erholungspotenzial, erläuterte ein Händler. 2009 werde zwar ein erneut schwieriges Jahr, die Integration der Dresdner Bank laufe aber nach Plan und die Commerzbank wolle von der wirtschaftlichen Erholung überproportional profitieren. Ein Analyst sieht allerdings auch wegen der hohen künftigen Zinslasten keine große Werthaltigkeit in dem Papier für die Aktionäre.


Schwieriges viertes Quartal

"Das vierte Quartal war eines der schwersten der ", sagte Vorstandssprecher Martin Blessing. Der operative Verlust im vierten Quartal 2008 lag bei 822 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum hatte die Bank noch ein Plus von 169 Millionen Euro erzielt. Auch das Immobiliengeschäft und das Investmentbanking setzten der Bank zu, beide schlossen das vierte Quartal wie auch das Gesamtjahr mit einem Verlust ab.

Keine Boni für die Manager

Angesichts der angespannten Lage will die Commerzbank nach eigenen Angaben darauf verzichten, ihren Managern für 2008 Boni auszuzahlen. Die Diskussion um hohe Prämien für Banker hatte in den vergangenen Tagen die Gemüter in Deutschland erregt. Auch die Aktionäre gehen leer aus: Für das abgelaufene Jahr will das Institut, das vom Staat mit Kapital in Höhe von insgesamt 18,2 Milliarden Euro gestützt wird, wie erwartet keine Dividende ausschütten.

2009 bleibt problematisch

Die Commerzbank rechnet trotz eines guten Starts mit einem schwierigen Jahr 2009. "Im Januar 2009 hatten wir, insbesondere getragen durch das Zins- und Handelsergebnis, einen guten Start", sagte Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz. "Aber wir müssen realistisch sein: 2009 wird nochmals ein sehr schwieriges Jahr. Wir werden weiter konjunkturelle Belastungen sehen, die aber 2010 wieder abnehmen sollten." Die Integration der Dresdner Bank verlaufe nach Plan.

Rücklagen werden erhöht

Die Commerzbank rechnet angesichts der anhaltenden Krise mit steigenden Kreditausfällen und will ihre Rücklagen weiter erhöhen. Das Marktumfeld werde auch in den nächsten Quartalen "sehr schwierig" sein, erläuterte Finanzchef Strutz laut einer im Internet veröffentlichten Präsentation. "Die Risikovorsorge wird voraussichtlich steigen." Im abgelaufenen Jahr hatte das Institut insgesamt knapp 1,9 Milliarden Euro für ausfallgefährdete Kredite zurückgelegt - das war fast vier Mal so viel wie 2007.

Tochter Eurohypo vor Neuausrichtung

Die angeschlagene Commerzbank-Tochter Eurohypo sieht derweil im laufenden Jahr große Herausforderungen und will mit einer Neuausrichtung ihre Zukunft sichern. "Das Jahr 2009 steht im Zeichen einer Neuausrichtung der Eurohypo", teilte das Institut, das wie der stark angeschlagene Konkurrent Hypo Real Estate (HRE) im Geschäftsfeld Staats- und Immobilienfinanzierung tätig ist, in Eschborn mit. Vorstandssprecher Frank Pörschke will zu den Ende 2008 angestoßenen Projekten bis Mitte des Jahres Ergebnisse vorlegen. Die Europhypo prüft vor allem, in welchen Märkten die Bank künftig welche Art von Immobilienfinanzierungen schwerpunktmäßig anbietet und in welcher organisatorischen Aufstellung sie dieses tun wird. Die Europypo rutschte 2008 wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise tief in die roten Zahlen: Dabei sei ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro angefallen nach einem Gewinn von 588 Millionen Euro im Vorjahr. Neben der deutlich erhöhten Vorsorge für künftige Kreditausfälle führten Neubewertungen von Wertpapieren zu dem Verlust.

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