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Automobilindustrie: Saab wohl kurz vor der Insolvenz


Saab  

Opel-Schwester Saab wohl kurz vor der Insolvenz

19.02.2009, 19:28 Uhr | sky, dpa-AFX , t-online.de

Klassischer Saab (Foto: Saab)Klassischer Saab (Foto: Saab) Schlechtes Omen für Opel: Der zu General Motors (GM) gehörende schwedische Autobauer Saab steht vor dem Aus. Während in Deutschland weiter fieberhaft nach Rettungsmöglichkeiten für die GM-Tochter Opel gesucht wurde, trat der Saab-Aufsichtsrat am Donnerstag zu einer Sondersitzung per Videoverbindung zwischen der europäischen GM-Zentrale in Frankfurt und dem Saab-Hauptsitz im schwedischen Trollhättan zusammen.

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Aufsichtsrat unterbricht Insolvenz-Sitzung

Wichtigster Tagesordnung in der Aufsichtsrat-Sitzung war nach Medienberichten der Beschluss für einen Insolvenzantrag, der schon am Freitag gestellt werden könnte. Die Sitzung wurde am Nachmittag ohne weitere Informationen oder Nennung eines neuen Termins unterbrochen. Zuvor hatte es geheißen, Saab wolle in Kürze einen Insolvenzverwalter bestellen.

Saab braucht dringend Geld

Die Europäische Investmentbank (EIB) bestätigte unterdessen, dass Saab einen Kredit für die Weiterführung des Unternehmens beantragt habe. Summen wurden nicht genannt. Für die Gewährung bedürfe es auf jeden Fall staatlicher Garantien, sagte ein EIB-Sprecher im Rundfunk. Die Regierung von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt lehnte zuvor jedoch jede Form von Kapitalhilfe an GM zur Rettung von Saab sowie eine Verstaatlichung ab. Der selbst ums Überleben kämpfende US-Konzern hatte in Stockholm um die sofortige Bereitstellung von fünf Milliarden Kronen (460 Millionen Euro) gebeten.

Eiskalte Abfuhr aus Stockholm

Schwedens konservativer Regierungschef Fredrik Reinfeldt wies sehr bestimmt und hart alle Anläufe von GM zurück, Steuergelder für irgendeine Form von Direkthilfe einzusetzen. "Wenn der größte Autokonzern der Welt es über zwanzig Jahre nicht geschafft hat, Saab überlebensfähig zu machen, wird das der schwedische Staat wohl kaum besser können", betonte Reinfeldt. "Diese Autodirektoren haben uns eine Falle gestellt." Die habe darin bestanden, die Kosten von geschätzt zwölf Milliarden Kronen (1,1 Milliarden Euro) für die Abwicklung von Saab auf Schwedens Staatskasse abzuwälzen.

Lieber jahrelang arbeitslos

Reinfeldt fuhr fort: "Saab ist doch längst kein schwedisches Unternehmen mehr, sondern nur noch ein Warenname für die US-Mutter. Da muss die auch die Verantwortung tragen." Die Regierung habe verschiedene Alternativen für eine Zukunft mit oder ohne Saab durchgerechnet, erläuterte Staatssekretär Jöran Hägglund aus dem Wirtschaftsministerium. "Es wäre immer noch billiger für uns, wenn alle betroffenen Arbeitnehmer vier bis fünf Jahre arbeitslos wären, als wenn wir den Betrieb mit Staatsgeldern am Leben erhalten".

Windräder statt Autos

Eine langfristige Fortsetzung der Autoproduktion am Saab-Standort Trollhättan bei Göteborg sehen schwedische Beobachter übereinstimmend als unwahrscheinlich an. Schwedens Wirtschaftsministerin Maud Olofsson hatte am Vorabend erklärt, der Insolvenzantrag sei die beste Möglichkeit, um die gesündesten Teile von Saab nach einer gründlichen Umstrukturierung zu retten. Olofsson sagte, sie könne sich "sehr gut" eine andere industrielle Produktion wie etwa für Windkraftanlagen vorstellen.

4000 Jobs in Gefahr

Von einem Aus für Saab wären knapp 4000 Beschäftigte im Stammwerk Trollhättan mit einer Jahresproduktion von 125.000 Autos (2007) betroffen. Inoffiziell verlautete, das die Produktion bis auf weiteres fortgesetzt werden soll. Die schwedische GM-Tochter hat seit dem Einstieg des US-Konzerns im Jahr 1990 fast immer Verluste eingefahren. Seit Beginn der Finanzkrise ist der Absatz auf dem wichtigen US-Markt um knapp die Hälfte eingebrochen. Von einem endgültigen Aus für Schwedens zweitgrößten Autohersteller nach Volvo wären unter Einschluss von Zulieferern bis zu 30.000 Arbeitsplätze betroffen.

GM will 47.000 Stellen streichen

Die Der US-Mutterkonzern General Motors hat jüngst sein Konzept vorgestellt, mit dem er sein Überleben sichern will. Dieser Plan ist die Voraussetzung für den Erhalt von Staatsgeld aus Washington. Laut dem "2009-2014 Restructuring Plan" ist auch die Zukunft von Opel weiter ungewiss. Das Konzept mit dem geplanten Abbau von weltweit 47.000 Arbeitsplätzen nennt keine konkreten Folgen für die Opel-Standorte in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern. General Motors äußerte aber die Erwartung, dass es nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland staatliche Hilfen geben müsse. Insgesamt sollen 26.000 Arbeitsplätze außerhalb der USA wegfallen. Opel wird in dem Papier nur einmal erwähnt: Mit einem Hinweis, dass mehr als zwei Drittel der potenziellen Opel-Käufer bei einer GM-Insolvenz ihre Kaufabsicht ändern würden.

General Motors spricht mit allen Seiten

GM-Chef Rick Wagoner wollte sich bei einer Pressekonferenz zu möglichen Werkschließungen in Deutschland nicht äußern. "Wir sind mittendrin, mit verschiedenen Seiten zu sprechen, darunter auch die deutsche Regierung." GM höre sich alle Optionen an. Zu Spekulationen über eine Trennung von Opel sagte Wagoner, bisher sei niemand an GM wegen eines Verkaufs herangetreten. Derweil betonte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in Detroit nach einem Gespräch mit GM-Chef Rick Wagoner, General Motors habe bislang keine Pläne, Opel-Standorte in Deutschland dicht zu machen.

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