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Continental schließt letztes Reifenwerk in Deutschland


Autokrise  

Continental schließt letztes Reifenwerk in Deutschland

12.03.2009, 12:31 Uhr | mash, t-online.de, dpa, dapd

Dunkel Wolken über Conti: Der Autozulieferer macht zwei Werke dicht. (Quelle: dpa)Dunkel Wolken über Conti: Der Autozulieferer macht zwei Werke dicht. (Quelle: dpa) Der Autozulieferer Continental reagiert auf massive Einbrüche im Reifengeschäft und schließt sein letztes Reifenwerk am hannoverschen Stammsitz und ein Werk in Frankreich. Die betroffenen 1900 Arbeitnehmer würden überwiegend Kündigungen erhalten, sagte Conti-Reifen-Vorstand Hans-Joachim Nikolin in Hannover.

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"Sozialverträgliche" Kündigungen

Den 780 Mitarbeitern in Hannover wolle man nach der betriebsbedingten Kündigung den Wechsel in eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft anbieten. Nikolin sprach von "sozialverträglichen betriebsbedingten Kündigungen". Ein Wechsel in andere Unternehmensteile sei für betroffene Arbeitnehmer angesichts der Auftragslage derzeit nur schwer möglich. Die Vermittlungsquoten aus Conti-Beschäftigungsgesellschaften in andere Unternehmen hätten aber in der Vergangenheit bei 60 bis 70 Prozent gelegen.

Bis zum Jahresende ist in Hannover Schluss

Nikolin kündigte baldige Gespräche mit dem Betriebrat "über Interessenausgleich, Sozialplan und Qualifizierungsgesellschaft an". Das Lkw-Reifenwerk in Hannover soll nach Angaben von Nikolin bis Jahresende die Fertigung einstellen. Das Pkw-Reifenwerk im französischen Clairoix soll in zwei Stufen frühestens im März 2010 die Produktion aufgeben. Dort geht es um einen Stellenabbau von 1120 Beschäftigten.

Betriebsrat: "Wir sehen das als Sauerei an"

Der Betriebsratschef im Werk Hannover-Stöcken, Wilfried Hilverkus, sprach von einer "unmenschlichen" Entscheidung. "Wir sehen das als Sauerei an." Bis Mai 2010 hätte Conti die Kurzarbeit ausweiten können. Zudem habe eine Betriebsvereinbarung in Aussicht gestanden, danach hätte das Unternehmen 500 Euro im Monat je Mitarbeiter - etwa durch einen Verzicht auf Zulagen - sparen können, sagte Hilverkus.

Reifen-Nachfrage massiv eingebrochen

Ausschlaggebend für die Entscheidung seien "massive Nachfrageeinbrüche", die Überkapazitäten verursacht hätten, teilte Conti mit. Der Markteinbruch bei den Reifen habe sich in den ersten zwei Monaten dieses Jahres noch einmal stark beschleunigt. Zu den Werksschließungen gebe es keine Alternative. Der Abbau von Arbeitszeitkonten, verlängerte Werksferien, der Abbau von Leiharbeitern und Kurzarbeit reichten als Reaktion nicht mehr aus. Ende 2007 war in Hannover bereits die Pkw-Reifenproduktion eingestellt worden.

Werke mit den höchsten Kosten geschlossen

Conti-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Nikolin erklärte am Mittwoch: "Wir haben verschiedene Optionen geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Reifen-Divisionen nur durch die Schließung der beiden Werke mit den höchsten Kosten zu halten ist. Und das sind für Pkw-Reifen Clairoix und für Nutzfahrzeugreifen Hannover." Europaweit drosselt das Unternehmen die Herstellung von Nutzfahrzeugreifen um 27 Prozent. Im Werk in der Slowakei wird die Produktion um 20 Prozent zurückgefahren.

Gewerkschaft fordert Sondersitzung des Aufsichtsrates

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) kritisierte die angekündigte Werkschließung in Hannover-Stöcken als konzeptlos und "in jeder Hinsicht verfehlt." Der Vorsitzende Hubertus Schmoldt forderte eine Sondersitzung des Conti-Aufsichtsrates. Solange es kein Zukunftskonzept für die Unternehmensgruppe aus Conti und der neuen Mutter Schaeffler gebe, sei die Schließung von Werken weder sinnvoll noch verantwortbar, kritisierte er.

"Keine tragfähige Grundlage" für Entlassungen

Aus Sicht der IG BCE gibt es für die Entscheidung des Vorstands "keine tragfähige Grundlage". Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Hubertus Schmoldt, sagte, es müssten "langfristige Lösungen für die Conti als Ganzes" auf den Weg gebracht werden, "statt in kurzsichtiger Hektik dem Unternehmen und seinen Beschäftigten schweren Schaden zuzufügen". Der Betriebsrat, die Belegschaft und die IG BCE würden alles tun, um Entlassungen zu vermeiden und die Produktion in Stöcken zu halten. "Der Vorstand wäre sicher gut beraten, mit uns nach vernünftigen Alternativen zu suchen statt auf Konfrontationskurs zu gehen", sagte Schmoldt. Conti kündigte an, alles zu tun, um die betroffenen Beschäftigten umfassend zu unterstützen. Ein Sozialplan und Qualifizierungsgesellschaften sind im Gespräch.

Schaeffler habe nichts mit Entscheidung zu tun

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte: "Es handelt sich um eine unternehmerische Entscheidung, die wir sehr bedauern." Die Entscheidung stehe aber nicht in Verbindung mit der derzeitigen Diskussion um den Einstieg von Schaeffler. Das fränkische Familienunternehmen Schaeffler hatte sich mit der Übernahme von Continental übernommen, steht mit mehr als zehn Milliarden Euro in der Kreide und bittet um Staatshilfen.

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