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Banken in der Finanzkrise: Gewinne sorgen für Frühlingsgefühle


Gewinne  

Frühlingsgefühle bei den Banken

18.03.2009, 18:38 Uhr | oca, t-online.de, AFP

Banken starten besser ins neue Jahr als erwartet (Quelle: imago images)Banken starten besser ins neue Jahr als erwartet (Quelle: imago images) Nach dem verheerenden Finanzjahr 2008 ist der Start ins neue Jahr für viele Banken deutlich besser gelaufen als befürchtet. Auch die italienische Großbank UniCredit und ihre deutsche Tochter HypoVereinsbank berichten von besseren Geschäften im Januar und Februar. Bei der Citigroup, JPMorgan, HSBC Holdings und Credit Suisse oder auch der Commerzbank, Deutschen Bank, Postbank und WestLB klang es in den vergangenen Tagen ganz ähnlich. Damit dämpften die Bankhäuser die Sorgen vor neuen Löchern in den Bilanzen, die Kurse der Bankaktien legten deutlich zu. Überstanden ist die Krise nach Einschätzung von Bankexperten aber trotzdem nicht.

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Bankenexperte: Optimismus kann nicht schaden

"Frühlingsgefühle sind gut und ein bisschen Optimismus kann nicht schaden", sagt der Bankenexperte Martin Hüfner. Eine Umkehr zum Besseren sieht er aber noch nicht. "Ich halte die Stimmungsverbesserung für nicht viel mehr als eine vorübergehende Reaktion auf den übertriebenen Pessimismus der letzten Wochen", meint Hüfner, der jahrelang Chefvolkswirt der HypoVereinsbank war. Diese Reaktion sei überfällig gewesen.


"Wir glauben nicht, dass wir die Krise hinter uns haben"

Auch der neue HypoVereinsbank-Chef Theodor Weimer konnte bei der Bilanzvorlage in München noch keine Entwarnung geben. Zwar seien die Monate Januar und Februar deutlich besser gelaufen als das Schlussquartal 2008. Aber: "Wir glauben nicht, dass wir die Krise hinter uns haben." Das vergangene Jahr schloss die Bank, die nach der Deutsche Bank und der Dresdner Bank/Commerzbank die drittgrößte Privatbank in Deutschland ist, mit einem Verlust von 671 Millionen Euro ab.


Branche sieht wieder Land

Der Schock über die Erschütterungen der Bankenwelt nach der Lehman-Pleite sitzt in der Branche immer noch tief. "Es hat fußballgroße Klumpen gehagelt. Da hieß es nur noch: Rette sich, wer kann", sagt Weimer, der Anfang des Jahres mitten in der Krise den Chefsessel bei der HypoVereinsbank übernahm. Inzwischen sieht die Branche zumindest wieder Land. Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei Baader, spricht von einer "Stabilisierung auf schwachem Niveau". Es habe den Anschein, dass die Banken sich mehr vertrauten und den Handel untereinander wieder gestartet hätten, um für bestimmte Wertpapiere Preise zu finden. "Es gibt offenbar das Ansinnen, leblosen Vermögensgegenständen wieder Atem einzuhauchen."


Milliardengewinne möglich

Einige Institute strotzen allerdings schon wieder vor Zuversicht. So verkündete die vom Staat mit insgesamt 45 Milliarden Dollar gestützte Bank of America in der vergangenen Woche, dass nach einem profitablen Jahresauftakt im Gesamtjahr 2009 durchaus ein Vorsteuergewinn von 50 Milliarden Dollar drin sei - allerdings ohne die Berücksichtigung von Kreditausfällen oder Abschreibungen.


Ackermann: Renditen von über 20 Prozent keine Überraschung

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, mit seinem Institut genau wie die HypoVereinsbank ohne staatliche Hilfe unterwegs, geht noch einen Schritt weiter: Die Banken könnten durchaus wieder Eigenkapitalrenditen vor Steuern von 25 Prozent erreichen. "Ich wäre nicht überrascht, wenn einige schon im ersten Quartal wieder Renditen von über 20 Prozent erreichen", sagte er vor wenigen Tagen dem "Handelsblatt".


Experte: Banker haben offenbar nichts gelernt

Marktstratege Halver warnt wegen der nach wie vor großen Risiken aber vor allzu großer Euphorie. "Keiner braucht im Moment solche heiß gespritzten Bankenlandschaften", betont er. "Es wäre sinnvoll, wenn der Patient die Rekonvaleszenz langsam angehen lässt und nicht glaubt, gleich wieder Marathon laufen zu müssen." Ein Branchenexperte fügt hinzu, solche Ankündigungen seien vor dem Hintergrund der schweren Verwerfungen völlig verfrüht und unverantwortlich. Die Institute drohten wieder in alte Muster zu verfallen und das Streben nach Profitabilität an oberste Stelle zu stellen. "Es scheint, als hätten die Banker aus dem Debakel nichts gelernt."

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