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Kurzarbeit reicht nicht mehr aus - jetzt wird entlassen


Industrie  

Kurzarbeit reicht nicht mehr aus - jetzt wird entlassen

27.03.2009, 09:19 Uhr | mash, AFP, dpa-AFX, t-online.de

Stahlindustrie streicht ebenfalls Stellen (Foto: dpa)Stahlindustrie streicht ebenfalls Stellen (Foto: dpa) Die weltweite Wirtschaftskrise trifft die Konzerne mit voller Wucht - und längst sind nicht mehr nur Automobilunternehmen und ihre Zulieferer betroffen. Auch die Metall- und Stahlindustrie und der Maschinenbau kämpfen mit schlechter Auftragslage und roten Zahlen. Kurzarbeit reicht offensichtlich nicht mehr aus. Allein in den letzten Tagen wurden zahlreiche Stellenstreichungen bekannt gegeben.

Märklin, Pfaff oder Grundig - Deutschlands älteste Unternehmen

Druckmaschinen-Industrie leidet

Der deutschen Druckmaschinen-Industrie brechen die Aufträge weg - sie reagiert mit Stellenstreichungen und drastischen Sparprogrammen. Weltmarktführer Heidelberger Druck verzeichnet die schlechteste Auftragslage seit Jahren und streicht 5000 Stellen - doppelt so viel wie geplant. Jeder vierte der 20.000 Mitarbeiter soll bis Jahresende gehen. Konkurrent Koenig & Bauer (KBA), Nummer Drei im Druckmaschinen-Weltmarkt, schreibt ebenfalls tiefrote Zahlen: Bei der KBA wird die Zahl der Beschäftigten bis zum Jahresende 2009 von derzeit gut 7800 "deutlich in die Nähe von 7000 Mitarbeitern" sinken, gab das Unternehmen bekannt. Bereits im vergangenen Jahr wurden 400 Stellen gestrichen.

Maschinenbau - Erste Kündigungen bei HeidelDruck

GEA streicht bis zu 200 Arbeitsplätze

Der Spezialmaschinen- und Anlagenbauer GEA kündigte ebenfalls den Wegfall von bis zu 200 der knapp 7000 Arbeitsplätze in Deutschland an. Insgesamt sollen 700 bis 800 der weltweit 21.300 Stellen gestrichen werden. Davon betroffen sind die schlecht laufenden Sparten wie das Öl-, Gas- und Chemiegeschäft oder die Schiffsausrüstungen. Von den 1500 Leiharbeitern sollen bis zu 1000 das Unternehmen verlassen, wie ein Sprecher sagte.

ThyssenKrupp plant ebenfalls Einschnitte

Auch der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp meldete, die Weltwirtschaftskrise zwinge zu einem massiven Stellenabbau. Einen Bericht der "Financial Times Deutschland", wonach der Abbau von 3000 Arbeitsplätzen in dem Konzern geplant sei, wollte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage jedoch nicht bestätigen. Auch bei der Gewerkschaft IG Metall war die Zahl von 3000 bedrohten Arbeitsplätzen nicht bekannt.

Hintergrund - Stellenabbau bei ThyssenKrupp

Autozulieferer entlassen ebenfalls

Die gesunkene Nachfrage zwingt auch den Autozulieferer Mahle, sein Werk im unterfränkischen Alzenau mit 410 Beschäftigten schließen. Branchenkollege Grammer, Hersteller von Sitzen und Fahrzeuginnenausstattung, streicht weltweit rund 20 Prozent der ehemals 9750 Stellen. Seit Jahresbeginn sind laut Unternehmensangaben bereits 1000 Mitarbeiter vor allem an den ausländischen Standorten entlassen worden. Die Hella KG Hueck & Co. aus Lippstadt will bis zum Herbst 700 Stellen in Deutschland abbauen. Das Unternehmen beschäftigt hierzulande 11.000 Mitarbeiter. Bis Ende September seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Und auch Rheinmetall will in seiner Autozulieferersparte weitere 1000 Beschäftigte entlassen. Der Konzern hatte bereits 1500 Stellen gestrichen, allerdings vor allem in den USA und Brasilien. Nun sind auch deutsche Standorte betroffen.

Ab Sommer spürbarer Anstieg der Arbeitslosigkeit

Diese in den letzten Tagen bekannt gewordenen Stellenstreichungen werden nicht die einzigen bleiben. "Noch fängt die Kurzarbeit Entlassungen ab. Aber spätestens ab Sommer ist mit einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen", sagte das neue Mitglied bei den Wirtschaftsweisen und Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, Christoph Schmidt. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Jahresverlauf um 600.000 zulegen und auch 2010 weiter steigen.

Prognosen für 2009 werden laufend schlechter

Der Tiefpunkt der Krise sei noch lange nicht erreicht. "Ich befürchte, dass wir frühestens am Jahresende eine Bodenbildung sehen", sagte er. Erst 2010 dürfte die Konjunktur wieder verhalten anziehen. Mit dieser Einschätzung korrespondieren die neuesten Konjunkturprognosen, die erneut nach unten korrigiert wurden. So rechnet die Bundesregierung laut einem internen Papier damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um vier bis 4,5 Prozent sinkt.

Wirtschaftsentwicklung - Regierung will Konjunkturprognose senken

Entlassungen bald auf der Tagesordnung?

Eine Befragung unter mittelständischen Unternehmen bestätigt die Einschätzung des Wirtschaftsweisen: Im Mittelstandsmonitor 2009 geben nur 13,1 Prozent der Unternehmen an, Mitarbeiter einzustellen. Fast 20 Prozent dagegen planen Entlassungen. Besonders hart trifft es den Osten Deutschlands: In den neuen Bundesländern will sogar jedes vierte Unternehmen Stellen streichen.

Personalabbau könnte schlimmer sein

Die Verfasser des Mittelstandmonitors geben sich jedoch trotz der insgesamt alarmierenden Zahlen verhalten optimistisch. Die Lage könne durchaus noch schlimmer aussehen, finden sie. Den Firmen sei offenbar daran gelegen, ihre Produktionskapazitäten diesmal von vorneherein auf dem neuesten Stand zu halten. Auch der voraussichtliche Personalabbau sei angesichts der Tiefe der Krise noch moderat, so die Kernaussage der Studie. Viele Firmen wollten ihr qualifiziertes Personal wohl für bessere Zeiten halten.

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